Gescher
Prozess ausgesetzt – Warten auf Gutachten

Gescher. Es war alles vorbereitet für den Prozess gegen den 42-jährigen Gescheraner, dem die einmalige Vergewaltigung eines 14-jährigen Mädchens, die mehrfache Vergewaltigung einer erwachsenen Frau und der Besitz von 94 kinderpornografischen Dokumenten zur Last gelegt wird. Die Verhandlung begann am Donnerstag vor der 10. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster im Gebäude des Amtsgerichts in Bocholt.

Donnerstag, 18.04.2019, 17:32 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 17:36 Uhr
Gescher: Prozess ausgesetzt – Warten auf Gutachten
Ein 42-jähriger Gescheraner muss sich wegen des Vorwurfs der mehrfachen der Vergewaltigung vor dem Landgericht Münster im Gebäude des Amtsgerichts Bocholt verantworten. Der erste Prozesstag am Donnerstag fand großes Interesse auch bei überregionalen Medien. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Drei Richter und zwei Schöffen eröffneten den Prozess gegen den Angeklagten nach Verlesen der Anklageschrift durch die Staatsanwältin. Der Angeklagte wurde von zwei Verteidigern begleitet. Als Nebenkläger traten die beiden vermutlich geschädigten Frauen mit ihren Verteidigern auf sowie zwei Zeugen.

Erstaunlich groß war das Medieninteresse. Denn die erwachsene Frau, die 18 Vergewaltigungen bis 2014 in der Wohnung des Angeklagten angezeigt hatte, wurde vom bekannten Anwalt Burkhard Benecken aus Marl begleitet. Dies war, wie am Rande zu vernehmen, wohl ein wesentlicher Grund für das Erscheinen überregionaler Medien.

Sachlich, ruhig und kooperativ trat der Angeklagte auf. Mehrfach beriet das Gericht über einen Antrag der Verteidigung des Angeklagten, in dem ein aussagekräftiges Gutachten eingefordert wurde, um die Glaubwürdigkeit der erwachsenen Frau auf den Prüfstand zu stellen. Bevor das Gericht diesem Antrag zustimmte, lasen die beiden Verteidiger den Chatverlauf zwischen dem Angeklagten und dieser Frau vor. Auch diese Eingabe der Verteidiger war vorher so nicht eingeplant.

Wie dem Chatverlauf zu entnehmen, waren der Angeklagte und die vermutlich Geschädigte seit 2012 eine Beziehung eingegangen. Die Frau reduzierte den Kontakt auf den reinen Austausch von Nachrichten, weil sie zuvor schon einen Freund hatte.

Offensichtlich hatte sich der Angeklagte in die Frau verliebt. Er machte ihr weiterhin Komplimente. Als sie mit ihrem Freund Schluss gemacht hatte, wurde der Kontakt zwischen ihr und dem Angeklagten enger. Der verlesene Chatverlauf erstreckte sich über mehrere Monate in den Jahren 2012 und 2013. Das Gericht zog das Handy des Angeklagten kurzfristig ein, um den verbal vorgetragenen Chatverlauf mit eigenen Augen zu überprüfen.

Später soll die Frau zum Angeklagten gezogen sein, der sie bis 2014 mehrfach vergewaltigt haben soll unter der Androhung, er würde sie sonst auf die Straße setzen. Außerdem soll der Angeklagte von ihr und von dem 14-jährigen Mädchen nach der oder den Vergewaltigungen Fotos der beiden unbekleideten Frauen gemacht haben. So jedenfalls heißt es in der Anklageschrift. Die Vorwürfe der Vergewaltigung der 14-Jährigen und des Besitzes kinderpornografischer Dokumente rückte an diesem ersten Prozesstag erst einmal in den Hintergrund. Das Gericht nahm den Antrag auf Erstellung eines aussagepsychologischen Gutachtens über die vermutlich geschädigte erwachsene Frau an. Damit setzte der Richter das Verfahren vorerst solange aus, bis dieses Gutachten vorliegt.

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