Einzelhändler suchen nach Lösungen
Kontakt zum Kunden halten

Billerbeck. Wie von einem Blitz getroffen fühlen sich die meisten Einzelhändler in der Domstadt, die Mitte März ihre Läden wegen der Corona-Krise schließen mussten. „Es ist wie ein Albtraum“, sagt Geschäftsfrau Gisela Müther, Inhaberin der Parfümerie Domspatz. Der Umsatz sei praktisch gleich null; gleichzeitig habe sie aber laufende Kosten, wie die Pacht für das Ladenlokal. Sie war für das Ostergeschäft gut gerüstet, hatte wie immer Saisonware eingekauft und alles liebevoll dekoriert.

Montag, 06.04.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 06:02 Uhr
Einzelhändler suchen nach Lösungen: Kontakt zum Kunden halten
Foto: Archiv

„Vor dem Hintergrund dieses Schocks tun mir Gespräche mit treuen Kunden am Telefon jetzt richtig gut. Diese fühlen wirklich mit“, sagt sie. Mancher Kundin habe sie auch schon Ware nach Hause geliefert. „Man merkt dabei auch, wie groß die Angst vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus gerade bei älteren Menschen ist“, berichtet Gisela Müther. Die Geschäftsfrau liefert die per Telefon bestellten Artikel vor deren Haustüren ab, ohne mit den Kunden in Kontakt zu kommen. Gisela Müther ist dankbar, dass ihr die Kunden auf diese Weise die Treue halten, auch wenn sie weiß, dass ihr Ostergeschäft in diesem Jahr komplett ausfällt. Nach einem Brand in ihrem Laden im Jahre 2009 und drei Einbrüchen ist die Inhaberin der Parfümerie Domspatz leidgeprüft. „Aber die Schließung jetzt auf unbestimmte Zeit ist wirklich für uns alle tragisch.“

Auch Geschäftsmann Meinrad Bruns vom traditionsreichen gleichnamigen Modehaus an der Coesfelder Straße/ Ecke Kapellenweg hat es kalt erwischt. Er hat sein 30-köpfiges Team spontan in den Urlaub schicken müssen. „Manche Mitarbeiter bauen zurzeit auch Überstunden ab“, sagt er. Der Geschäftsmann schickt ebenfalls Waren nach telefonischer Bestellung zu den Kunden. Bruns hat sich dagegen entschieden, spontan einen Online-Handel ins Leben zu rufen. Seine zuweilen ältere Kundschaft sei damit nicht so vertraut. Von jetzt auf gleich hatte Meinrad Bruns auch eine Modenschau in seinem Hause absagen müssen, die mit drei Terminen am 19. März auf dem Kalender gestanden hat.

Wer jetzt Ware telefonisch bestelle, müsse schon sehr genau wissen, welchen Artikel er erwerben wolle, sagt Bruns. Für ihn sei klar, dass der Staat dem Einzelhandel nicht mit verbilligten Krediten, sondern am besten mit Steuersenkungen helfen könne.

Schuh + Sport Kentrup setzt in diesen Zeiten voll auf Online-Handel inklusive Video-Beratung per Whats-App. Johannes Kentrup kommentiert dazu: „Das wissen vor allem unsere Kunden bei der Auswahl von Kinderschuhen zu schätzen.“ Auf diese Weise sei zum Beispiel die passende Schuhgröße schnell zu ermitteln. „Wir sind sehr dankbar, dass wir einen Weg gefunden haben, unsere Kunden weiterhin fachkundig zu beraten“, sagt Kentrup.

Olaf Niermann vom Unternehmen Mennemann Exklusives Wohnen darf sein Geschäft in der Straße Lilienbeck weiterhin offen halten, weil er als Großhändler eine Sondersituation genießt. Er hat das komplette Schaufenster seines Ladens leergeräumt, damit die spontan eintreffenden Kunden schon von draußen sehen, ob sie eintreten dürfen. Maximal einen Kunden darf Olaf Niermann aktuell in seinem Laden beraten. Manchmal müssten sich Paare entscheiden, wer denn nun zum Beispiel die neue Tapete im Laden auswählen darf.

Für seine drei Mitarbeiter hat Olaf Niermann inzwischen Kurzarbeit angemeldet. Denn Aufträge bei den Kunden zu Hause werden nun nicht mehr erledigt. „All das müssen wir auf einen späteren Zeitraum verschieben.“

Schließlich gehe es jetzt darum, dass alle dabei mithelfen, dass sich das Coronavirus nicht weiter verbreiten kann. Niemand wisse aktuell, wann die Geschäfte wieder komplett öffnen dürfen.

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