Hanna Hüwe regt Bezuschussung von Stoffwindeln an
Nachhaltigkeit auf dem Wickeltisch

Billerbeck. Die Zeit zurückdrehen will Hanna Hüwe nicht. Auch wenn ihre Idee auf den ersten Blick anmutet, als würden Großmutters Praktiken eine Renaissance erfahren: „Die Stoffwindeln von heute haben nichts mehr mit den Windeln von Oma und Opa zu tun“, betont die Billerbeckerin. Hüwe hat nun eine zehnseitige Anregung an die Stadt herangetragen, Mehrwegwindeln zu fördern. Der Rat habe dies in seiner jüngsten Sitzung begrüßt, so Hüwe, und will darüber nun in den Fachausschüssen beraten.

Dienstag, 17.12.2019, 08:28 Uhr
Hanna Hüwe regt Bezuschussung von Stoffwindeln an: Nachhaltigkeit auf dem Wickeltisch
Viele bunte Variationen, aber alle haben eines gemeinsam: Stoffwindeln sind eine nachhaltige Alternative zu den Wegwerfmodellen. Hanna Hüwe hat nun bei der Stadt angeregt, die Verwendung von Mehrwegwindeln zu bezuschussen. Foto: Florian Schütte

Konkret geht es darum: Wenn eine Familie Nachwuchs bekommt und auf den Zuschuss der Stadt zur zweiten Restmülltonne verzichtet, so soll die Verwendung von Stoffwindeln gefördert werden, damit Müll überhaupt erst vermieden wird. Dazu hat Hanna Hüwe vier Varianten herausgearbeitet, bei denen sie sich an anderen Kommunen orientiert, die mit einer solchen Förderung schon gute Erfahrungen gemacht haben. Das gesamte Konzept ist auf das „Windelalter“ bis drei Jahre ausgelegt.

„Die erste und nachhaltigste Variante wäre, die Nutzung von Stoffwindeln monatlich zu fördern“, erklärt Hüwe. „Die Auszahlung erfolgt dann rückwirkend pro Kalenderjahr plus eine einmalige Aufwandsentschädigung“, führt die 28-Jährige weiter aus. Die Kosten beliefen sich hierbei insgesamt auf 270,54 Euro – für drei Jahre. „Diese Variante hätte den Vorteil, dass viele Leute möglichst lange bei den Stoffwindeln blieben.

Variante 2 sieht eine Pauschale pro Jahr vor, die jährlich neu beantragt werden muss. Kosten für drei Jahre: 225 Euro pro Familie.

Möglich wäre auch eine Unterstützung von 50 Prozent des Kaufpreises mit einer Deckelung bei 250 Euro. „Hier besteht jedoch die Gefahr, dass Leute die Stoffwindeln nur kaufen, um den Zuschuss zu bekommen und sie danach weiterverkaufen“, gibt Hüwe bei Variante Nummer 3 zu bedenken.

Die vierte Variante – „für die Stadt am einfachsten, aber am wenigsten nachhaltig“ – sieht die einmalige Unterstützung mit einem Betrag X vor, unabhängig vom Kaufpreis. Die Stadt Borken zahlt hierfür beispielsweise 60 Euro aus.

Schon beim ersten ihrer zwei Kinder habe Hüwe mit Stoffwindeln gewickelt und sei häufig von Freunden auf ihre Erfahrungen damit angesprochen worden. „Das Thema wird immer präsenter“, findet die junge Mutter. Und wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Da präsentiert Hanna Hüwe gleich ein ganzes Sortiment unterschiedlichster farbenfroher Modelle – angefangen bei einer All-in-one-Windel, die nicht anders aussieht als eine Einwegwindel. „Wenn man Wegwerfwindeln gewohnt ist, ist diese am besten. Da muss man sich nicht großartig umstellen“, meint auch Hüwe. In die Windel wird ein Vlies gelegt, das Urin und Kot aufnimmt und anschließend entsorgt wird – sofern es sich nicht um ein Mehrwegvlies handelt. „Das ist dann der einzige Müll, den man noch produziert“, sagt Hüwe. Darüber hinaus gibt es auch noch eine Windel, die aus mehreren Schichten besteht: eine Außenwindel aus Stoff, die mit einer Innenwindel aus atmungsaktivem, aber wasserdichtem Pul per Druckknöpfe geschichtet wird. Hinein kommt dann wieder eine Lage Windelvlies. Außerdem gebe es noch Pocketwindeln, Höschenwindel etc. Hüwe empfiehlt, eine Ladung Stoffwindeln für drei Tage anzuschaffen. So können die Windeln zwischendurch entspannt gewaschen und getrocknet werden. Nachhaltiger geht es kaum auf dem Wickeltisch. Denn: „Einwegwindeln brauchen 450 Jahre, um zu verrotten und wenn man sie verbrennt, entsteht giftige Schlacke“, gibt Hüwe zu bedenken.

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