Uli Kuhrt kommt am Tag nach dem Mauerfall nach Billerbeck / Helga Hansen: „Wusste nicht, wie mir geschah“
Per Trabi: Blitzbesuch bei der Schwester

Billerbeck (ude). Helga Hansen erinnert sich noch ganz genau an den Moment, als sie die Haustür öffnete: „Es war furchtbar. Ich wusste gar nicht wie mir geschah.“ Doch als sie den ersten Schreck überwunden ist, ist die Freude riesengroß: Uli Kuhrt, Helga Hansens Bruder aus Bützow im Bezirk Rostock, steht eineinhalb Tage nach dem Mauerfall im November 1989 plötzlich vor der Tür seiner Schwester. Für einen Blitzbesuch in Billerbeck.

Samstag, 08.11.2014, 13:04 Uhr

Unsere Zeitung berichtete damals: „Freitag gegen 14.30 Uhr setzte sich Ulli Kuhrt in seinen Trabi und startete Richtung Billerbeck, um seine Schwester Helga zu besuchen. Nach dem Grenzübertritt in Selmsdorf bei Lübeck kam er gegen Mitternacht in der Karl-Wagenfeld-Straße an. Groß war die Freude über das Wiedersehen, denn die Geschwister hatten sich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Sie war leider auch kurz, denn Uli Kuhrt kehrte heute früh zurück, um rechtzeitig zur Nachtschicht wieder daheim zu sein.“

Dort in Bützow ist Ulli Kuhrt auch geblieben und dort wohnt er noch heute. Natürlich haben die Geschwister nach der Maueröffnung ihren Kontakt gut pflegen können. „Jetzt besuchen wir uns aber kaum noch“, sagt Helga Hansen. Im Alter – beide sind über Jahre – sei das einfach zu beschwerlich. „Aber wir telefonieren oft und es geht meinem Bruder gut.“

Helga Hansen selbst ist schon 1980 aus der Heimat Bützow in den Westen gekommen. Aus politischen Gründen waren sie und ihre Familie in der DDR verfolgt und inhaftiert gewesen und schließlich in die Bundesrepublik abgeschoben worden.

„Das war eine sehr aufregende Zeit damals 1989“, sagt Helga Hansen. Mit großem Interesse verfolgt sie die umfangreiche Berichterstattung über 25 Jahre Mauerfall in den Medien. „Was damals passiert ist, das vergisst man nie.“

Nach Billerbeck, wo ihr im September in den Westen geflüchteter Sohn Andre bereits eine Arbeitsstelle hatte, kam zeitgleich mit Uli Kuhrt auch die Familie Reinsch aus Dresden. Sie lebt aber heute nicht mehr hier.

Einen interessanten Hinweis gibt es in dem BA-Artikel von damals noch: „Für die Besucher aus der DDR war das Billerbecker Sozialamt am Samstag und Sonntag von 11 bis 12 Uhr geöffnet, um das Begrüßungsgeld in Höhe von 100 DM an Besucher aus der DDR auszahlen zu können. Wie zu erfahren war, wurde an sechs DDR-Bürger das Geld ausgezahlt.“

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