Billerbeck
Chaos bei Tag- und Nachtgeschöpfen

Billerbeck. Wenn die Geisterstunde so fröhlich ist wie im Weihgarten, dann braucht wirklich niemand Angst zu haben. Punkt Mitternacht öffnet sich die Truhe im Ratssaal und das kleine Gespenst genießt eine Stunde Freiheit, fliegt munter um den Turm der Burg, holt als Gesellschaft die Damen und Herren der Barockzeit aus ihren Bildern und verzaubert alle mit seinem ansteckend vergnügten Gesang. Punkt ein Uhr ist der Spuk vorbei und morgens erwacht das Leben in Eulenberg.

Samstag, 01.06.2019, 10:50 Uhr
Billerbeck: Chaos bei Tag- und Nachtgeschöpfen
Im Ratssaal passieren seltsame Dinge – das erleben die Kinder von Eulenstein, ihre Lehrerin Frau Thalmeier (Gisa Wilfahrt) und die Burgverwalterin Frau Finsterwald (Konni Canal) bei einem nächtlichen Besuch. Fotos: Ursula Hoffmann Foto: az

Regisseurin Bianca Grzanowski hat mit der Bühnenfassung des Kinderbuch-Klassikers „Das kleine Gespenst“ von Ottfried Preußlers eine unterhaltsame Geschichte gezaubert, die mit einem wunderbaren Miteinander von Jung und Alt punktet. Die Hauptrolle spielen neben dem kleinen Gespenst viele Kinder, die in der Schule pauken, spielen, sich streiten und Abenteuer erleben, so dass immer etwas los ist auf der Bühne. Und wenn die Erwachsenen, allen voran der eingebildete Bürgermeister, der auf Plakaten für eine „geistlose Zukunft“ wirbt (herrlich Heinz Bösing, der mit seiner sprechenden Mimik an Didi Hallervorden erinnert) mehr auf das hören würden, was die Kinder zu sagen haben, wäre Eulenberg viel Chaos erspart geblieben. Doch dann hätte das Publikum auch nicht so viel Spaß.

Im Mittelpunkt des Chaos steht natürlich das kleine Gespenst, gespielt von Emilia Alexander, die ihm eine so quicklebendige, übermütige Leichtigkeit verleiht, dass man es sofort ins Herz schließt. Bedächtiger Gegenpart zu dem Wirbelwind ist sein Freund, der coole Uhu Schuhu (Albero Grzanowski), der in der Gespensterstunde als DJ für beste Unterhaltung der Spukgestalten sorgt. Zu diesen gehören die feinen Teedamen, der schneidige schwedische General Torsten Thorstenson (Tomke Schneider) und der bedächtige Burggraf – köstlich, wie Bernd E. Bäumer dessen Begeisterung für das leibliche Wohl zum Ausdruck bringt.

Aber immer mit den Geistern rumhängen, ist natürlich auf Dauer langweilig. Das kleine Gespenst möchte zu gern die Kinder kennenlernen. Und die Kinder, allen voran Karl (Nick Feuker), der sich nachts auf die Lauer legt, um es zu sehen und seine Freunde Fritz (Laurenz Matthaei) und Emma (Letizia Kestermann), wollen ihm auch unbedingt begegnen.

Dass sich Tag- und Nachtgeschöpfe tatsächlich begegnen, daran drehen unabsichtlich Uhrmacher Zifferle (Thomas Jakobi) und seine Azubine Hermine (witzig Lena Matthaei, die immer alles wörtlich nimmt). Belebt wird die Geschichte zusätzlich durch viel Musik und charakteristische Lieder (Bianca Grzanowski), die Choreografin Gisa Wilfarth, die auch als energisch liebevolle Lehrerin die Kinder im Griff hat, mit schwungvolle arrangierten Tänzen in Szene setzt. Mit jubelndem Applaus dankt das Premierenpublikum dem tollen Ensemble für diese unterhaltsame Geisterstunde.

Nächste Aufführung: Sonntag (2. 6.), 16 Uhr, Aktion: halber Preis bei Eintrittskarten

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