Hans-Karl Seeger bei Generalaudienz zu Gast / Heute erscheint Sonderpostwertzeichen zu Ehren Karl Leisners
Lebens-Chronik an Papst überreicht

Billerbeck. Wäre die Quizsendung „Der große Preis“ noch im Fernsehprogramm, hätte Hans-Karl Seeger beste Chancen ihn zu gewinnen. Fraglich ist jedoch, ob er mit seinem Thema die Gelegenheit bekäme, unter die ausgewählten Kandidaten zu kommen. Denn niemand kennt sich wohl besser aus im Leben des Priesters Karl Leisner als er. Somit könnte kein Juror beurteilen, ob er die Fragen richtig beantwortet.

Mittwoch, 04.02.2015, 17:54 Uhr

In der ersten Januarwoche überreichte der 78-Jährige sein „Kind“ – die fünfbändige Lebens-Chronik zu dem Niederrheiner – bei einer Generalaudienz im Vatikan dem Papst. Bei der Übergabe unterstützten ihn die Mitherausgeberin Gabriele Latzel, die Mitarbeiterin Christa Bockholt und Werner Stalder, der ehemalige Pressesprecher des „Internationalen Karl-Leisner-Kreises (IKLK)“, sodass er den sechs Kilogramm schweren Sprössling nicht allein durch die Massen transportieren musste.

Mehr als 17 Jahre beschäftigte sich Hans-Karl Seeger, der selber im vergangenen Frühjahr sein Goldenes Priesterjubiläum feierte, mit dem Märtyrer aus Kleve. 16 Jahre führte er den Vorsitz im IKLK. Im Herbst erschien die Leisner-Chronik, in der er das Leben des Niederrheiners nachzeichnet, der Hitler und dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber stand und deswegen ins KZ Dachau kam.

Am Donnerstag (5. 2.) erscheint – als 62er Briefporto – ein Sonderpostwertzeichen mit dem Konterfei von Karl Leisner, der 1915 in Rees geboren wurde. Den 100. Geburtstag des Priesters, der 1996 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, nimmt Bundesfinanzminister Schäuble zum Anlass, ihm eine Briefmarke zu widmen. Endlich, möchte Seeger fast sagen, denn der Antrag dazu wurde schon vor seiner Zeit als Präsident im IKLK gestellt.

Natürlich weiß Seeger, wann und wo das auf der Briefmarke abgedruckte Portraitfoto entstanden ist: „Im KZ Dachau, am 15. Dezember 1944, zwei Tage zuvor bei der Probe für die Priesterweihe!“ Unzuverlässige Quellen behaupteten, der Pullover, den er dabei trägt, sei ein Geschenk seiner Familie aus der Heimat. „Falsch!“, weiß der Leisner-Experte: „Er stammte von gefangenen italienischen Soldaten. Leisner erhielt ihn von einem Mithäftling, der ihn insgeheim aus dem SS-Magazin mitgenommen hatte.“ Im KZ gab es eine Kräuterplantage zur Eigen- und Fremdversorgung. „Der Benediktinerpater Sales Heß besaß einen Fotoapparat zur Dokumentation des Pflanzenwachstums, den er auch für das Portrait von Leisner nutzte“, so Seeger. Das Negativ gelangte zu Leisners Bruder Willi nach Berlin. Heute existiert davon allerdings nur noch ein Schwarz-weiß-Abzug. Den Priester im „Un-Ruhestand“ freut es ganz besonders, dass auf der Briefmarke auch das Leisner-Zitat „Segne auch, Höchster, meine Feinde!“ zu lesen ist. „Das ist aktueller als je zuvor!“, betont er. Der Mensch mache sich Feindbilder. In seiner Jugend waren es die Russen und der Bolschewismus. Die Polarität des Lebens beinhalte eben auch das Böse. „Ich erschrecke mich manchmal selber, was an archaischen Gedanken in mir steckt“, gesteht er. Die große Lebensaufgabe sei es eben, „das eigene Böse zu erkennen und damit einen verträglichen Umgang zu finden“. Alles, was fremd sei, mache oft Angst. „Gut reflektierte Menschen, die Tod und Teufel zum Freund gewinnen und mit sich selber im Reinen sind, wünschen ihrem Gegenüber die gleiche Gnade zur Selbsterkenntnis“, sagt Hans-Karl Seeger. „So behält das Leisner-Zitat ‘Segne auch, Höchster, meine Feinde!’ seine große Aktualität.“ | www.karl-leisner.de

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