Gescher
Muskelpakete im knappen Bikini

Gescher/Selm. Streifendienst in Uniform bei der Borkener Polizei, also Dienst zur Tages- und Nachtzeit sowie an Wochenenden und Feiertagen, das prägt die eine, die berufliche Seite der in Gescher beheimateten, 38-jährigen Polizeikommissarin Anneke Gerdemann. Doch dann gibt es noch die andere Seite der Polizistin, die einer überaus ehrgeizigen und zielstrebigen Extrem-Sportlerin.

Dienstag, 07.05.2019, 12:48 Uhr
Gescher: Muskelpakete im knappen Bikini
Die Polizeibeamtin Anneke Gerdemann wohnt in Gescher und hat in ihrer Bodybuilding-Karriere schon viele Pokale eingeheimst. Foto: az

Es ist sicher nicht jedermanns Sache, nach einem absolvierten Nacht- oder Spätdienst noch die Energiereserven zu mobilisieren, schnell ein paar Kilometer zu joggen oder nach wenigen Stunden Schlaf ins Fitness-Studio zu fahren, um dort tonnenweise Gewichte zu stemmen. Ganz abgesehen von streng einzuhaltenden, asketischen Ernährungsplänen und fortwährendem Verzicht auf Partys oder ab und zu mal einen Burger mit Pommes.

Ihr definiertes Ziel: Die Fitness- und Body-Building-Weltmeisterschaften im November in Straßburg. Doch bevor sie dorthin kann, hat sie noch einige Hürden in einem sportlichen Bereich zu überwinden, der für Außenstehende vielfach in direkten Zusammenhang mit dem Missbrauch anaboler Steroide und eingesetzten Implantaten gebracht wird.

Zu den Wettkämpfen wie am vergangenen Samstag in Selm, wo es um den Titel Mrs. International (WPF Verband – World Physics Federation) ging, tauscht die Polizeibeamtin ihre Uniform gegen einen knappen Bikini und zeigt ihren durchtrainierten, muskelbepackten Körper einem vorwiegend männlichen Publikum und einer Jury, die über ihr Aussehen sowie über ihren vor Fitness strotzenden Körper befindet und über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Frauen mit überwiegend maskulinen Gesichtszügen, alle gleichermaßen durchtrainiert und über und über mit sichtbar hervortretenden Muskelgruppen bepackt, stehen auf der Bühne im Scheinwerferlicht. Das „Posing“, also das Vorzeigen bestimmter Körperpartien nach einer einstudierten Choreographie, ist anstrengend. Schnell vermischen sich Selbstbräunungsmittel, Öl und Schweißtropfen auf der glänzenden Haut der Athletinnen. Sie sind sichtlich erleichtert, als die Jury sie von der Bühne entlässt.

So auch an diesem Tage Anneke Gerdemann. Sie ist erschöpft, aber zufrieden mit sich und ihrem Auftritt. Sie rechnet sich gute Chancen auf einen vorderen Platz aus. Am Abend dann bei der Siegerehrung ist sie einerseits zufrieden über ihren dritten Platz, der für sie das Ticket zu den Europameisterschaften 2019 in Rom bedeutet, andererseits ist sie aber auch irritiert und etwas enttäuscht über die Jury-Entscheidung. „Manchmal fällen die Juroren Entscheidungen, die nicht wirklich transparent für die Athleten sind. Aber so ist es nun mal, da musst du durch“, ist sie mental schnell wieder in ihrer Spur, geradlinig und zielstrebig wie immer.

In den kommenden Tagen wird sie wieder ungeschminkt in ihrer Uniform in der Borkener City im Streifenwagen zu sehen sein. Kein Rampenlicht, keine Bühnenscheinwerfer, dann ist sie wieder die Polizeikommissarin Gerdemann und macht ihren Job. Bis zum nächsten Wettkampf.

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