Clemens Schulte hat einen Lebensmittelladen in Hamern betrieben / Immer im E-Shopper unterwegs
„Küer un müern“ in die Wiege gelegt

Billerbeck (ul). „Küer un müern“ (Reden und mauern), das sind zwei Eigenschaften, die ihm quasi in die Wiege gelegt wurden. Erstere weiß er noch bestens zu pflegen, für die Zweitere gibt es – auch auf Grund seines ehrenwerten Alters – keinen Anlass mehr. Vor einigen Wochen vollendete Clemens Schulte sein 90stes Lebensjahr. Charmanterweise weiß der geborene Lutumer – „mit Hamerner Abitur nach der 8. Klasse“ – mit einem Namens- und Zahlengedächtnis zu trumpfen, dass ein Telefonbuch nix dagegen ist.

Freitag, 13.06.2014, 18:04 Uhr

Humor, gute Laune und eine gehörige Portion Gelassenheit haben ihn sein Leben lang begleitet und damit fährt er bis heute gut. „Eigentlich hab´ ich immer Glück gehabt“, sagt er rückblickend auf neun bewegte Jahrzehnte. Hut ab, denn schließlich zertrümmerte ihm in den letzten Kriegswochen eine Granate die Unterschenkel. Und fast wären ihm die Unterschenkel amputiert worden. Das haute ihn zwei Jahre komplett von den Beinen und mit den unangenehmen Folgen dieser Verletzung muss er bis heute leben. Bei den Clemensschwester in Münster wusste er sich 1946 bestens versorgt und mehr noch sogar: „Ich glaube ja, dass die ‘Nönnekes‘ mich damals gesund gebetet haben“. Als echten „Müerkiärl“ baute er für seine Familie und sich – „drei Jahre habe ich gebraucht“ – ein Eigenheim in Hamern, das 1953 bezugsfertig wurde. Fünf Jahre später setzte er einen Anbau dran, legte die Prüfung zum Einzelhandelskaufmann ab und eröffnete mit seiner Gattin Maria einen kleinen Lebensmittelladen. Zwanzig Jahre lang gab es dort bei „VeGe“ – was der muntere Senior mit „Verdienst wenig“ übersetzt – Brot, Obst, Gemüse, Persil, Kurzwaren und „all´so´n Prüdelzeug“. Während seine Frau den Laden schmiss, arbeitete er als Betriebsleiter für ein Coesfelder Unternehmen, das unter anderem Terrazzo und Treppen anfertigte, wie sie im Coesfelder Kreishaus zu sehen ist.

Mobilität war für ihn stets ein lebenswichtiger Aspekt. Schon in den 60er Jahren packte er Gattin, Kind und Kegel ein, um mit ihnen drei Wochen in Frankreich zu campen. „Eine herrliche Zeit“, schwärmt er noch heute. Viele Jahre war er im Besitz eines Wohnwagens, den er noch bis vor fünf Jahren nutzte. Sich selber hinter das Lenkrad zu setzen, haben ihm seine Kinder mittlerweile untersagt. Was ihm geblieben ist, das ist der Lenker seines E-Shoppers. Damit düst er soweit der Akku reicht. Das sind immerhin 35 Kilometer. Für den Fall eines „Plattfußes“ hat er immer ein Ersatzrad an Bord. Unterwegs trifft er ja immer jemanden, der im Notfall gerne hilft, schließlich hat er ja immer Glück.

Alte Leute, so sagt er, erzählten immer das Gleiche und dabei nimmt er sich selber nicht aus. „Deswegen fahre ich gerne dahin, wo immer andere Leute sind. Da kann ich dann trotzdem immer das Gleiche erzählen“, flachst er und begründet damit seine regelmäßigen Ausflüge zum Darfelder Bahnhof. Auf seiner mobilen „Kommandobrücke“ führt er auch schon mal so´n Püllken Schluck und „´n Hüeldöppken“ mit sich. Wäre ja zu schade, wenn die Luft beim „Praötken hollen“ zu trocken wird.

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