Klasse!
Anderer Blick auf den Glauben

COESFELD. „Lasst uns noch zu den Sofas gehen, da waren wir noch nicht“, ruft Sophie (13) ihren Freundinnen zu und läuft die Stufen der Orgelbühne hinunter. Ihre Stimme hallt in der großen, hellen Kirche nach, so wie die 24 Stimmen ihrer Mitschüler. Dass das hier keine normale Kirche ist, sehe ich sofort. Nicht nur, dass statt Bänken ein Stuhlkreis in der Mitte steht, eine Leinwand aufgebaut ist, und Sofas und Sitzkissen zum Entspannen einladen, auch die Atmosphäre ist ganz anders. Für die Jugendkirche Effata in Münster ist das nichts ungewöhnliches. Die Klasse 8 b des St.-Pius-Gymnasiums in Coesfeld ist nur eine von vielen begeisterten Besuchergruppen, die sich jährlich die Kirche ansehen. In ihrem Fall am „Tag religiöser Orientierung“ ihrer Schule.

Dienstag, 25.09.2018, 16:04 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 25.09.2018, 16:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 25.09.2018, 16:04 Uhr
Klasse!: Anderer Blick auf den Glauben
Kreativität war gefragt: Unter dem Motto „Moderner Glaube“ gestalteten die Achtklässler des Pius-Gymnasiums mit den Betreuern der Jugendkirche Effata verschiedene Graffitis. Foto: az

Julia, Hannah und Markus, ihre drei Leiter, lernt die Klasse schon beim Frühstück kennen. Nach dieser kurzen Begrüßung betreten alle zum ersten Mal die Jugendkirche, und die wenigsten sind wohl nicht überrascht von dem modernen Raum ganz ohne Holzstatuen und dunkle Beichtstühle, wie man es aus den normalen Kirchen gewohnt ist. Auch das Programm ähnelt dem eines Gottesdienstes oder einer klassischen Kirchenführung gar nicht. Zur Einleitung wird ein kurzer Film mit Impulsen zum Tagesthema „Woran glaubst du?“ gezeigt. Von der Orgelbühne aus habe ich einen schönen Blick auf die Stationen, an denen sich die Klasse als nächstes ausprobiert oder einfach nur entspannen kann. So zum Beispiel bei den Sofas und Kissen, die im Halbkreis am einen Ende der Kirche aufgestellt sind, und bei denen Kopfhörer zu finden sind.

Mit Kurzfilmen auf Tablets haben die Schüler die Möglichkeit, in die Geschichte der fünf Weltreligionen einzutauchen, doch wer etwas mehr Herausforderung möchte, kann blind Gegenstände unter Tüchern ertasten, was gar nicht so einfach ist. Überall hört und sieht man die Jugendlichen, die sich hier sofort wohlfühlen. Nach einer kurzen Verschnaufpause für alle klären Hannah und Markus aber auch schon auf, worum es sich bei den Gegenständen handelt: Stationen aus dem Leidensweg Jesu, viel bildlicher und anschaulicher dargestellt als die Abschnitte in der Bibel. Es folgt eine Einzelarbeits- Phase, in der jeder Schüler in sich gehen soll, und überlegen soll, was ihm persönlich heilig ist. „Ich fand die Gesprächsgruppen sehr gut, weil man sich sehr entspannt mit einigen Leuten Gedanken zu interessanten

Themen machen konnte“, sagt Diana (14) über den ersten Teil des Nachmittags. In zwei Gruppen diskutieren die Schüler über die Frage „Woran glaubst du?“ und alles, was sonst noch so dazugehört, von „Als Kind habe ich mehr gebetet“, bis hin zu „Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?“

Um noch einmal richtig kreativ zu werden, stellen die Schüler das, was ihnen vom Tag im Gedächtnis geblieben ist, in einem Graffiti-Bild dar. Sprühen mit den Farbdosen macht jedenfalls auch Spaß, wenn man kein Künstler ist. Das Resultat: vier individuell gestaltete Kunstwerke mit bunter Ideenvielfalt! Das Ende bildet ein letztes Gespräch mit den Leitern und der Klasse und ein Gruppenfoto vor der Jugendkirche.

Was am Anfang ein normaler Schulausflug, vielleicht mit ein bisschen wenig Action, hätte werden können, hat sich für mich als eine unvergessliche Erfahrung herausgestellt, nämlich, dass Kirche nicht immer „Predigt und Gabenbereitung“, sondern auch mal „Interaktion und Spaß“ heißen kann. „Ich finde die Jugendkirche eine gute Idee, weil das mal was anderes ist, und man dieses normale Kirchengerede vergisst“, findet Till (14), und spricht damit aus, was sicherlich die ganze Klasse über den Tag denkt.

Die Klasse 8 b würde die Jugendkirche nicht nur als „Tag religiöser Orientierung“ für alle folgenden Klassen

weiterempfehlen, sondern auch als Adresse für einen nicht ganz gewöhnlichen Gottesdienst „mit Pep“.

Lilly Fels, Klasse 8 b, Pius-Gymnasium

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