Dietlinde Dierksmeier hat drei Jahre im südamerikanischen Land gelebt / Erneute Reise nach der WM
Das andere Gesicht Brasiliens

Billerbeck. In Brasilien heißt sie nur Irene. „Das ist mein zweiter Vorname. Meinen ersten kann dort keiner aussprechen“, sagt Dietlinde Dierksmeier. Am 14. Juli fliegt sie über den großen Teich nach Brasilien. Einen Tag, nachdem der neue Fußball-Weltmeister feststeht. „Wir fliegen bewusst erst nach der WM. Um dem Trubel zu entgehen“, sagt die Billerbeckerin, die das Land vier Wochen lang zusammen mit Liesel Vonthein bereisen wird.

Freitag, 06.06.2014, 19:56 Uhr

Dort wollen sie der Partnerschule der Ludgeri-Grundschule, die „Escola Dom Edilberto“, einen Besuch abstatten. Auch eine Stippvisite beim Erzbischof Dom Petro und dem Bischof Juarez steht auf dem Plan. „Das sind die beiden Bischöfe, die das Geld von der Sternsinger-Aktion erhalten. Sie setzen es für Straßenkinder-Projekte ein“, erzählt Dierksmeier. „Ich besuche Brasilien im Namen aller Spender, in Vertretung für alle, die nicht reisen können.“ Eine Vergnügungsreise wird es auf keinen Fall. Ganz im Gegenteil. „Wir werden kein Hotel sehen“, betont Dierksmeier. Untergebracht werden die beiden Domstädterinnen bei Einheimischen. „Bei unserer ersten Station wohnen wir bei Schwestern, mit denen ich damals in Brasilien zusammen gearbeitet habe“, erzählt sie. Drei Jahre – von 1966 bis 1969 – hat die Billerbeckerin in dem südamerikanischen Land verbracht. Eigentlich wollte sie für immer bleiben. „Aber auf meinem Heimaturlaub habe ich dann meinen Mann kennengelernt“, erzählt die Billerbeckerin, die dann in Bombeck eine Familie gegründet hat. „Als meine Kinder groß waren, bin ich dann nach 25 Jahren das erste Mal wieder nach Brasilien geflogen.“ Seitdem besucht sie das Land regelmäßig.

In den 60er Jahren hat Dierksmeier für Misereor, dem Hilfswerk der katholischen Kirche, das sich für die Ärmsten der Armen engagiert, in Brasilien gearbeitet. In Piauí, ein Bundesstaat im Nordosten. Der Ort: Oeiras. Brasilien sei nicht nur das Land, wo der Fußball gelebt wird wie sonst nirgends. Es sei nicht nur Copacabana, Strand und Samba. Es habe auch ein ganz anderes Gesicht. Vor allem in den „Favelas“ – den Elendsvierteln. „Drogen, Prostitution und Korruption – das lässt alles zusammenbrechen“, so die Domstädterin. In den Favelas ist die Mafia der Souverän. „Meistens geht es um Drogen“, so Dierksmeier. „Kinder werden als Kuriere benutzt. Wenn sie nicht mehr gebraucht werden, werden sie beseitigt.“ Oder sie werden von ihrer eigenen Mutter ausgesetzt, „weil sie sie einfach nicht mehr ernähren kann. Wenn eine Mutter beispielsweise Prostituierte ist und sie immer wieder schwanger wird, weil sie nicht verhüten kann, dann kann sie ihre Kinder nicht mehr alle ernähren“, so die Billerbeckerin. Die ausgesetzten Kinder leben dann auf der Straße, schließen sich in Banden zusammen und kämpfen ums nackte Überleben. „Es gibt Zwölfjährige, die sich um Vierjährige kümmern.“ Auch Rassismus gebe es in dem südamerikanischen Staat. Die Millionenstädte wie Salvador – in der Stadt ist die Partnerschule der Ludgerischule – sind Anziehungspunkte für die Menschen aus den Dürregebieten des Nordostens, die in der Stadt eine Chance zum Überleben suchen. Die Reise dieser „Nordestinos“ endet fast immer in einem der Elendsviertel. Und: Brasilien habe zwar eine gut qualifizierte Medizin, „aber auch nur für Menschen, die Geld haben.“ Und trotz allem seien die Brasilianer fröhlich und feiern auch gerne. Nicht nur den berühmten Karneval in Rio de Janeiro. Dietlinde Dierksmeier: „Das liegt ihnen im Blut.“

7 In Kürze wird Dietlinde Dierksmeier eine Ausstellung über „Das andere Gesicht Brasiliens“ in der Sparkasse organisieren. Der genaue Zeitpunkt stehe noch nicht fest.

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