Weihnachtsstück der Freilichtbühne animiert zum Lachen, Staunen und Nachdenken
Echten Treffer gelandet

Billerbeck. Mit fetzigem Rock’n’Roll geht’s los, die Live-Band legt sich richtig ins Zeug, bringt Stimmung in die Aula und zeigt gleich, dieses Weihnachtsmärchen ist Meilen entfernt von heiler Welt und Zuckerguss. Und der jubelnde Schlussapplaus ist der beste Beweis dafür, dass die Freilichtbühne mit „Es ist ein Elch entsprungen“ einen echten Treffer gelandet hat.

Montag, 08.12.2014, 08:00 Uhr

Bianca Grzanowski beweist mit ihrer ersten Regiearbeit in Billerbeck ein traumwandlerisch sicheres Gespür für Stimmungen und leitet ihr hervorragendes Ensemble zu perfektem Spiel an. Humorvoll und anrührend, skurril und spannend – die Geschichte um den fliegenden und fünf Sprachen sprechenden Elch Mr. Moose, der mit lautem Getöse mitten durchs Dach ins Wohnzimmer der Familie Wagner stürzt und der beste Freund des kleinen Bertil wird, bedient eine reiche Gefühlspalette.

Da ist zuerst einmal die Familie. Die mitten im Leben stehende Mutter (Sabine Alexander) hat den verantwortungslosen Vater (Dirk Rösgens, mit Lederhose, Tätowierungen und dickem Schmuck als Rocker herausgeputzt), der einfach nur in den Tag herein lebt, rausgeschmissen. Vor allem Bertil leidet sehr darunter. Albero Grzanowski findet sich perfekt in diese Rolle ein. Nach außen gibt er sich cool, lässt aber immer wieder seine Verletztheit durchschimmern und fühlt sich oft machtlos.

Ganz anders seine oberschlaue Schwester Kiki (klasse gespielt von Theresa Büscher), die tatkräftig alle anstehenden Probleme angeht. Für alle erweist sich Mr. Moose als vom Himmel geschickt. Steffen Hertz gibt als Elch in knallroter Latzhose und mit großen Schaufeln auf dem Kopf eine ebenso imposante wie freundliche Erscheinung, die das Herz am rechten Fleck hat.

Das Besondere an diesem Stück liegt darin, dass die familiären Probleme, mit trockenem Humor und erfrischender Leichtigkeit kombiniert, gleichzeitig zum Nachdenken und zum Lachen anregen. Immer wieder gibt es überraschende Situationen, die zu schallendem Gelächter führen, sind viele, schon fast beiläufige witzige Kleinigkeiten eingebaut. Pfiffige Dialoge, von allen Darstellern auch mit sprechendem Minenspiel toll rübergebracht, wechseln sich ab mit Szenen, die richtig ans Herz gehen.

Einfach schön die kitschige Himmelsidylle mit flötendem Engelchen und einem etwas einfältigen Santa Claus – Ingo Ostendorf gibt den Weihnachtsmann als gemütlichen, verständnisvollen Opa, der, wenn es nötig ist, aber auch mal ein Machtwort sprechen kann und auch noch eine sehr schöne warme Singstimme hat. Klasse die Drehbühne, die in Kombination mit Projektionen und szenischem Spiel für vom Publikum bejubelte Effekte sorgt. Hinreißend ist auch die mit dem Weihnachtsmann flirtende exaltierte Oma (Rotraut Illisch).

Eine echte Überraschung die eingebildeten Rentiere. Großartig die von Grzanowski geschriebenen Lieder, die Traurigkeit, Sehnsucht, Freude zum Ausdruck bringen. Und, und, und, die Aufzählung könnte endlos weitergehen. Also unbedingt hin und selbst sehen.

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