Gescher
Gemeinden rücker enger zusammen

Gescher/Borken. Die evangelischen Kirchengemeinden Gemen, Borken, Gescher-Reken und Rhede wollen ihre Zusammenarbeit verstärken. Wie das gelingen könnte, wurde bei einer Versammlung skizziert, zu der sich am Freitagabend etwa 110 Angehörige der betroffenen Kirchengemeinden in der Martin-Luther-Kirche in Borken zusammenkamen.

Montag, 08.07.2019, 11:15 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 17:21 Uhr
Gescher: Gemeinden rücker enger zusammen
Vertreter der Steuerungsgruppe präsentierten die Zwischenergebnisse bei einer Versammlung in der Martin-Luther-Kirche. Foto: Peter Berger

Für die evangelischen Seelsorger in der Region ist der Pfarrdienst mit immer mehr Fahrerei verbunden. Zu der akuten Personalnot, die die derzeitigen Geistlichen mit einem „Spagat“ teils quer durch die Region zu begegnen versuchen, kommen Entwicklungen, die die gesamte Kirche betreffen. Die Zahl der aktiven Gläubigen ist mit 14 500 in allen vier Gemeinden noch relativ stabil, soll aber nach 2020 deutlich sinken. Derzeit gilt ein Stellenschlüssel von einem Pfarrer pro 3000 Gemeindeglieder. Das würde für die vier Gemeinden – Stand heute – knapp fünf volle Pfarrstellen bedeuten. Allerdings ist der Pfarrer-Nachwuchs dünn gesät. Und dann ist da noch das neue kirchliche Finanzmanagement, das ab kommendem Jahr greifen soll. Die Gemeinden haben künftig Rücklagen für ihre Immobilien zu bilden, was ihren finanziellen Spielraum sicherlich nicht erhöhen dürfte.

All diese Aspekte führten vor knapp zwei Jahren zu der Erkenntnis, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Eine Steuerungsgruppe analysierte den Ist-Zustand und formulierte Zwischenergebnisse. „Was wir nicht haben, ist ein fertiges Rezept“, sagte der Borkener Pfarrer Ralf Groß vor der Versammlung. Die Tendenz, die sich anschließend in der Martin-Luther-Kirche abzeichnete, lautet in etwa so: keine „großen Maßnahmen“ in Form einer Fusion der Gemeinden. Dies halte die Steuerungsgruppe für wenig praktikabel, so Hartmut Wiggers, Presbyter aus Reken. Grund: Strukturen würden zementiert, ohne zu wissen, ob diese auch mittel- und langfristig tragbar seien. Stattdessen: ein gemeinsamer „Topf“ der Gemeinden, aus dem die Pfarrstellen finanziert werden. Dazu: (Urlaubs-)Vertretungen in Zweier-Teams, „Kanzeltausch“, flexiblere Gottesdienstzeiten und vielleicht ein zentrales Gemeindebüro, schließlich der Aufbau „multiprofessioneller Teams“ zur Entlastung der Seelsorger.

Die Gewichtung der Finanzierung schien man in der Aussprache durchaus unterschiedlich zu sehen. Warum nicht ein Pfarrstelle einsparen und dafür einen Jugendarbeiter einstellen, lautete ein Vorschlag. Der Diskussionsprozess soll im Herbst zu verbindlichen Lösungen führen. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen gebe es keinen Anlass, „alles nur schwarz zu sehen“, so Christine Maiwald-Nickoleit, die Vorsitzende des Presbyteriums in Rhede. Die Devise gegen Dissens lautete bei der Versammlung: „Gemeinschaft – Solidarität – Gottvertrauen“.

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