„Storno“ präsentiert die „Sonderinventur Corona“
Im Aerosol-Slalom durch die Krise

Billerbeck. „Echte Menschen, die Corona-Zeit läuft weiter, aber wir stehen wieder auf der Bühne“, freut sich Thomas Philipzen beim Blick ins Publikum, das mit seinem donnernden Empfangsapplaus den coronatauglichen Abstand in den Reihen des bis oben gefüllten Zuschauerraums der Freilichtbühne Billerbeck glatt überklatscht. Stornos „Sonderinventur Corona“, präsentiert im Rahmen des städtischen Kulturprogramms, füllt am Wochenende gleich vier Mal die Ränge und zeigt, dass auch in krisengeschüttelten Zeiten Lachen die beste Medizin ist und Live-Kultur eine Wohltat für Künstler und Publikum.

Montag, 06.07.2020, 06:02 Uhr
„Storno“ präsentiert die „Sonderinventur Corona“: Im Aerosol-Slalom durch die Krise
Das Virus und seine Folgen bieten reichlich Stoff für Satire – ein gefundenes Fressen für die Kabarettisten von „Storno“, (v. l.) Jochen Rüther, Thomas Philipzen und Harald Funke. Fotos: Ursula Hoffmann Foto: az

Als Garanten für beste Unterhaltung spielen Jochen Rüther, Harald Funke und Thomas Philipzen wie gewohnt mit spitzer Zunge und vollem Körpereinsatz mit ihren so unterschiedlichen Charakteren. Dabei finden sie natürlich im Ausnahmezustand des Corona-Shutdown reichlich Stoff, den sie satirisch aufbereiten. Etwa das „Drei-Säulen-Modell, das uns Deutschen Halt gibt im Leben: Klopapier, Sexspielzeug und Alkohol“, die Corona-App (Philipzen wartet zappelnd auf das „Ping inne Buchs, man will ja irgendwie dabei sein“), oder Handy-Videokonferenzen („Wochenlang hab ich nur in Nasenlöcher geblickt“, regt sich Funke auf). Mit seinem umwerfend köstlichen Minenspiel läuft Harald Funke immer wieder zur Höchstform auf. Sein Credo: Sich langsam das Gefühl zurückerobern, dass das Leben ein Fest ist. „Warum können wir die Welt nicht retten mit guten Gefühlen?“, fragt er sich und findet durchaus auch schöne Seiten an Corona, etwa als Schalker, „denn Schalke hat sechs Wochen nicht verloren“. Oder als Netflixer: „Durch Nichtstun die Welt retten, wenn mein Vaterland mich braucht, bleib ich sieben Wochen auf der Couch liegen.“

Thomas Philipzen dagegen „hat immer so Manschetten, in die Stadt zu gehen“. Köstlich sein hektischer Aerosol-Slalom durch die Fußgängerzone. Ihr Kollege Jochen Rüther teilt derweilen das Publikum in Arm und Reich, jongliert staubtrocken mit Zahlenlawinen und kommt glasklar zu der Erkenntnis: „Die Systemrelevanten sitzen in der großen Gruppe der Armen.“ Flugs machen die drei daraus ein Lied über die harten Arbeitsbedingungen im Krankenhaus („Schnell weg da, weg da, weg, wir müssen rennen, springen...“).

Natürlich darf auch die Politik in Corona-Zeiten nicht fehlen. Rüther stellt politische Erdrutsche fest: „die CDU hat sich verdoppelt“. Einig sind sich diesmal alle in ihrer Bewunderung für Angie. „Corona heißt Krone, wir müssen Angie krönen zur Kaiserin von Europa“, schlägt Funke vor. Wendehals Söder, Laschet, der „Hobbit aus dem Hambacher Forst“, die AFD, die sich nur mit sich selbst beschäftigt, während sich die anderen ums Land kümmern, alle kriegen ihr Fett weg. So vergehen die knapp neunzig Minuten wie im Flug und mit stehenden Ovationen bedankt sich das Publikum für einen tollen Abend mit Pointen am laufenden Band.

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