Marion Kessens war vier Jahre lang Touristikmanagerin in Billerbeck und tritt eine neue Stelle an
„Stadt befindet sich in gutem Fahrwasser“

Billerbeck. Vier Jahre lang war Marion Kessens Touristikmanagerin der Stadt Billerbeck. Nun verlässt sie die Domstadt und übernimmt zum 1. Oktober die Geschäftsführung der „Steinfurt Marketing & Touristik“. Heute hat sie ihren letzten Arbeitstag in der „Perle der Baumberge“. Sie geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Über die neue Aufgabe in Steinfurt freut sie sich, wird Billerbeck aber auch vermissen. Unser Redaktionsmitglied Stephanie Sieme hat mit der 47-Jährigen über die vergangenen Jahre, neue Projekte und die touristische Ausrichtung Billerbecks gesprochen.

Freitag, 18.09.2020, 09:10 Uhr
Marion Kessens war vier Jahre lang Touristikmanagerin in Billerbeck und tritt eine neue Stelle an: „Stadt befindet sich in gutem Fahrwasser“
Marion Kessens war vier Jahre lang Touristikmanagerin der Stadt Billerbeck. Nun verlässt sie die Domstadt und übernimmt zum 1. Oktober die Geschäftsführung der „Steinfurt Marketing & Touristik“. Foto: Stephanie Sieme

Frau Kessens, der Abschied naht.

Marion Kessens: Ja – und es ist ein echt komisches Gefühl.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Kessens: Meine Kollegen und meine Chefin. Eigentlich die ganze Stadt. Man verliebt sich in Billerbeck und seine Menschen. Es ist ein richtiges idyllisches Fleckchen Erde. Die Menschen haben mich so freundlich aufgenommen. Das hat mir den Einstieg hier vor Ort unglaublich erleichtert.

Was ist der Grund, warum Sie eine neue Stelle antreten?

Kessens: In erster Linie die Fahrstrecke. Ich wohne in Rheine. Der Verkehr hat so zugenommen, dass ich für einen Weg 55 Minuten benötigt habe. Außerdem war die Stelle als Geschäftsführerin für mich eine große Chance.

In der Stadt gibt es viele Sehenswürdigkeiten. Haben Sie einen persönlichen Lieblingsort?

Kessens: Ich habe sogar zwei Lieblingsorte. Zum einen ist es die Kolvenburg. Dort habe ich auch geheiratet. Sie ist einfach wunderschön. Ich habe mit Vertretern des Kreises Gespräche geführt, dass künftig auch im Winter Veranstaltungen auf der Kolvenburg stattfinden könnten. Sonst war sie über die Wintermonate immer geschlossen. Das ist einfach zu schade. Mir wurde zugesichert, sich im Rathaus über eine Kooperation auszutauschen. Denn die Kolvenburg bringt durch ihre Angebote zusätzliches Publikum nach Billerbeck.

Und was ist Ihr zweiter Lieblingsort?

Kessens: Das ist der Bereich rund um die Freilichtbühne und die Weitblickwiese. Dort bin ich immer mit meinem Hund spazieren gegangen. Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf Billerbeck.

Der Kolvenburg soll also im Winter mehr Leben eingehaucht werden. Gibt es weitere Projekte für die Zukunft, die Sie noch mit angestoßen haben?

Kessens: Es gibt die Idee für einen touristischen Stadtrundgang mit Augmented-Reality. Eine Art spielerische, digitale Stadtführung. Dabei können Interessierte die Stadt auf eigene Faust erkunden. Es verschmelzen die reale und die virtuelle Welt miteinander. Kommendes Jahr soll auch die Sandsteinroute im Rahmen eines Leader-Projektes Baumberge überarbeitet werden. Geplant ist auch die Veröffentlichung einer Freizeitkarte für Billerbeck, in der alle Baumberger Highlights und die schönsten Verbindungen zu Fuß oder mit dem Rad dargestellt werden. So eine Art Knotenpunktsystem mit verschiedenen Streckenführungen. Gestellt habe ich für Billerbeck den Antrag auf staatlich geprüfte Touristinfo. Vergangene Woche war ein Prüfer vor Ort. Man muss bestimmte Kriterien erfüllen und das Qualitätssiegel alle drei Jahre erneuern. Durch die Auszeichnung hat man viele Vorteile. Klappt es, hätte Billerbeck die erste staatlich geprüfte Touristinfo in den Baumbergen.

Ist Billerbeck touristisch gut aufgestellt?

Kessens: Die Stadt befindet sich in einem sehr guten Fahrwasser. Die strategische Ausrichtung ist festgelegt, die Produktpalette steht. Es gibt ein neues Logo und Slogans zu verschiedenen Themen, die beworben werden. Die Imagebroschüre mit Magazincharakter ist in Arbeit. Prospekte zu geführten Stadtrundgängen sowie zu Übernachtungsmöglichkeiten sind fertig. Wir haben Billerbeck stark in den Niederlanden, in den umliegenden Kreisen, Münster und im Ruhrgebiet beworben, sprich Marketing und Suchmaschinen-Optimierung sind angeschoben. 2019 war das beste Jahr, das wir je hatten – mit den höchsten Übernachtungszahlen der vergangenen zehn Jahre. Natürlich sind einige Betten auch durch die Erweiterung der Weissenburg dazu gekommen und auch das Kloster Gerleve war 2019 sehr gut besucht. Die gebuchten Führungen sind von knapp 1000 jährlich auf 3000 gestiegen. Die Zahl unserer Gästeführer, die Botschafter dieser Stadt, ist von vier auf sieben gewachsen. Ihnen gilt mein herzlicher Dank.

Durch Corona konnte allerdings nicht an diese Erfolge angeknüpft werden...

Kessens: Durch Corona ist vieles anders. Führungen konnten von März bis Ende Mai nicht stattfinden. Jetzt sind sie mit einem kleineren Teilnehmerkreis erlaubt. Anfangs war die Nachfrage noch nicht wieder da. Erst seit wenigen Tagen geht es wieder richtig los.

Viele haben in Coronazeiten ihre Heimat entdeckt und den Urlaub in Deutschland verbracht. Waren auch in Billerbeck viele Touristen?

Kessens: In Billerbeck waren viele Tagestouristen.

Wie könnte der Tourismus noch mehr angekurbelt werden?

Kessens: Durch eine noch stärkere Kooperation mit unserem Dachverband, den Münsterland e.V. Das Radwegesystem wurde in den vergangenen Jahren von mir eher stiefmütterlich behandelt. Nächstes Jahr wird es aber ein Knotenpunktsystem geben. Es bietet Radfahrern eine bessere Orientierung bei ihren Touren. Radfahren ist hip und bringt über den Europaradweg R1 vor allem junge Leute in die Region. Hier sind wir auch Premiumpartner.

Wandern ist auch im Trend.

Kessens: Radfahren und wandern ist immer ein Thema. Auch Rennrad- oder Motorradfahrer – aber wir können nicht die ganze Klaviatur bespielen. Zu viele Zielgruppen führen oft zu Konflikten. Es ist wichtig zu schauen, welche Personengruppen auch für Wertschöpfung sorgen. Wir müssen zusehen, dass unsere Dienstleister und die Gastronomie von unseren Aktionen profitieren. Ich möchte mich bei allen Billerbeckern herzlich bedanken.

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