Coesfeld
„Fridays for future“ im Rathaus

Coesfeld. Gestern. 11 Uhr. Ratssaal. Es hatte ein bisschen etwas von „Fridays for future“, als Schüler mitsamt blauer Europa-Flagge ins Rathaus strömten. Doch die rund 30 Gymnasiasten schwänzten nicht den Unterricht. Sie hatten sogar Rückendeckung von ihrem Direktor Christian Krahl, der die Gruppe begleitete. Es ging um ein Thema, das die Jugendlichen – ähnlich wie den Klimaschutz – eng mit ihrer Zukunft verbinden: Europa. „Europa ist für uns junge Menschen ein Zentrum von Möglichkeiten“, schwärmte Schülersprecher Janik Pokorny später vor rund 60 Vertretern aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens von offenen Grenzen, Austauschprogrammen und erweiterten beruflichen Chancen. Bürgermeister Heinz Öhmann hatte eingeladen, um ein starkes Signal für die Europawahl am 26. Mai zu setzen. Eine Resolution mit neun Punkten hatte er zur Unterschrift vorbereitet – auf Anregung der Schüler des Heriburg-Gymnasiums wurde als zehnter Punkt auch noch aufgenommen, dass die Europäische Union Ziele stecke „für Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität“ – „Fridays for future“ lässt grüßen.

Sonntag, 05.05.2019, 10:22 Uhr
Coesfeld: „Fridays for future“ im Rathaus
Foto: az

Öhmann freute sich über die große Resonanz auf seinen Aufruf: „Durch ihr Hiersein dokumentieren Sie, dass Europa für Sie eine Herzensangelegenheit ist“, sprach er nicht nur die Schüler, sondern auch die Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verbänden an. Er blickte zunächst zurück auf Zeiten, in denen er bei Radtouren nach Enschede noch Grenzkontrollen erlebt und beim Besuch in der Normandie erstmal Geld wechseln musste, bevor er herausstellte, dass all diese Errungenschaften – vom lang andauernden Frieden ganz zu schweigen – nun durch Populisten und Extremisten bedroht würden. Vertreter der Partnerschaftsausschüsse mit De Bilt (Brigitte Exner) und Pleguer (Christian Reiling) verlasen Grußbotschaften der dortigen Bürgermeister, die ihren deutschen Kollegen in seinem Wahlaufruf unterstützen.

Aus der Wirtschaft kamen bei der Veranstaltung die deutlichsten Worte. Jan Ostendorf vom gleichnamigen Farbenhersteller, der nun zur Hempel-Gruppe gehört, betonte, dass der Brexit zeige, wie wichtig es sei, wählen zu gehen. „Für uns gibt es eigentlich keinen Export mehr – das ist ein europäischer Markt“, betonte Helmut Schumacher von der Firma Hupfer. Er bedauerte, dass die Briten zu wenig aufgefordert würden, doch in der EU zu bleiben: „Wir warten zu lange.“ Das griff Öhmann spontan auf – und verabredete gemeinsam mit Schumacher, einen Brief an die britische Botschaft in Berlin zu schreiben.

Noch ein paar Wortbeiträge – und dann ging es ans Unterschreiben des Zehn-Punkte-Katalogs und eines Transparentes, das im Anschluss draußen vor der Rathaus-Tür aufgehängt wurde. Damit ist die Aktion aber noch nicht beendet. „Jeder Bürger kann das noch unterschreiben“, betonte Öhmann, dass noch viel Platz sei für weitere Signaturen. 7 Den Wortlaut der Europa-Erklärung finden Sie im Netz unter: | www.coesfeld.de

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