Familie über Schicksal von Heinrich Leuer informiert
Gewissheit nach 75 Jahren erhalten

Billerbeck. Das Kreuz ist viel heller als alle anderen. In weißer Schrift ist darauf der Name Heinrich Leuer, sein Geburts- und das Sterbedatum zu lesen. Erst vor wenigen Tagen, an Allerseelen, ist es in der Kapelle des Nordturmes im Doms angebracht worden. Dort, wo sich die Gedenkstätte von über 300 Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, deren Namen auf schlichten Holzkreuzen verewigt worden sind, befindet. Eine Tafel, die am Eingang der Kapelle hängt, ist den über 100 Vermissten des Krieges gewidmet. Als vermisst galt auch Heinrich Leuer. Erst nach 75 Jahren hat die Familie genau das erfahren, was sie schon lange ahnte. Er ist mit 31 Jahren im Zweiten Weltkrieg gefallen, und zwar am 6. August 1944 in Riga. Dort ist er auf einem Soldatenfriedhof bestattet worden.

Freitag, 13.11.2020, 11:20 Uhr
Familie über Schicksal von Heinrich Leuer informiert: Gewissheit nach 75 Jahren erhalten
Am Volkstrauertag brennen im Dom an den Kreuzen für die Toten des Zweiten Weltkrieges die Kerzen. Dort ist nun auch ein Kreuz für Heinrich Leuer angebracht. Foto: kath. Kirchengemeinde St. Johann/St. Ludger

Bis zum vergangenen Jahr kannte die Familie weder das Sterbedatum, noch den Ort, wo er zu Tode gekommen ist. „Wir haben im vergangenen Jahr Nachricht vom Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes bekommen“, berichtet seine Nichte Gertrud Mete. „Wir waren alle sehr überrascht. Schließlich ist es eine lange Zeit. Wir haben nicht mehr damit gerechnet.“ Denn gesucht wurde nach dem Billerbecker schon lange. „Mein Vater hat direkt nach dem Krieg mit der Suche begonnen, weil mein Onkel nicht aus dem Krieg zurückgekehrt ist.“ Bilder von ihm habe er immer wieder an Suchdienste geschickt. Vergebens. Irgendwann habe er es aufgegeben. Ihr Bruder, Ewald Leuer, hat dann vor ungefähr zwei Jahren den Stein wieder ins Rollen gebracht, wie sie erzählt. Durch ein Gespräch mit einem Bekannten, der seinen Bruder gesucht hat, hat auch Ewald Leuer es noch einmal beim Suchdienst probiert. Es habe ihm keine Ruhe gegeben. Als Ewald Leuer im vergangenen Jahr verstorben ist, hat sich seine Schwester Gertrud Mete weiter dafür eingesetzt, dass ein Kreuz in der Kapelle des Domes für ihren gemeinsamen Onkel angebracht wird. „Weil ich wusste, wie viel es ihm bedeutet hat“, sagt sie. Nun gibt es einen Ort der Erinnerung und des Gedenkens für Heinrich Leurer in seiner Heimatstadt Billerbeck.

Gertrud Mete hat ihren Onkel noch kennengelernt. „Ich weiß noch ganz genau, wie er auf Heimaturlaub bei uns war und ich weiß noch wie er wieder weggehen musste. Dabei war ich erst fünf Jahre alt. Aber daran erinnere ich mich noch ganz genau“, erzählt sie und holt zwei Bilder aus einem Umschlag hervor. Darauf zu sehen ist der junge Heinrich Leuer – einmal im feinen Zwirn, auf dem anderen in Soldatenuniform. „Das hat er wohl der Familie aus dem Krieg geschickt“, erzählt die Billerbeckerin. Genauso wie Briefe.

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