Coesfeld
Keine Bestandsgarantie für Bäume

Coesfeld. Für die Coesfelder Innenstadt (zwischen Süringstraße im Norden und Jakobi-/Südring im Süden) soll ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Mit den Anregungen, die dazu eingegangen sind, hat sich jetzt der Stadtrat beschäftigt. Umstritten waren dabei insbesondere eine geplante Nachverdichtung in der Hinterstraße und dass die Stadtplaner für die meisten Bäume in der City keine Bestandsgarantie abgeben wollten. Hintergrund ist, dass in einigen Jahren auch die Fußgängerzone neu gestaltet wird – dann sollen die Planer größtmögliche Freiheit haben und auch über Baumstandorte hinweg planen dürfen.

Sonntag, 29.09.2019, 11:18 Uhr
Coesfeld: Keine Bestandsgarantie für Bäume
Auch Bäume wie diese prächtige Blutbuche in der Schüppenstraße sollen im neuen Bebauungsplan keine Bestandsgarantie haben. Foto: Detlef Scherle

Mit großer Mehrheit wurden bei neun Gegenstimmen Bedenken von Anliegern vom Tisch gewischt, dass durch die geplante maximal zweigeschossige Bebauung auf der Südseite der Hinterstraße die Häuser auf der nördlichen Seite zu stark verschattet werden. Ziel ist dort, durch Verdichtung noch mehr Wohnraum zu schaffen.

Die größten Emotionen wurden aber beim Thema Bäume laut. Ein Bürger hatte angeregt, Grünflächen konsequenter zu entwickeln und möglichst viele Baumstandorte dauerhaft abzusichern. Für die Grünen stellte ihr Fraktionschef Erich Prinz den Stadtplanern die Note 6 („Setzen und nachsitzen!“) aus. Er sei fassungslos, dass ein gesunder Baum wie der vor Juwelier Heming in der Schüppenstraße einfach gefällt werden könnte, wenn er bei der Überplanung der Fußgängerzone im Weg stünde. Prinz kritisierte, dass alle Bäume in der Fußgängerzone nicht als planungssicher gekennzeichnet seien. „Das ist ganz bewusst so gemacht worden“, reagierte Stadtbaurat Thomas Backes auf die Vorwürfe. Schon in der Bernhard-von-Galen-Straße sei es nicht möglich gewesen, die vorhandenen Bäume in die neue Planung zu integrieren, erklärte er. Man müsse Bäumen auch dauerhaften Lebensraum geben – das sei nicht überall möglich. Er plädierte dafür, den Planern die Freiheit zu erhalten, Baumstandorte aufzugeben oder zu verlegen.

Prinz forderte, die neue Planung den bestehenden Bäumen anzupassen – und nicht umgekehrt: „In der heutigen Zeit muss es ein besonderes Anliegen sein, jeden gesunden Baum zu erhalten“, spielte er auf das Thema Klimaschutz an. Dafür, erhaltenswürdigen Baumbestand zu schützen, sprach sich auch Wolfgang Kraska (FDP) aus. Ludger Kämmerling (Grüne) warnte davor, mit jeder neuen Fußgängerzonen-Mode alle zehn Jahre neue Bäume zu pflanzen und wieder zu fällen: „So können wir mit der Natur nicht umgehen.“ Ihm pflichtete Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld/Familie) bei: „Vernünftiger ist es, Bäume zu erhalten.“

Thomas Michels (CDU) konnte die Aufregung zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehen: „Das können wir später immer noch beschließen. Die Planung für die Fußgängerzone ist ja noch gar nicht in Auftrag gegeben.“ Dem folgte dann mit großer Mehrheit auch der Stadtrat, der keine Baumstandorte festschreiben wollte. Die nun vorläufig festgehaltenen Gestaltungsmerkmale werden noch mal öffentlich ausgelegt, damit sich Interessierte weiter an der Aufstellung des Plans beteiligen können.

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