Propst Serries sammelt alles rund um Clemens August Kardinal von Galen / Spannendes Quellenmaterial
Verschollene Ton-Aufnahme entdeckt

Billerbeck. Es ist eine wahre kleine Schatzkammer. Und die ganz persönliche von Propst Hans-Bernd Serries. An den Wänden hängen unzählige Bilder, Drucke und Zeichnungen. Literatur, Ordner mit Originaldokumenten, Bildern und ausgeschnittenen Zeitungsartikeln, DVDs und Videos stapeln sich in den Regalen. Alles hat mit einem ganz besonderen Mann zu tun: Clemens August Kardinal von Galen, „der Löwe von Münster“.

Freitag, 08.08.2014, 20:56 Uhr

Zwölfeinhalb Jahre lang, von 1933 bis 1946, wirkte Clemens August Graf von Galen als Bischof von Münster. Seine Erhebung in den Kardinalstand war erst wenige Wochen her, als er unerwartet verstarb. Überregionale und internationale Bekanntheit hat er durch drei im Juli und August 1941 gehaltene Predigten erlangt. Aufgrund dieser Predigten gegen die Ideologie und den Terror der Nazis hat er den Beinamen „Der Löwe von Münster“ erhalten. „von Galen war ein guter Seelsorger, aber ein relativ langweiliger Prediger. Dass er dann aber solche Predigten hält, wo er über sich hinauswächst – das finde ich faszinierend“, betont Serries.

Kardinal von Galen – eine Persönlichkeit, die es dem Propst angetan hat. Sogar bei der Seligsprechung am 9. Oktober 2005 in Rom war er dabei – damals war er noch Zeremoniar am Dom zu Münster. Denkt er daran zurück, lächelt er. Er greift nach einem dicken, knallroten Wälzer. Es ist ein ganz besonderes Werk, in dem sich alle Akten zum Prozess der Seligsprechung befinden. Auf Italienisch. „Das gibt es nicht zu kaufen“, so der Propst, der alle drei Bände des kirchenrechtlichen Verfahrens zu von Galen besitzt. Direkt daneben im Regal liegen Münzen und ein paar Plaketten. Darauf zu sehen ist das Abbild von Galens. Gestaltet vom bekannten Münsteraner Künstler und Bildhauer Albert Mazzotti. Serries: „Das ist schon künstlerisch wertvoll.“ Sogar eine Armbanduhr, ebenfalls mit einem Bild des Kardinals, die extra zu dessen Seligsprechung angefertigt wurde, besitzt der Propst.

Unter den Originaldokumenten, die sich im Besitz von Serries befinden, gehört auch ein sogenanntes „Lach-Lexikon“, ein Witze-Buch, das der Kardinal während seiner Amtszeit seinem damaligen Sekretär Heinrich Portmann geschenkt hatte – mit einer kurzen Widmung. „Dieses kleine Buch hat Portmann wiederum an seinen Bruder Fritz geschickt, der im Zweiten Weltkrieg an der Front in Russland kämpfte“, erzählt der Sammler. „Es hat also eine ganz schöne Odyssee hinter sich, bis es in meinen Keller gekommen ist.“ Es ist nicht das Einzige, das aus dem Nachlass von Portmann in seine Hände gelangt ist. In einem Tresor aufbewahrt werden die Original-Tagebücher Portmanns aus der Zeit als Bediensteter unter von Galen. „Ich habe Kontakt zu einer Historikerin, die diese Tagebücher veröffentlichen möchte und gerade daran arbeitet. Eine Nichte Portmanns hat ihr diese überlassen. Ich unterstütze die Historikerin bei ihrer Arbeit. Ich bin quasi der Hiwi“, sagt er und lacht. Bis zur Fertigstellung liegen die Dokumente sicher in Billerbeck. Dann kommen sie ins Bistumsarchiv nach Münster.

Besonders stolz ist Serries auf eine Tonbandaufnahme von Galens aus den 30er Jahren, die lange Zeit als verschollen galt. Die Aufnahme gehört zu weiteren, die ebenfalls aus dem Nachlass Portmanns stammen. Er hat sie auf CD. Eigentlich waren es Privataufnahmen Portmanns. „Man wusste aber, dass es auch eine Aufnahme vom Kardinal geben musste. Niemand hat sie gefunden“, so der Propst. „Ich habe mir die CDs beim Autofahren angehört. Als ich zwischen Billerbeck und Nottuln unterwegs war, habe ich auf einmal die Aufnahme einer Messfeier gehört und von Galen, wie er Werbung für Exerzitien macht.“ Die verschollene Aufnahme war damit gefunden. „Da war ich platt“, sagt er.

1976 ging es mit der Sammel-Leidenschaft los. „Da war ich 13“, sagt der Propst, der sich schon als Schüler für die Neue Geschichte interessiert hat. Zum 30. Todestag von Kardinal von Galen hatte die Kirchenzeitung „Kirche & Leben“ eine Artikelserie unter dem Titel „Leser erinnern sich“ herausgebracht. Serries: „Das waren kurze Berichte über von Galen. Die fand ich so interessant, dass ich sie mir ausgeschnitten und behalten habe.“ So fing alles an, „wie bei anderen mit der ersten Briefmarke oder dem ersten Matchboxauto“, so Serries. „Mit der Zeit ist es immer mehr geworden.“ Alles befindet sich in einem Raum im Keller des Pfarrbüros. „Das ist sozusagen mein Hobbyraum“, sagt der Propst und lacht. Und den hat sogar schon der verstorbene Bischof Reinhard Lettmann besichtigt. Serries: „Es ist mehr als nur eine Sammlung. Das ist von historischem Interesse und hat was mit Kirchenpolitik und -geschichte zu tun.“ Und nicht nur Propst Serries ist fasziniert vom „Löwen von Münster“. Die Billerbecker sind dem Kardinal von Galen besonders verbunden. Dreimal war er in der „Perle der Baumberge“. 1934 hielt er am Ludgerusbrunnen vor fast 20 000 Menschen eine viel beachtete Predigt. Die Ludgerus-Figur, die heute dort steht, trägt seine Züge.

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