Schullandschaft im Einzugsbereich der AFG ist stark verunsichert
Klare Worte von sechs Bürgermeistern

Billerbeck/Havixbeck. „Wir sind überzeugt: Bei dem Versuch, eine Gesamtschule in Roxel zu gründen, verlieren alle, insbesondere aber Billerbeck und die umliegenden Kommunen im Kreis Coesfeld.“ Mit klaren Worten wenden sich sechs Bürgermeister aus Havixbeck, Billerbeck, Senden, Nottuln, Altenberge und Laer gemeinsam mit Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr in einem Brief an Regierungspräsidentin Dorothee Feller.

Samstag, 17.04.2021, 09:52 Uhr
Schullandschaft im Einzugsbereich der AFG ist stark verunsichert: Klare Worte von sechs Bürgermeistern
Havixbecks Bürgermeister Jörn Möltgen und Billerbecks Bürgermeisterin Marion Dirks unterzeichneten wie vier weitere Bürgermeister den mehrseitigen Brief an die Regierungspräsidentin Dorothee Feller. Foto: Gemeinde Havixbeck

Zum Hintergrund: In Münster können jährlich rund 270 Schülerinnen und Schüler nicht an den bestehenden Gesamtschulen aufgenommen werden und die Stadt sucht nach einem Standort. Im Gespräch ist neben Gremmendorf vor allem Roxel, wo die Sekundarschule ausläuft und die weitere Nutzung des Schulgebäudes offen ist. Ein Berufskolleg, aber vor allem eine Gesamtschule würde sich anbieten – so die überparteiliche Vorstellung Münsters.

Die Kommunen Billerbeck und Havixbeck äußern seit langem Bedenken gegen diesen Plan, da sie die Sechszügigkeit der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) mit ihren beiden Teilstandorten in Havixbeck und Billerbeck gefährdet sehen. Laut Schulgesetz muss eine Schule mit zwei Standorten mindestens sechszügig sein.

Nun wenden sich sechs Kommunen der Baumbergeregion im Schulterschluss mit dem Landrat an die Bezirksregierung, die für die Genehmigung zuständig wäre. Erinnerung an die verweigerte Genehmigung der Gesamtschule in Emsdetten im Jahr 2013 werden wach, da „nach den schulgesetzlichen Vorgaben zur gegenseitigen Rücksichtnahme in der Schulentwicklungsplanung eine Schulerrichtung bestehende Schulen in Nachbarorten nicht gefährden“ darf, wie es damals in der Pressemitteilung der Bezirksregierung hieß. „Demnach dürfen weder ein leerstehendes Schulgebäude oder monetäre Aspekte – sowohl in Münster als auch in Havixbeck – bei der Entscheidungsfindung der Bezirksregierung berücksichtigt werden“, so Havixbecks Bürgermeister Jörn Möltgen.

„Eine neue Gesamtschule in Roxel würde zwangsläufig zu einer Neuverteilung der Schülerschaft führen“, heißt es in dem Bürgermeisterbrief an die Regierungspräsidentin, da sich die Einzugsbereiche der AFG mit dem einer möglichen Gesamtschule in Roxel überschneiden. Zudem darf der Wohnort der Schüler für die Aufnahme an eine Gesamtschule nicht berücksichtigt werden. Deswegen sei die Schullandschaft in und um Havixbeck „stark verunsichert“. Drei weiterführende Schulen sind in der Baumbergeregion geschlossen worden (Billerbeck, Altenberge), zwei weitere laufen aus (Billerbeck und Roxel), die Gründung weiterer Gesamtschulen im Umkreis werde immer wieder diskutiert.

Laer, Altenberge, Bösensell, Albachten und Appelhülsen verfügen selbst über keine weiterführende Schule vor Ort und seien auf ein attraktives Schulangebot in erreichbarer Nähe für ihre Kinder dringend angewiesen und „die AFG wird von Eltern dieser Orte seit Jahren angewählt.“ Bereits jetzt pendelt ein großer Anteil der Schülerschaft aus der Baumbergeregion zu den münsteraner Schulen. „Dies schwächt die Attraktivität der einzelnen Ortschaften. Es wäre fatal, wenn die einzige weiterführende Gesamtschule im Viereck Nottuln, Coesfeld, Nordwalde und Münster durch Roxel verkleinert werden müsste,“ da dies „die Lebens- und Wohnqualität in den betroffenen Kommunen nachteilig beeinflussen“ würde.

Mit Blick auf Münster halten die Bürgermeister den Standort Roxel für falsch. So würden fast alle Schüler aus dem Westen Münsters an den bestehenden Gesamtschulen in Havixbeck und Münster-Mitte aufgenommen. „Der Bedarf von Eltern aus dem Westen Münsters, die ihre Kinder an einer Gesamtschule anmelden möchten, ist folglich nahezu gedeckt!“ Selbst durch die geplanten Neubaugebiete im Westen Münsters würden nur zehn weitere Schüler an einer Gesamtschule angemeldet, wie die Bürgermeister akribisch nachrechnen.

Ungefähr 90 der an den städtischen Gesamtschulen abgelehnten Schüler kommt laut Schulentwicklungsbericht der Stadt Münster aus dem Bezirk der Mitte, die weiteren 180 Schüler müssten – da der Westen Münsters nach Einschätzung des Bürgermeisterbriefs weitgehend versorgt sei – aus dem Norden, Osten oder Süden Münsters kommen. Würde in Roxel eine Gesamtschule gegründet, wäre ein „steigender Busverkehr mit zum Teil langen Fahrwegen“ die Folge.

Das kann verkehrspolitisch nicht gewollt sein. Deswegen folgern die Bürgermeister: „Der Schulstandort Roxel geht scheinbar an dem im Schulentwicklungsbericht Münsters genannten Bedarf vorbei und eine weitere Gesamtschule, an deren Notwendigkeit wir nicht zweifeln, sollte im Bezirk Mitte oder Süd-Ost gegründet werden!“

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