Startschuss für Schmöker-Serie anlässlich der ausgefallenen Langen Lesenacht
Literarische Hommage an Jo Pestum

Billerbeck. Sarah Bosse weiß, dass es ganz viele Billerbecker gibt, die den „Spuk von Billerbeck“ sehr gerne gelesen haben. „Ich werde immer wieder darauf angesprochen“, sagt sie. Es ist einer der Kinder- und Jugendkrimis, der in den frühen 70er-Jahren in der bekannten Reihe um den Detektiv „Luc Lucas“ erschienen ist. Geschaffen von ihrem Vater Johannes Stumpe, bekannt als Jo Pestum.

Samstag, 14.11.2020, 07:24 Uhr
Startschuss für Schmöker-Serie anlässlich der ausgefallenen Langen Lesenacht: Literarische Hommage an Jo Pestum
Sarah Bosse ist die Tochter von Johannes Stumpe und ebenfalls Autorin. Bei der Langen Lesenacht hätte die 54-Jährige aus „Der Spuk von Billerbeck“ gelesen, geschrieben von ihrem Vater. Für ein paar Lesestunden empfiehlt sie auch „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen und „Offene See“ von Benjamin Myers. Foto: privat

Vergangenen August ist der deutsche Schriftsteller und Filmautor, der vor allem als Kinder- und Jugendbuchautor bekannt wurde, im Alter von 83 Jahren verstorben. Bei der Langen Lesenacht, die eigentlich am heutigen Samstagabend stattgefunden hätte und coronabedingt abgesagt wurde, hätte Sarah Bosse aus „Der Spuk von Billerbeck“ vorgelesen. Als Hommage an ihren Vater. In dem Krimi wird die Geschichte eines Ehepaares erzählt, das in der Domstadt einen Gasthof betreibt. Als sie von einem mysteriösen Unbekannten Drohbriefe erhalten und Teichfische vergiftet werden, bitten sie Detektiv Luc Lucas um Hilfe.

Pestum stammt aus dem Ruhrgebiet, ist 1936 in Essen geboren, hat an der Folkwang-Schule für Gestaltung Malerei studiert. 1958 erschienen seine ersten Veröffentlichungen in Zeitschriften. Pestum zog mit seiner Familie nach Billerbeck und war unter anderem als freier Schriftsteller tätig und erhielt für seine Werke verschiedene Auszeichnungen. „Kommissar Katzbach“, „Die Großstadtfüchse“, „Der Pferdehof im Münsterland“ und „Geschichten vom Paul“ stammen unter anderem aus seiner Feder. Bekannt ist er auch für seine Weihnachts-Krimis, die er seit vielen Jahren geschrieben hat „und wie Adventskalender funktionieren“, so Sarah Bosse, die selbst Kinder- und Jugendbuchautorin sowie Übersetzerin ist. Die Geschichten bestehen jeweils aus 24 Kapiteln. Der aktuelle, der gerade im Arena-Verlag erschienen ist, trägt den Titel „Drei Weihnachts-Lamas in Gefahr“. „Den hat er letztes Jahr noch fertig geschrieben. Das Manuskript des nächsten Weihnachtskrimis hat er nicht beenden können“, berichtet seine Tochter, die in diesem Jahr zum ersten Mal auch eine spannende Weihnachtsgeschichte in 24 Kapiteln veröffentlicht hat. „Fünf Freunde und das Weihnachtsgeheimnis“ lautet der Titel. Sarah Bosse hat die Abenteuer von Julien, Dick, Anne, Georgina (George) und Hund Timmy, die in der deutschen Ausgabe Julius, Richard, Anne, Georg und Tim heißen, als Ghostwriterin unter dem Namen der weltberühmten Schriftstellerin Enid Blyton von 2006 bis 2015 weiter zu Papier gebracht. Der Verlag CBJ sei an sie herangetreten und habe gefragt, ob sie eine Weihnachtsgeschichte schreiben möchte. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht“, erzählt die Domstädterin, die seit 27 Jahren Kinder- und Jugendromane schreibt. Zuerst hat sie als Übersetzerin gearbeitet, eher ihr erstes Buch erschien. „Julia und der wilde Ulf“ hieß ihr Erstlingswerk.

Ihren Vater vermisst Sarah Bosse sehr. „Er fehlt mir sehr“, sagt die Billerbeckerin. Auch der Austausch mit ihm über eigene, über andere Bücher, vermisse die 54-Jährige. Manuskripte ihrer eigenen Werke haben die beiden allerdings nie ausgetauscht, erst wenn die Bücher erschienen sind, haben sie sich darüber unterhalten.

„Mein Vater bekam immer das Magazin Schmitz.Katze, das viele Buchbesprechungen enthält. Das letzte Magazin habe ich nach seinem Tod mit nach Hause genommen“, erzählt Sarah Bosse. Beim Durchblättern hat sie entdeckt, dass ihr Vater viele Bücher angekreuzt hatte – daneben stand ihr Name. „Ich vermute, dass er sie mir schenken wollte. Das hat er ganz oft gemacht. Als ich das gesehen habe, war ich sehr gerührt. Das war sehr emotional“, so die Autorin. „Er hat immer zielsicher Bücher ausgesucht, die ich gerne gelesen habe.“ Nach und nach hat sich die 54-Jährige die Bücher bestellt und gelesen. Darunter auch der Roman „Offene See“ von Benjamin Myers. „Es ist sehr einfühlsam, sehr poetisch erzählt und hat mir sehr gut gefallen“, berichtet Sarah Bosse. Genauso wie „Die Mittagsstunde“ von Dörte Hansen. Ebenfalls einfühlsam mit einer tollen Sprache, findet sie.

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