Antrag an den Rat gestellt und Unterschriften gesammelt
Schüler fordern Stolperstein-Verlegung

Billerbeck. Schulleiter Thomas Wischnewski ist der erste, der unterschreibt. Wolfgang Suwelack setzt ebenfalls seinen Namen unter den Antrag. Es folgen noch viele weitere Unterschriften – von Schülern, Lehrern und Gästen der Geschwister-Eichenwald-Schule. Rund 240 Signaturen kommen zusammen. Sie alle unterstützen den Antrag des Kurses „Schule ohne Rassismus“ an Bürgermeisterin Marion Dirks und den Rat der Stadt Billerbeck, Stolpersteine zu verlegen. Kleine, im Boden verlegte Messingtafeln, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und in denen Name, Lebensdaten und Sterbeort eingraviert sind. Es ist ein Projekt des Kölner Bildhauers Gunter Demnig. Stolpersteine werden dort verlegt, wo die Opfer zuletzt freiwillig wohnten.

Dienstag, 28.01.2020, 13:58 Uhr
Antrag an den Rat gestellt und Unterschriften gesammelt: Schüler fordern Stolperstein-Verlegung
Setzen sich gegen Rassismus und für die Verlegung von Stolpersteinen ein: (v.l.) Eva Steimann (Lehrerin), Thomas Wischnewski (Schulleiter), die Schüler Hannes Ewelt, Cedric Kortüm-Westerhoff, Nico Daldrup, Maja Bergmann, Emilia Ebrecht, Tabea Heizmann, Magdalena Lukaszcyz, Ulrike Schulte-Vorwick (Lehrerin), Wolfgang Suwelack (Suwelack-Stiftung), Ulla Ewelt (Suwelack-Stiftung), Anja Leiers (Suwelack-Stiftung) und Nina Pledl (Schulpflegschaftsvorsitzende). Foto: Maren Popmann

Präsentiert worden ist der Antrag bei der Gedenkstunde anlässlich des gestrigen Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocausts, den die Gemeinschaftsschule in der Aula gestaltet hat. „Wir sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber wir haben die Verantwortung, uns mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen, die nationalsozialistischen Verbrechen nicht zu vergessen und mitzuhelfen, dass sich so etwas nicht wiederholt“, wie es in dem Antrag heißt. „Mit Sorge haben wir daher in den letzten Monaten die zunehmenden aggressiven Äußerungen und die Gewaltbereitschaft von Rechtsradikalen beobachtet, die Bedrohung von Menschen und den Grundwerten unserer Demokratie.“ Es mache Angst, wenn Politiker bedroht werden, die sich für Asylsuchende einsetzen, die Menschenrechte verteidigen oder sich kritisch über rechte Parteien äußern. Es sei unfassbar, dass in Halle eine Synagoge angegriffen wurde. „Als Mitglieder einer Schule, die nach zwei im Nationalsozialismus ermordeten Kindern benannt ist, finden wir es unerträglich, wenn wieder nationalsozialistische Ideen verbreitet werden oder der Massenmord an Juden vergessen, verharmlost oder geleugnet wird. Damit werden die Opfer nach ihrem Tod nochmals im Stich gelassen“, heißt es weiter. „Wir denken, dass die Erinnerung an Eva und Rolf-Dieter Eichenwald und alle anderen Opfer in Billerbeck wachgehalten werden muss und dass uns dies hilft, aufmerksam zu sein gegenüber aktuellen Bedrohungen von Mitmenschen und unserer Demokratie.“ Die Verlegung sei eine geeignete, nachhaltige und notwendige Aktion – gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen, so die Schüler in ihrem Antrag.

„Die Schüler stehen voll dahinter“, betont Lehrerin Ulrike Schulte-Vorwick. Es seien auch sie gewesen, die den den Antrag initiiert hätten. „Ich bin total begeistert“, so Wolfgang Suwelack, Pate der Schule. Zehn Jahre habe seine Stiftung dafür gekämpft. Es sei nun der dritte Antrag an den Rat. „Die Elternschaft steht voll und ganz hinter dem Antrag“, sagt Schulpflegschaftsvorsitzende Nina Pledl. Wunsch sei, so Ulrike Schulte-Vorwick, dass zum nächsten Tag des Gedenkens im kommenden Jahr die Stolpersteine verlegt werden.

Nächste Woche soll der Antrag an die Bürgermeisterin übergeben werden. Kommenden Donnerstag finden Zeugnisgespräche statt. Von 8 bis 16 Uhr haben auch Eltern sowie alle interessierten Billerbecker, die den Antrag der Schüler unterstützen möchten, die Möglichkeit, zu unterschreiben.

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