Gescher
„Tante Emma“ kommt modern daher

Gescher. Viele werden es schon bemerkt haben. Es tut sich was hinter den großen Fensterscheiben des ehemaligen Ladenlokals der Hirsch-Apotheke – mitten in der guten Stube von Gescher. Dort richtet die Gescheranerin Sabrina Dankelmann voller Tatendrang ihren neuen kostBAR-unverpackt-Laden ein.

Sonntag, 15.09.2019, 21:58 Uhr aktualisiert: 16.09.2019, 16:11 Uhr
Gescher: „Tante Emma“ kommt modern daher
Start-up-Unternehmerin Sabrina Dankelmann (39) greift auch schon selbst zum Akku-Schrauber, um bei der Einrichtung ihres kostBar-unverpackt-Ladens im ehemaligen Geschäftslokal der Hirsch-Apotheke mitzuhelfen. Foto: Manuela Reher

„Wir wollen zum Weihnachtsmarkt in diesem Jahr eröffnen“, sagt die 39-jährige Start-up-Unternehmerin voller Vorfreude. Mit dem Verkauf von 500 Produkten, die lose – zum Beispiel in Lebensmittelspendern – verkauft werden, möchte sie beginnen. Die Kunden können ihre eigene Taschen oder Behälter für die Produkte mitbringen oder dort erwerben. Auch eine Kaffee-Ecke und einen Spielbereich für Kinder richtet Sabrina Dankelmann in ihrem Laden ein.

Die Geschäftsidee ist denkbar einfach, und doch für Gescher etwas ganz Neues. Die 39-Jährige hat nicht lange überlegt, bis aus der Idee ein echtes Projekt geworden ist. „Alles begann mit dem ersten Treffen für das integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt Gescher“, berichtet sie. Knapp 70 Teilnehmer sind im März dieses Jahres zur Auftaktveranstaltung für das Konzept gekommen, das die Stadt Gescher mit Unterstützung des Büros „energielenker Beratungs-GmbH“ erarbeiten lässt.

„Für mich hat Klimaschutz maßgeblich etwa mit unserem Konsum zu tun“, sagt Sabrina Dankelmann, die noch bis Ende September als Angestellte in einem Unternehmen für Windkraftanlagen in Enschede arbeitet. Diesen Job hat die Ingenieurin für Mechatronik nach 15 Jahren aufgegeben, um ihren großen Traum vom kostBAR-unverpackt-Laden zu verwirklichen. Da sie in dem Unternehmen auch in leitender Position in den Bereichen Planung, Steuerung und Budget tätig gewesen sei, könne sie auf diese beruflichen Erfahrungen nun bei ihrer eigenen Firmengründung zurückgreifen.

Aber nicht nur das Klimaschutzkonzept, sondern auch ihre drei Kinder (elf, neun und sechs Jahre alt) hätten sie darin bestärkt, diesen neuen Weg zu gehen. „Wir haben uns in der Fastenzeit in jeder Woche eine neue Möglichkeit des Fastens ausgesucht – einmal haben wir versucht, Plastikbehälter bei Lebensmitteln zu vermeiden“, erzählt sie. Im gesamten Alltag habe sie immer wieder vermisst, dass sie vor Ort in der Innenstadt keine Bio-Produkte oder unverpackte Lebensmittel einkaufen könne.

„Ich habe damals damit begonnen, Shampoo selbst herzustellen“, sagt die gebürtige Osnabrückerin Sabrina Dankelmann, die seit inzwischen 13 Jahren mit ihrem Ehemann Henrik und den drei Kindern in Gescher lebt. Jedes Mal, wenn sie andernorts einen unverpackt-Laden betreten habe, hätten sich bei ihr Glücksgefühle eingestellt. Sie liebe die Gerüche dort und den Charakter eines Tante-Emma-Laden in moderner Variante. Die Vorteile würden für den Konsumenten auf der Hand liegen. Er habe auf diese Weise die Möglichkeit, weniger Verpackungsmüll zu produzieren und gezielter einzukaufen. Denn weil die Ware lose angeboten werde, könne man zum Beispiel ein Gewürz, das man nur zu Weihnachten benötige, auch in geringer Menge einkaufen und damit vermeiden, dass es später in der Mülltonne lande. „Das ist auch ein wichtiger Beitrag gegen die Verschwendung von Lebensmitteln“, sagt Sabrina Dankelmann.

Da sie vorwiegend regionale Produkte anbiete, würden lange Lieferwege entfallen. Das wiederum trage zum Klimaschutz bei.

Ihr sei es wichtig, ihr Wissen über unverpackt-Läden ständig in Workshops zu erweitern, aber sie möchte die Informationen auch an ihre Kunden und demnächst auch in Schulen weitergeben. Sie möchte aufzeigen, wie man entschleunigt einkaufen und gleichzeitig Ressourcen schonen kann.

Rückenwind gibt Sabrina Dankelmann auch ein Gründerstipendium NRW. Außerdem ist sie für den Gründerstein Award nominiert, mit dem Start-up-Unternehmer unterstützt werden.

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