Corona lässt die Zahlen in der Statistik des Fundbüros sinken
Bundeswehr-Rucksack und Wellensittich

Billerbeck. An der Magnetwand neben dem Schreibtisch von Mechtild Elsbecker hängen ein Spielbogen für den Kinderwagen und ein Schmusetuch in Bärengestalt. „Ich hoffe, dass das mal jemand hier im Büro entdeckt und wiedererkennt“, lächelt die Mitarbeiterin im Fachbereich Zentrale Dienste und Ordnung der Stadt. Sie ist für Fundsachen zuständig. „Viele Leute wissen gar nicht, dass wir hier ein Fundbüro haben“, so Elsbecker. Vielleicht auch deswegen werden viele Fundsachen nicht von ihrem Eigentümer abgeholt. Im letzten Jahr waren es 19 Prozent.

Freitag, 26.02.2021, 06:02 Uhr
Corona lässt die Zahlen in der Statistik des Fundbüros sinken: Bundeswehr-Rucksack und Wellensittich
Mechtild Elsbecker hat im Fundbüro dieses Babyspielzeug aufgehängt und hofft, dass es noch abgeholt wird. Die kleinen Eigentümer dürften es schmerzlich vermissen. Foto: Ulrike Deusch

73 Teile sind 2020 beim Fundbüro gemeldet worden, die nicht nur von Billerbeckern verloren wurden. „Wir sind eine Touristenstadt, daher gibt es auch Besucher, die ungewollt was zurücklassen“, sagt Mechtild Elsbecker – und kommt direkt auf die Besonderheit der Statistik 2020 zu sprechen: Wegen Corona sind deutlich weniger Besucher in Billerbeck gewesen und größere Veranstaltungen, bei denen oft etwas verloren geht, hat es nicht gegeben. Vor allem der Karneval, besonders Altweiber, ist laut Elsbecker in anderen Jahren ein Datum, an dem vielen Feiernden etwas abhanden kommt oder vertauscht wird – besonders häufig warme Jacken für den Weg zur Party.

An der Spitze der Fundsachen lagen mit 24 wieder die Fahrräder, darunter auch hochwertige Modelle und sogar E-Bikes. Aber 2019 waren fast doppelt so viele gefundene Drahtesel gemeldet worden. „Es könnte daran liegen, dass in der Coronazeit viele Menschen zu Hause bleiben und weniger Pendler unterwegs sind“, nennt Elsbecker einen möglichen Zusammenhang. Handys liegen auf Rang zwei. Elf sind im vergangenen Jahr im Fundbüro gelandet – da gelingt es manchmal, den Besitzer zu ermitteln. Der ungewöhnlichste Fund war für Elsbecker ein Bundeswehr-Rucksack samt Inhalt. „Der lag im Gebüsch“, wundert sie sich noch immer. Unter dem Eintrag „Sonstiges“ finden sich Hörgeräte, Motorradhelme, eine leere Damenhandtasche, ein Kinderfahrradhelm und ein Longboard, das offenbar seit Dezember niemand vermisst.

Nur 14 Eigentümer haben ihre Sachen 2020 abgeholt. „Vor allem die Fahrräder können meist zurückgegeben werden“, berichtet Elsbecker. Insgesamt 21 Fundsachen gingen an die Finder – nach einem halben Jahr offizieller Aufbewahrungszeit. Vieles von dem, was nicht abgeholt wird, kommt sozialen Zwecken zugute.

Neben den Fundsachen beschäftigen die Fundtiere, die im Tierheim in Lette auf ihre Besitzer warten, Mechtild Elsbecker. Acht Hunde wurden im vergangenen Jahr gemeldet und über 40 Katzen. Während sieben Fiffis wieder mit ihren Herrchen zusammengekommen sind, hatte an den Katzen niemand Interesse. „16 wurden kastriert und ausgewildert, die anderen sind im Tierheim verblieben“, so Elsbecker. Ein ganz besonderer Tierfund war auch zu vermelden: ein Wellensittich.

Mit einem möglichen Finderlohn hat das Fundbüro übrigens nichts zu tun. Elsbecker: „Das ist eine Sache zwischen Finder und Eigentümer.“ Dass die beiden zueinander finden, ist aber nicht selbstverständlich. „Oft werden wir gebeten, die persönlichen Daten nicht weiterzugeben.“

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