Gescher
Naturschutz lässt Pläne platzen

Gescher. Enttäuschung und Unverständnis herrschen in den Reihen der Bürgerstiftung. Schon lange steht der Wunsch nach einem Niedrigseilgarten ganz oben auf der Liste der an die Stiftung herangetragenen Ideen. Und die Bürgerstiftung würde diesen Wunsch gerne erfüllen. Aus diesem Grund hat man sich in den vergangenen zwei Jahren auf die Suche nach einem geeigneten Standort gemacht und ihn auch gefunden – zumindest aus der Sicht der Ehrenamtlichen. Im Priesterwald in unmittelbarer Nähe zum Berkeltal gibt es einen Baumbestand, der auch von einer zu Rate gezogenen Fachfirma als perfekt geeignet beschrieben wird. Einziger Haken: Das Gebiet liegt innerhalb eines FFH-Schutzgebietes – der höchsten europäischen Schutzklassifizierung. Da die Schutzwürdigkeit vielen Bürgern nicht bekannt ist, wollte man das seitens der Stiftung nutzen, um hier einen Umweltlehrpfad zu errichten. Plan war es, ihn von Haus Hall kommend bis zu Alfers Mühle zu realisieren und in ein pädagogisches Gesamtkonzept zu packen. Neben Flora, Fauna und Bedeutung des Schutzgebietes sollten auch Themen wie Energiegewinnung, Wasser und Wald aufgenommen und vermittelt werden. Der Niedrigseilgarten wäre hier nur ein Teil des gesamten Konzeptes geworden, um auch Kindern und Jugendlichen die Bedeutung von Natur und die Notwendigkeit ihrer Bewahrung zu verdeutlichen.

Donnerstag, 15.08.2019, 08:14 Uhr
Gescher: Naturschutz lässt Pläne platzen
Aus Naturschutzgründen darf die Bürgerstiftung Gescher den geplanten Niedrigseilgarten im Priesterwald nicht realisieren. Foto: az

Zunächst sah auch alles gut aus, heißt es in einer Mitteilung der Bürgerstiftung. Bei einer ersten Begehung im Januar 2018 mit zwei Mitarbeiterinnen des Fachbereichs Natur und Umwelt des Kreises Borken stellte man in Aussicht, das Vorhaben wohlwollend zu prüfen und Unterstützung zu leisten. In diesen Termin hatte die Stiftung bereits die Kirchengemeinde als Eigentümerin der Waldfläche wie auch die Stadt Gescher in Person des Bürgermeisters mit eingebunden, die sich für die spätere technische Überwachung der Anlage angeboten hatte. Daraufhin erstellte eine Fachfirma eine Planung und eine erste grobe Kostenschätzung.

Doch schon im Mai war von der ursprünglich in Aussicht gestellten Unterstützung durch den Fachbereich Natur und Umwelt nicht mehr viel übrig. Aus seiner Sicht war es vorrangig, die „Freizeitnutzung auf ein schutzzielverträgliches Maß“ zu halten, um einer Verschlechterung des Schutzgebietes durch einen Niedrigseilgarten vorzubeugen. Auch galt das Gebiet nun nicht mehr als erschlossen, obwohl es offiziell eingezeichnete und markierte Wege durch den Priesterwald gibt.

Die ablehnende Vorprüfung des Kreises veranlasste die Bürgerstiftung, einen Umweltexperten des Kreises Coesfeld hinzuzuziehen. Dieser teilte die Bedenken überwiegend nicht, sondern gab der Stiftung wertvolle Hinweise zu Ausgleichs- und Aufwertungsmöglichkeiten für das Areal. „Statt einer Verschlechterung hätte sogar eine Verbesserung des Gebietes erreicht werden können“, so die Stiftung.

Weitere Gespräche mit dem Kreis Borken führten nicht zu einem Umdenken. Daher sei die Enttäuschung innerhalb der Bürgerstiftung mehr als groß. Da tröste auch der Alternativvorschlag aus dem Fachbereich Natur und Umwelt nicht, einen Niedrigseilgarten auf den südlich gelegenen Rasenflächen im Berkeltal zu errichten. Dort gebe es nicht einen einzigen Baum, der genutzt werden könnte. Die Kosten erhöhten sich dadurch auf das Drei- bis Vierfache und ein Sonnenschutz sei ebenfalls nicht vorhanden. Ganz davon zu schweigen, dass diese Fläche als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen sei und alle paar Jahre bei Hochwasser überflutet werde.

Andere, gut geeignete Flächen für einen Niedrigseilgarten in räumlicher Nähe zum Stadtgebiet konnten bislang nicht gefunden werden oder die Eigentümer solcher Flächen möchten sie nicht zur Verfügung stellen. Bürgerinnen und Bürger, die noch Vorschläge für mögliche Standorte haben, sollen sich gerne an die Bürgerstiftung wenden.

In der Bürgerstiftung möchte man jetzt bereits erhaltene Gelder und Spenden für hochwertige und besondere Spielgeräte auf Spielplätzen im Stadtgebiet verwenden, heißt es.

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