Verlegung der Stolpersteine beim nächsten Holocaust-Gedenktag geplant
„Wichtig für die Erinnerungskultur“

Billerbeck. Auch wenn die beiden Zehntklässlerinnen Celina Hinz und Elina Brinkmann im Sommer die Geschwister-Eichenwald-Schule verlassen, so haben sie sich eines fest vorgenommen. „Wir kommen zur Verlegung – auch wenn wir dann nicht mehr Schülerinnen der Geschwister-Eichenwald-Schule sind“, sagt Celina Hinz. Sie gehören zu den Schülern der Gemeinschaftsschule, die den Antrag auf Verlegung von Stolpersteinen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus an den Rat gestellt und noch dazu 800 Unterschriften gesammelt haben. Der Rat hat einstimmig beschlossen, die kleinen Messingtafeln, in denen Name, Lebensdaten und Sterbeort der Opfer eingraviert sind, vor deren letzten freiwilligen Wohnsitz in Billerbeck zu verlegen.

Samstag, 29.02.2020, 06:03 Uhr
Verlegung der Stolpersteine beim nächsten Holocaust-Gedenktag geplant: „Wichtig für die Erinnerungskultur“
So stehen die Stolpersteine aus, die auch in Billerbeck verlegt werden sollen. Diese sind im Gedenken an jüdische Mitbürger vor wenigen Wochen in Coesfeld von Künstler Gunter Demnig verlegt worden. Foto: Archiv

„Ich bin sehr, sehr stolz auf die Schüler, dass sie die Initiative ergriffen und Engagement gezeigt haben. 100 Prozent Zustimmung ist ein herausragendes Ergebnis, was mich sehr freut“, betont Schulleiter Thomas Wischnewski im Nachgang zur Ratssitzung. Er hat die Schüler zusammen mit Lehrerin Ulrike Schulte-Vorwick zur Ratssitzung begleitet. „Ich bin begeistert von den Schülern, die sich so für die Verlegung der Stolpersteine engagiert haben und sehr glücklich über die Entscheidung des Stadtrates. Die Stolpersteine sind sehr wichtig für die Opfer, deren Angehörige und für die Erinnerungsarbeit Billerbecks“, sagt sie.

Zum dritten Mal hat der Rat über die Verlegung der Stolpersteine beraten. Zweimal sind Anträge von der Suwelack-Stiftung und der Bürgerstiftung in den vergangenen Jahren abgelehnt worden. Unter anderem weil nicht alle Grundstückseigentümer damit einverstanden waren und Sorge vor Anfeindungen hatten. „Die Schüler haben mir erläutert, dass sie sich umfassend mit den Stolpersteinen und anderen Gedenkformen auseinandergesetzt haben“, so Bürgermeisterin Marion Dirks während der Ratssitzung. Die Anlieger würden dies nun einvernehmlich unterstützen. „Es gibt eine breite Basis“, sagt sie. Die Schüler wollen, wie sie selbst sagen, dass die nationalsozialistischen Verbrechen nicht vergessen werden. Mit Sorge hätten sie in den vergangenen Monaten die zunehmenden aggressiven Äußerungen und die Gewaltbereitschaft von Rechtsradikalen beobachtet, die Bedrohung von Menschen und den Grundwerten der Demokratie. Das Thema sei laut Marion Dirks, die den Antrag unterstützten möchte, nun noch aktueller geworden und verwies auf den Anschlag in Hanau vor einer Woche.

„Für uns war es immer wichtig, dass wir es im Einvernehmen mit den Hauseigentümern machen“, so CDU-Fraktionschef Marco Lennertz, der betonte, dass seine Fraktion gegen eine Zwangsverlegung gewesen sei. „Wir sollten jetzt ein gemeinsames Zeichen setzen. Der Demokratie ein deutliches Statement geben und Flagge zeigen, so Lennertz. Maggie Rawe (Grüne): „Toll, dass ihr den Mut hattet, den Antrag zu stellen, obwohl ihr wusstet, dass er schon zweimal abgelehnt wurde. Wir haben als Fraktion den Antrag unterschrieben.“ Die SPD habe bislang immer, ohne Wenn und Aber, für die Verlegung der Stolpersteine gestimmt, so Fraktionsvorsitzender Thomas Tauber. „Das Thema ist nicht erst jetzt aktuell, sondern seit den Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges. Auch wir haben zahlreiche Unterschriften gesammelt.“ Eine erneute Ablehnung hätte es an Peinlichkeit nicht übertreffen können und Billerbeck nicht gut zu Gesicht gestanden. Frank Wieland (FDP): „Jetzt haben wir eine 100-prozentige Lösung und sind auf dem richtigen Weg.“

Geplant ist, dass die Stolpersteine beim nächsten Holocaust-Gedenktag am 27. Januar kommenden Jahres verlegt werden. Um die Pflege werden sich die Gemeinschaftsschüler kümmern. Nach dem die Schule ausgelaufen ist, hat schone die Anne-Frank-Gesamtschule signalisiert, die Pflege zu übernehmen – so wie sie es bereits am Standort in Havixbeck der Fall ist.

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