„Neowise“ oberhalb des Weitblickgeländes beobachtet
„Christstern“ strahlt am Himmel

Billerbeck. Oberhalb vom Weitblickgelände hat er ihn gesehen: den C/2020 F3 wie der wissenschaftliche Name lautet oder besser gesagt den leuchtenden Kometen „Neowise“ mit seinem langen Schweif. „Er sieht aus wie ein Christstern“, sagt Paul Breitenstein. Zusammen mit Hermann Render hat sich der Münsteraner auf den Weg nach Billerbeck gemacht, um von hier aus einen Blick auf den Himmelskörper zu erhaschen. „Ich habe ihn schon bei mir Zuhause vom Dach aus in Münster gesehen. Trotz Lichtverschmutzung war er sehr schön zu sehen“, erzählt der pensionierte Mathematik- und Physiklehrer, der sich leidenschaftliche mit der Astronomie beschäftigt. „Ich schaue gerne über den Horizont, quasi über den Tellerrand“, sagt er. „Neowise“ wollte der Münsteraner aber auch ohne Lichtverschmutzung sehen. Und der Nachtausflug zur „Perle der Baumberge“ hat sich gelohnt. „Wir mussten ein wenig Geduld haben“, so Breitenstein. Nachdem sich die letzten Wolken verabschiedeten, ist der Blick auf einen fast ungestörten Himmel mit Jupiter, Saturn, Milchstraße und Kometen frei geworden.

Donnerstag, 16.07.2020, 10:32 Uhr
„Neowise“ oberhalb des Weitblickgeländes beobachtet: „Christstern“ strahlt am Himmel
Am Himmel strahlt „Neowise“ mit seinem langen Schweif. Entstanden ist dieses Bild zwar nicht in Billerbeck, aber der Komet sieht am Billerbecker Himmel genauso aus Foto: Jürgen Stockel

Es brauche keine besondere Ausrüstung, um „Neowise“ zu sehen. Noch nicht einmal ein Teleskop. Er sei schon mit dem bloßen Auge zu erkennen – am besten von einem Hügel aus. „Man muss nach Norden schauen“, erklärt der Münsteraner. Es gibt einen sehr hellen Stern am Himmel. Capella heißt er. „Links daneben ist der Komet deutlich zu sehen, wenn es dunkel genug ist“, so Breitenstein. Das könne ab halb elf abends schon möglich sein. Die beste Zeit sei gegen 1 Uhr. „Dann ist die Nacht am dunkelsten. Astronomische Mitternacht“, sagt er. Zu finden ist der Komet aber auch über das bekannte Sternbild Großer Wagen: Einfach die unteren beiden Sterne nach Norden verlängern. Dann stößt man auf „Neowise“. Der Komet ist zirkumpolar. Das heißt: Er verschwindet die ganze Nacht über nicht mehr unter dem Horizont. Zuletzt habe es so ein Schauspiel mit einem solchen lichtstarken Kometen 1986 gegeben. „Das war der Komet Halley“, so Breitenstein.

Entdeckt wurde „Neowise“ am 27. März durch das Weltraumteleskop „Neowise“. „Es wurde ein Objekt gefunden, das deutliche Anzeichen von Kometenaktivität aufwies. Einige Stunden später gelangen uns weltweit die ersten, erdgestützten Aufnahmen dieses Objekts mit dem Faulkes-Teleskop Süd in Siding Spring/Australien. Wir steuern dieses Forschungsteleskop von Münster aus über das Internet. Weitere Bestätigungen von anderen internationalen Teams folgten. Die Entdeckung und die Bestätigungen wurden mit dem elektronischen Rundschreiben MPEC 2020-G05 von Minor Planet anerkannt“, erklärt der Pensionär, der am Pascal-Gymnasium Münster unterrichtet und dort Arbeitsgemeinschaften rund um die Astronomie durchgeführt hat. Auszeichnungen gab es beim Wettbewerb „Jugend forscht“ – unter anderem für die Entdeckung eines Astroiden. Breitenstein ist Leiter der AiM-Project-Group. AiM steht dabei für „Astronomy and internet in Münster“. Ziel sei es, Schülern und Lehrern im Münsterland moderne, computergestützte Astronomie nahe zu bringen. Fortbildungen und Workshops, auch in Kooperation mit dem Planetarium Münster, werden durchgeführt. Auf das Weitblickgelände ist der Münsteraner aufmerksam geworden, weil es bekanntlich Planungen für die Errichtungen einer Sternwarte gibt.

Bis Ende des Monats soll der Komet voraussichtlich noch am Nachthimmel zu sehen sein. „Am 23. Juli ist er der Erde am nächsten“, so Breitenstein. Dann wird sich der Komet in die Weiten des Universums verabschieden und vermutlich erst in knapp 7000 Jahren zurückkehren.

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