Revitalisierung der Steinfurter Aa auf einer Länge von 1300 Metern gestartet
Mehr Freiraum für den Bach

Billerbeck. Tief im Nordosten des Kreises Coesfeld stecken Spaten in der Erde. Ein Bagger wirkt als Ungetüm am Uferrand der Steinfurter Aa. Von hier in der Bauerschaft Temming auf der Beerlage ist es ein Katzensprung zum Nachbarkreis Steinfurt und der Bach ist eine Verbindung. Eine größere Ansammlung Menschen steht beisammen. Der Grund: Schulterklopfen für die Zusammenarbeit zwischen der Bezirksregierung, dem Kreis Coesfeld und den Flächenbesitzern, die ihre Interessen als Teilnehmergemeinschaft Langenhorst-Temming vertreten, für die Revitalisierung der Steinfurter Aa.

Sonntag, 06.09.2020, 13:36 Uhr
Revitalisierung der Steinfurter Aa auf einer Länge von 1300 Metern gestartet: Mehr Freiraum für den Bach
Beim ersten Spatenstich: (v.l.) Regierungspräsidentin Dorthee Feller, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr, Werner Schulze Esking (Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft des Flurbereinigungsverfahrens Langenhorst-Temming) und Philipp Thiemann (Garten- und Landschaftsbauer) geben das Startsignal zur Revitalisierung der Steinfurter Aa auf der Beerlage. Foto: Hartmut Levermann

Der Sprecher der Gemeinschaft, Werner Schulze Esking, ragt aus der Gruppe heraus und begrüßt zum zweiten Mal ein Oberhaupt aus der in Münster ansässigen Mittelbehörde. Bereits vor 15 Jahren stand ein Gewässerschutzprogramm als Umsetzungsziel für die europäische Wasserrahmenrichtlinie auf dem Papier.

Der Idee nach sollte ein 500 Hektar großes Areal von der Ackerbewirtschaftung ausgeklinkt werden. Für Landwirt Schulze Esking war das Ziel fern ab einer Realität.

„Auf demokratischen Weg mit der Teilnehmergemeinschaft und den beteiligten Behörden“, wie Regierungspräsidentin Dorothee Feller beschreibt, konnte mit einem anderen Ansatz ein Kompromiss zwischen Ökologie und Agronomie erzielt werden.

Noch verläuft der Tieflandbach nahezu schnurgerade und weist nach Datenlage des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz einen äußerst schlechten Strukturzustand auf. Das spiegelt sich in der geringen Artenvielfalt im und am Bach wider. Auf einer Strecke von rund 1,3 Kilometern soll sich das ändern. Ein Freiraum für den Bach mit einer Breite von bis zu 30 Metern, in dem das Bachbett mäandrieren und sich ein kleiner Auensaum entwickeln kann, soll entstehen. Mit allen Beteiligten gelangte man letztlich mit dem Flurbereinigungsverfahren Langenhorst-Temming ins Ziel.

Auf einer Fläche von rund 1850 Hektar wurde das Wegekonzept angepasst, Flurstücke bewertet, neu kompensiert und als Tausch den Gewässeranliegern angeboten. So schaffte man Raum für den naturnahen Ausbau. Der Prozess dauerte mehrere Jahre. Auf einer Gesamtfläche von 1600 Ar profitieren davon nun neben der Steinfurter Aa auch die Bombecker Aa und der Grienenbach.

Für Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr sei hier mit Maß und Umsicht auf konsensualem Weg ein ökologisch sinnvolles Projekt erreicht worden. 232 000 Euro fließen aus dem Programm „Lebendige Gewässer“ vom Land Nordrhein-Westfalen in das Revitalisierungsprogramm Steinfurter Aa. Die Differenz zur Gesamtsumme von rund 290 000 Euro schießt der Kreis Coesfeld dazu.

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