Interview mit dem Vorstand von „Billerbeckerleben“
„Aktuelle Angebote vor Ort annehmen“

Billerbeck. Den Einzelhandel und die Gastronomie trifft die Corona-Krise hart. Das öffentliche Leben steht still. Viele Geschäfte müssen derzeit geschlossen bleiben – auch in Billerbeck. Abhol- und Lieferdienste sind eingerichtet worden. Unser Redaktionsmitglied Stephanie Sieme hat den Vorstand der Unternehmergemeinschaft „Billerbeckerleben“ zur derzeitigen Stimmung bei den Einzelhändlern und Gastronomen, zu Herausforderungen, kreativen Geschäftskonzepten in der Krise und zu Forderungen an die Politik interviewt.

Donnerstag, 02.04.2020, 09:24 Uhr
Interview mit dem Vorstand von „Billerbeckerleben“: „Aktuelle Angebote vor Ort annehmen“
Der Vorstand von „Billerbeckerleben“: (v.l.) Axel Kuhlmann, Sabine Zurholt, Heike Geßmann, Helena Hass und Marc Lindenbaum. Foto: Archiv

Wie ist derzeit die Stimmung bei den Einzelhändlern und der Gastronomie in Billerbeck? Und wie hart haben die politisch beschlossenen Maßnahmen Einzelhändler und Gastronomen in Billerbeck getroffen?

Heike Geßmann: Die Schließung eines großen Teils der Geschäfte, viele davon unsere Mitgliedsbetriebe, trifft uns natürlich hart, die Stimmung ist mehr als angespannt. Es gibt sicherlich Branchen, in denen die Gewerbetreibenden um ihre Existenz fürchten müssen. Gleichzeitig freuen wir uns über die kreativen Ideen der Kolleginnen und Kollegen, die einen Weg finden, innerhalb der gesetzlichen Vorgaben weiterhin ihre Geschäfte zu betreiben, beispielsweise mit Abhol- und Lieferdiensten. Wir verweisen hier auch gerne auf die zusammenfassende Auflistung auf den Internetseiten des Citymanagements.

Was sind die größten Herausforderungen, vor denen Sie derzeit stehen?

Sabine Zurholt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich mit Kurzarbeit arrangieren, fürchten sogar um ihre Arbeitsplätze; ihnen muss diese Sorge nach Möglichkeit genommen werden. Gleichzeitig ist es nicht ausgeschlossen, und so ehrlich muss man an dieser Stelle sein, dass tatsächlich Arbeitsplätze verloren gehen können. Dass das nicht passiert, dafür kämpfen wir mit aller Kraft. Große Herausforderungen sind natürlich die Unsicherheit und die Ungewissheit, wie lange diese Situation noch anhalten wird. Es gibt ja keinerlei Erfahrungswerte aus vergleichbaren Situationen, auf die man zurückgreifen könnte. Es gilt, diese schwierige Zeit überstehen, um neu durchstarten zu können!

Können Sie Ihre Geschäftskonzepte ändern, um die negativen Auswirkungen irgendwie abzufedern?

Axel Kuhlmann: Von Abhol- und Lieferdiensten haben wir ja bereits gesprochen. Einige Unternehmen haben das schon immer gemacht, andere entdecken das gerade für sich neu – und das zum Teil sehr erfolgreich! So es im Einzelfalle denn möglich ist, verknüpfen einige Unternehmen gerade verstärkt das Onlinegeschäft als zusätzliches Standbein mit dem klassischen, stationären Geschäft vor Ort und nutzen zunehmend diverse Onlinetools, Social Media etc., um ihr Angebot zu vermarkten.

Wie werden neue Ideen wie Bring- und Abholservice von den Bürgern angenommen?

Marc Lindenbaum: Gut! Auch die Kunden müssen sich ja irgendwie mit völlig veränderten Einkaufsgewohnheiten arrangieren und nehmen diese Angebote entsprechend auch an. Einige Kollegen mussten schon Bestellannahme- oder Lieferzeiten anpassen, um alles abarbeiten zu können.

Wie lange können Sie mit geschlossene Geschäften und Restaurants durchhalten?

Sabine Zurholt: Diese Frage kann nur jeder für sich selbst beantworten. Das hängt sicherlich auch von den Hilfsangeboten ab, die Bund und Land zur Verfügung stellen – das scheint ja glücklicherweise schnell zu geschehen. Allerdings ist nicht jedes Hilfsangebot für jedes Unternehmen passgenau; da muss man jetzt abwarten, wer durch das Raster zu fallen droht und die Hilfen gegebenenfalls engmaschiger anpassen.

Was muss die Politik denn tun, damit Einzelhändler und Gastronomen diese schwierige Zeit überstehen können? Was fordern Sie?

Helena Hass: Schnelles und unkompliziertes Ausrollen der Hilfsmaßnahmen, wie es jetzt ja schon geschieht, ist oberstes Gebot! Das gilt beispielsweise für die Sonderkredite mit Haftungsfreistellung oder auch steuerliche Erleichterungen, diese Instrumente können ja seit ein paar Tagen rasch und relativ unbürokratisch beantragt werden. Klar ist aber auch, dass diese Maßnahmen den entstehenden Schaden nur bis zu einem gewissen Punkt eingrenzen können. Und natürlich ist jedes Unternehmen anders aufgestellt, die Branche spielt mit rein, die vorhandene Liquidität und die laufenden Kosten.

Und kann jeder Bürger auch einen Beitrag dazu leisten?

Marc Lindenbaum: Ja! Die aktuellen Angebote vor Ort annehmen, nicht dringende Anschaffungen auf die Zeit nach der Krise verschieben und nicht auf die „Onlineriesen“ ausweichen. Weiterhin sollten die Kunden Gutscheine kaufen. Als Unternehmergemeinschaft betreiben wir ja auch das Stadtgutscheinportal. Während man dort im Regelfall den „allgemeinen“ Stadtgutschein erwirbt, den man in vielen Geschäften in Billerbeck einlösen kann, ist das Portal jetzt so umgebaut, dass der Erwerb eines Gutscheins für ein individuelles Geschäft in den Vordergrund rückt – diese Einnahmen landen nämlich sofort bei den Händlern; nicht erst, wenn der Gutschein eingelöst wird. Schließlich sollten die Bürgerinnen und Bürger Verständnis für die Unannehmlichkeiten haben, die sich aus dieser Ausnahmesituation ergeben und dabei insbesondere auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter denken, die sicherlich unter schwierigen Rahmenbedingungen ihr Bestmögliches geben.

| www.citymanagement-billerbeck.de/projekte; www.stadtgutschein-billerbeck.de

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