Gescher
Klassische Klänge verzaubern

Gescher. „Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich mal hier auf dem Rathausplatz neben dem Intendanten Dirk Klapsing und vor so einem Orchester stehen würde“, wunderte sich Bürgermeister Thomas Kerkhoff auf der Bühne. Zusätzlich blickte er vor Beginn des Konzerts „Russische Nacht“ auf volle Stuhlreihen, in denen nicht nur zahlreiche Bürgermeister und Vertreter der Stadträte aus Gescher und den Nachbargemeinden entlang der Berkel saßen, sondern bis zu 1000 Besucher aus der Region. Für viele wurde aber auch der Traum wahr, bei sommerlichem Wetter bei diesem musikalischen Angebot dabei sein zu dürfen. Und das bei freiem Eintritt und freier Platzwahl! Klapsing machte damit der Stadt Gescher, die an diesem Tag 50 Jahre alt wurde, und dem dreitägigen Berkelfestival, das am selben Tag startete, ein besonderes Geschenk.

Montag, 26.08.2019, 08:02 Uhr
Gescher: Klassische Klänge verzaubern
Virtuos spielte die Solistin Katja Dirven Didychenko am Cello auf. Foto: az

„Es ist das dritte Konzert des Orchesters der M:LW Festival Philharmonie unter der Leitung von Martin Panteleev und das erste Open-Air-Konzert in Gescher. Das vierte Konzert dieses Orchesters ist bereits geplant als Neujahrskonzert“, resümierte Klapsing.

Panteleev, der sich als humorvoller Moderator genauso profilierte wie als körperbetonter Dirigent, strahlte ebenfalls die Freude aus, wieder in Gescher sein zu dürfen. Mit einem der schwersten und notenreichsten Stücke, der Ouvertüre zur Oper „Ruslan und Ljudmila“ von Michail Glinka von 1842, eröffnete er das Konzert. „Ein besonderes Lob gilt unseren Streichern. Sie haben in viereinhalb Minuten weit über 2000 Noten gespielt“, provozierte Panteleev neuerlichen Applaus.

Eine weitere Überraschung war der Auftritt der Solistin Katja Dirven-Didychenko (Cello), die in Kiew geboren wurde und heute in Rotterdam lebt. Sie interpretierte Variationen über ein Rokoko-Thema von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky in einer eindringlich-virtuosen Weise, mit der sie erst recht die volle Aufmerksamkeit des Publikums und begeisterten Applaus erntete. Aufwühlende Passagen wurden im zweiten Teil abgelöst durch weich fließende Klänge. Führte die Solistin ihr Cello zu expressiven Solopassagen, führten die Streicher sie wieder zurück zum Grundmotiv, bevor die nächste Variation zum Ausbruch aus dieser Harmonie führte.

Panteleev erwies sich allerdings auch als Animateur, der Lust auf klassische Musik machte. Bevor er die Ouvertüre zu „Romeo und Julia“ von Tschaikowsky im Ganzen dirigierte, ließ er einzelne Passagen seiner Musiker spielen. „Der Anfang klingt wie orthodoxe Kirchenmusik. Im 11. Takt kommt dann diese Verzweiflung, die uns Tschaikowsky oft zeigt. Am Ende setzen die Blechbläser dem Wirbelsturm der Streicher zusammen mit der Kesselpauke ein jähes Ende. Wir haben ein tolles Orchester“, lobte der Dirigent und erntete damit erneut tosenden Applaus.

Gänsehaut verströmte auch das Meisterwerk „Die Nacht auf dem kahlen Berge“ von Modest Mussorgsky, beruhigt durch den „Blumenwalzer“ aus Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“. Belohnt wurden die Ausdauer und die Begeisterung des Publikums durch eine Zugabe, die „Capriccio Italian“, wieder von Tschaikowsky.

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