Billerbeck
Zwei alte Schätze für Fidelio

Billerbeck. Da traut Franz Becks denn doch seinen Augen nicht. Wie so oft stöbert der seit vielen Jahren im St.-Liudger-Arbeitskreis der Gemeinde engagierte Becks im Internet nach Zeugnissen aus der Billerbecker Geschichte, als ihm eine Anzeige auf Ebay auffällt. Eine Medaille wird angeboten, die ganz offensichtlich mit Billerbeck zu tun hat: mit der Theatergesellschaft Fidelio und einem Theaterwettbewerb, zu dem sie 1925 aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens eingeladen hat. Mehrere Gebote gibt es – aber dieses besondere Zeugnis aus alter Zeit lässt sich Becks nicht mehr wegschnappen.

Samstag, 02.11.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 02.11.2019, 11:02 Uhr
Billerbeck: Zwei alte Schätze für Fidelio
Theaterwettstreit zum 50-jährigen Jubiläum 1925: Franz Becks (l.) zeigt die Medaille, Heinz Tenholte das Plakat, das den Festverlauf ankündigt. Foto: Ulrike Deusch

„Der Preis war für mich unbedeutend“, schaut er jetzt zurück. „Ich hätte sogar noch mehr bezahlt. Für mich war der ideelle Wert wichtig.“ Becks’ Großvater Bernhard, sein Vater Franz, die er beide nicht mehr bewusst kennen gelernt hat, und sein Onkel Josef waren in der Theatergesellschaft Fidelio aktiv. Ein altes Foto, das sich ebenfalls in Becks’ Besitz befindet, zeigt sie in der damals großen Aktivenschar.

„1875 - 1925“ steht auf der einen Seite der Medaille und „Theater-Wettstreit Fidelio Billerbeck“. Offenbar war sie 1925 dem Gewinner des Wettbewerbs verliehen worden, denn die andere Seite zeigt eine Siegesgöttin mit Lorbeeren.

Als Fidelio-Chef Heinz Tenholte von Becks’ besonderem Kauf erfährt, freut er sich – aber sein Herz schlägt doppelt hoch, als ihm – aus reinem Zufall fast zur gleichen Zeit – Dieter Nagorsnik ein altes Fidelio-Plakat aus dem Stadtarchiv zukommen lässt, das genau den Theaterwettbewerb ankündigt, auf dem die Medaille vergeben worden ist.

Das Plakat ist schon ein wenig labil, aber schwarz auf knallorange ist nachzulesen, was Sache war: An Pfingsten 1925 war das Jubelfest zum 50-Jährigen angesetzt und den ersten Tag sollte der Theaterwettstreit in den Sälen Hoppenberg (heute Bereich Lilienbeck) und Hotel Ahlers (heute Billerbecker Hof) beschließen. Zwölf Theatervereine aus der ganzen Region traten an, jeder hatte einen Einakter einstudiert, den es nun zu präsentieren galt. Für 9 Uhr wurde die „feierliche Preisverleihung im Saal des Domhotels Lewing“ (später Thomas, neben dem Domcafé) angekündigt – wohl die, bei der der Sieger besagte Medaille überreicht bekam.

„Für die Theatergesellschaft Fidelio sind das zwei ganz wichtige Zeugnisse aus ihrer Geschichte“, freut sich Tenholte – und sie sind Anstoß zu der Idee, in der Alten Landwirtschaftsschule, wo Fidelio probt, eine Vitrine einzurichten, in der die Theatergesellschaft ihre fast 150-jährige Tradition präsentieren kann. „Wir sind mit der Bürgermeisterin im Gespräch, um eine gute Möglichkeit zu finden“, berichtet Tenholte. Auch alte Fotos könnten dort gezeigt werden. „Wir sind stolz auf unsere Geschichte.“

Dass sie unverändert lebendig ist, lässt die Theatergesellschaft schon bald die Billerbecker wieder miterleben. Aktuell laufen die Proben für das Stück „Alles nao de Norm“, das in den ersten drei Januarwochen zu sehen sein wird. Karten gibt’s aber erst ab Dezember, bittet Tenholte die Freunde des plattdeutschen Theaters noch um Geduld.

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