Gescher
Gemeinnützigkeit hat keinen Vorrang

Gescher. Keine Gefahr für die Altkleidersammlung in der Glockenstadt sieht Willi Hintemann von der Kolpingsfamilie Gescher angesichts einer möglichen künftigen Konkurrenz aus gewerblichen Sammlern.

Mittwoch, 17.07.2019, 10:40 Uhr
Gescher: Gemeinnützigkeit hat keinen Vorrang
Die Kolpingsfamilie setzt auf eine einmalige Sammlung von Gebrauchtkleidern im Jahr. Dann werden stets drei zentrale Sammelstellen eingerichtet, wo das Sammelgut mit dem Lastwagen abgeholt wird. Foto: Archiv

Diese dürfen jetzt nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster wegen des Grundsatzes der Gleichbehandlung auch Container im Stadtgebiet aufstellen. Die Stadt Münster hatte Privatunternehmen bisher die Erlaubnis verweigert und nur gemeinnützigen Sammlern – wie zum Beispiel der Kolpingsfamilie oder dem Deutschen Roten Kreuz – das Aufstellen eines Sammelcontainers ermöglicht.

Dass der Gleichbehandlungs-Grundsatz eingehalten werden muss, sieht Bürgermeister Thomas Kerkhoff genauso. Die Stadt Gescher müsste dann nicht nur gemeinnützigen, sondern auch gewerblichen Sammlern Plätze für Container zur Verfügung stellen. Allerdings müsse man auch einem Wildwuchs entgegenwirken, so dass das Ortsbild nicht verschandelt werde. Vor einiger Zeit habe die Stadt das jeweils kurzfristige Aufstellen von Wäschekörben für Altkleider unterbunden. Gewerbliche Händler wollten auf diese Weise gebrauchte Kleidung sammeln.

Vor fünf Jahren hat die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) neun grüne Sammelcontainer in Gescher und Hochmoor aufgestellt. Im gesamten Gebiet des Kreises Borken waren rund 200 solcher Container installiert worden, um gewerblichen Sammlungen entgegenzuwirken. Die Erlöse der Sammlung – etwa 500 Euro pro Container jährlich – kommen den kommunalen Gebührenhaushalten und somit allen Bürgern zu Gute, wie die EGW mitteilte.

Jeder Bürger könne auf diese Weise selbst entscheiden, wo er seine gebrauchten Kleidungsstücke entsorgt und wen er damit unterstützen möchte.

Auf dieses Prinzip setzt auch Willi Hintemann von der Kolpingsfamilie Gescher. Die große Kolping-Sammlung von gebrauchter Kleidung im März jedes Jahres stehe bei der Bevölkerung seit vielen Jahren als fester Termin im Kalender hoch im Kurs. So könnten sich die Einwohner das ganze Jahr über darauf einstellen, ihre noch gut erhaltene Kleidung, die sie nicht mehr tragen wollen, zur Seite zu legen. Dieses Sammelsystem habe sich bewährt.

„Falls doch einmal – zum Beispiel bei einem Sterbefall – Kleidung abgeholt werden soll, erledigen wir das spontan“, versichert Willi Hintemann. Seit etwa 30 Jahren sorgt die Kolpingsfamilie dafür, dass gebrauchte Kleider nicht im Restmüll landen. Um den Wert von noch gut erhaltener Kleidung deutlich zu machen, verwende man heute lieber den Begriff Gebraucht- anstelle von Altkleidern. Letztere seien tatsächlich verschlissen und/oder verschmutzt und nicht mehr tragbar, sagt Hintemann, und gehörten in die Mülltonne.

Die Sammelstellen für die gebrauchten Kleidungsstücke werden seit mehreren Jahren jeweils im März auf dem Parkplatz des Unternehmens Huesker an der Fabrikstraße, beim Unternehmen Agravis am ehemaligen Bahnhof und am Netto-Markt eingerichtet.

Willi Hintemann räumt ein, dass vor einigen Jahren private Unternehmen versucht hätten, in Gescher Fuß zu fassen, indem sie Altkleider gesammelt hätten. „Doch im Gegensatz zu den gewerblichen Sammlern wird unser Sammelgut für gemeinnützige Zwecke verwendet“, sagt Willi Hintemann. Das sei für viele Bürger ein wichtiges Argument, die Gebrauchtkleider der Kolpingsfamilie zur Verfügung zu stellen. Der Kolpingsfamilie sei es sehr wichtig, für Transparenz zu sorgen. So sei die Bevölkerung bereits eingeladen gewesen, an einer Fahrt in die Niederlande teilzunehmen, wo die Interessenten in einem Unternehmen verfolgen konnten, wie die von der Kolpingsfamilie gesammelten Gebrauchtkleider sortiert und wiederverwendet werden.

Bürgermeister Thomas Kerkhoff sieht aktuell keinen Handlungsbedarf im Hinblick auf das Urteil des Oberverwaltungsgerichts, da für Gescher zurzeit keine Anfragen von gewerblichen Sammlern zur Aufstellung eines Altkleider-Containers vorliegen würden. Aber sicherlich müsse man sich in naher Zukunft mit dem Thema beschäftigen müssen, räumte er ein. Dann könne die Stadt aber die Plätze sehr genau vorgeben, wo eine Aufstellung möglich ist.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6785105?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947616%2F
Nachrichten-Ticker