Nachbarschaft besteht seit 36 Jahren / Zehn Familien leben in sieben Häusern / Großer Zusammenhalt
Skandalfreie Lindenstraße

Billerbeck. Diese Lindenstraße ist skandalfrei. Hier ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Streit unter Nachbarn – nein, den gibt es nicht. „Wir haben hier noch keinen weggeekelt“, betont Holger Biermann. Ja, und deswegen unterscheidet sich diese Straße von der Mutter aller Lindenstraßen, deren 1500. Folge am morgigen Sonntagabend in der ARD ausgestrahlt wird. Zusammenhalt und Nachbarschaftshilfe werden an der Lindenstraße in Billerbeck großgeschrieben. Die Rede ist genauer gesagt von der unteren Lindenstraße, den Hausnummern zehn bis 22.

Freitag, 26.09.2014, 17:26 Uhr

Diese Nachbarschaft ist zusammengewachsen. Jeder ist für jeden da. Und das von Anfang an. „Wenn was ist, kann jeder jeden anrufen. Tag und Nacht“, sagt Monika Tekstra, die schon das Fernseh-Set der Serie besucht hat. „Hier wohnen keine Fremden, nur Familienangehörige“, betont die Billerbeckerin und lächelt. Die Hilfsbereitschaft ist groß – so wie an Pfingsten 1979. Nach einem heftigen Gewitter mit Starkregen standen sämtliche Keller unter Wasser. Die Lindenstraßen-Bewohner standen sich gegenseitig zur Seite.

Zehn Familien leben in sieben Häusern in der unteren Lindenstraße: Margret und Günther Overwaul, Silke und Bernhard Mussenbrock, Marlies und Josef (Jöppi) Gloe, Waltraud und Werner Gieschler, Sandra und Holger Biermann, Brigitte Helms, Monika und Hans Tekstra, Hedwig und Georg Wichmann, Sylvia und Marco Lennertz sowie Mechthild Schudy. Ältester Bewohner ist mit 72 Jahren Günther Overwaul. Jüngstes Nachbarschafts-Mitglied ist die vierjährige Lynn. Seit 36 Jahren gibt es die untere Lindenstraße – länger als die legendäre Fernsehserie, die erst seit 29 Jahren über die Bildschirme flimmert. Erste Bewohnerin war Brigitte Helms, die am 1. Juli 1977 mit ihrem bereits verstorbenen Mann in die Straße gezogen war. Dass sie hier einmal Nachbarin von einer alten Bekannten, nämlich Hedwig Wichmann, wird – das hätte sie nie gedacht. Die beiden Frauen kommen eigentlich aus Gescher. Dort waren sie als kleine Steppkes Nachbarn „und wir haben immer zusammengespielt“, erzählt Brigitte Helms. Dann hat es die beiden von der Glockenstadt in die Domstadt verschlagen.

Früher haben sie fast alle die TV-Serie geschaut. Jetzt ist es nur noch Margret Overwaul, die das Geschehen mit sämtlichen Skandalen, Liebschaften, Hochzeiten, Krankheiten und Zerwürfnissen im Fernsehen verfolgt. Sonntag. 18.50 Uhr. Ja, das ist ihre feste Zeit. Da darf keiner stören. „Und wenn ich das nicht gucken kann, weil ich keine Zeit habe, nehme ich es auf“, sagt die Billerbeckerin. „Ab und zu denke ich dabei, wie gut, dass ich hier in Billerbeck an der Lindenstraße wohne.“ Keiner würde hier freiwillig wegziehen. Regelmäßig unternehmen die Nachbarn etwas gemeinsam. Per Rad oder mit dem Bus. Verschiedene Ausflüge werden organisiert. Auch mal übers Wochenende. Dann geht es nach Köln, Berlin, Düsseldorf, zum Fernsehgarten in Mainz oder nach Norderney. Im November findet ein gemeinsames Essen statt. Immer am Volkstrauertag. Auch jeder einzelne Geburtstag wird gefeiert. „Und wir haben uns immer noch was zu erzählen“, so Marlies Gloe und lacht. Bis vor ein paar Jahren haben sie auch einen Maibaum aufgestellt. Sie seien die Ersten in Billerbeck gewesen, die diese Tradition umgesetzt hätten – sagen sie. „Alle anderen sind nachgemacht“, sagt Holger Biermann und die komplette Runde bricht in Lachen aus. „Die Lindenstraße ist Trendsetter.“ Aber auch diverse Glühwein-Abende oder öfter auch spontane Treffen gibt es. „Wir lassen kein Fest aus. Wir feiern alles, was möglich ist“, erzählt Waltraud Gieschler. Und wenn nichts los ist, treffen sie sich auf das ein oder andere Feierabend-Bierchen, „obwohl die meisten Rentner sind“, so Werner Gieschler schmunzelnd.

Dabei macht die Straße ihrem Namen gar nicht alle Ehre. Bis auf eine einzige Linde am Rondell der Straße wachsen dort asiatische Nussbäume. „Die sorgen dafür, dass wir viel fegen müssen. Und dann müssen wir uns ja auch treffen“, so Hedwig Wichmann mit einem Lächeln.

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