Bauherr von Haus Beckebans stammt aus Adelslinie derer von Raesfeld
Fassade früher durch Putzschicht verdeckt

Billerbeck. Auf der Infotafel, die sich am Haus Beckebans in der Münsterstraße bis vor Kurzem befand, war zu lesen, dass es sich dabei um einen ehemaligen Burgmannshof handelt. „Das stimmte auch so nicht“, betont Archivar Dieter Nagorsnik. Das 1974 wunderschön renovierte Gebäude, das auch Zeiten erlebt hat, in denen die originelle Renaissancefassade durch eine Putzschicht entehrt wurde, stammt aus dem Jahr 1540. Mit seiner prunkvollen in Specklagentechnik gestalteten Backsteinfassade und dem Freistaffelgiebel mit den Muschelaufsätzen präsentiert das Gebäude, das der historische Billerbecker Fotokalender im April zeigt, einen Übergangstyp zwischen städtischem Adelhof und reichem Bürgerhaus.

Montag, 19.04.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 19.04.2021, 06:03 Uhr
Bauherr von Haus Beckebans stammt aus Adelslinie derer von Raesfeld: Fassade früher durch Putzschicht verdeckt
Der typische Anblick: Heute ist die originelle Renaissancefassade zu sehen. Foto: az

Der Bauherr stammte seinerzeit aus der Adelslinie derer von Raesfeld, Besitzer von Haus Hameren. „Gebaut hat dieses bürgerliche Profangebäude der Sohn eines unehelichen Sohnes von Raesfeld“, erklärt der Archivar. „Es zählt zu den ältesten der Stadt.“ Ursprünglich umfasste es zwei Hausstellen. Das Haus rechts daneben, in dem die Handwerksmeisterin Gabriele Gote seit mehr als 30 Jahren in ihrer Goldschmiede erfolgreich tätig ist, gehörte dazu.

Kleiner Blick in die Historie, die in den 1970er Jahren für den Billerbecker Anzeiger recherchiert wurde: Erste Erwähnung fand die gesamte Hausstelle bereits 1409. Ein Teil davon gehörte Herman de Konyng. Diese Familie zählte seinerzeit zur dünnen Oberschicht der kleinen Stadt. Herman de Konyng übte übrigens von 1376 bis 1377 das Amt eines Schöffen aus. Der andere Teil befand sich im Besitz von Hinrich Buninck. Die nächste Erwähnung der Hausstelle stammt von 1479. Damals wohnte dort die Witwe des Johan Koning. Arnd van Maer, genannt Konyng, stand spätestens seit 1476/77 in geschäftlichen Beziehungen mit Diderick von der Horst, dem Eigentümer des Haus Hameren. Er starb 1480 und seine Witwe verkaufte die Burg dem begüterten Goswin von Raesfeld. Arnd Konyng wickelte zusammen mit einem außerehelichen Sohn des Raesfeld die gesamte Rechnungsführung des Hauses Hameren ab.

Außereheliche Kinder waren damals bei Rittern keine Seltenheit. Die damalige Moral fand nichts Anstößiges dabei, obwohl diese Kinder den ehelichen Kindern gegenüber deutlich benachteiligt waren. Sie waren beispielsweise von der Erbfolge ausgeschlossen und zählten nicht zum Adel. Dieser Sohn wird in den Hamernschen Rechnungen von 1486 laufend schlicht „Bastard“ genannt, ab 1491 dann jedoch Bitter genannt. 1506 gehörte das Haus an der Münsterstraße dem Bitter von Raesfeld. Sein Sohn Arnd war der Bauherr des Gebäudes, das heute unter dem Namen Haus Beckebans bekannt ist.

Den Namen hat es von einer ehemaligen Besitzerin, der Schwiegermutter von Richard Suwelack, einst nicht nur stadtbekannt als Bonbonfabrikant, sondern auch als FDP-Mitglied im Stadtrat.

Über die Jahrhunderte beherbergte es einen Kolonialwarenladen, eine Kneipe, eine Apotheke und auch die Buchhandlung von Doris Stumpe, der Frau von Jo Pestum, der Mutter von Sarah Bosse. Unlängst gab es einen Besitzerwechsel von Suska Meyer-Landruth, die hier mit Kunstgewerbe handelte, an eine Nachfolgerin.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7923247?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947609%2F
Nachrichten-Ticker