Coesfeld
Erste Stolperstein-Verlegung im Januar

Coesfeld. „Ich bin wirklich froh, dass das so schnell geklappt hat“, strahlt Claudia Haßkamp. Und auch ihre Mitstreiterin Tina Vennes ist guter Dinge. Der Grund: Die Initiative, die in Coesfeld mit „Stolpersteinen“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig an verfolgte und ermordete jüdische Mitbürger erinnern will, ist einen erheblichen Schritt weitergekommen. „Wir konnten die Bürgerstiftung gewinnen, die Trägerschaft für das Projekt zu übernehmen“, erklärt Vennes. Da der aus zwölf Aktiven bestehende Initiativkreis kein eingetragener, gemeinnütziger Verein ist, bedurfte es – zum Beispiel, um Spenden entgegennehmen und Quittungen fürs Finanzamt ausstellen zu können – eines Partners.

Mittwoch, 02.10.2019, 10:14 Uhr
Coesfeld: Erste Stolperstein-Verlegung im Januar
Das sind die 19 Juden, die sich im Dezember 1941 im Schlosspark zur Deportation nach Riga sammeln mussten. Sie ahnen nicht, dass die Reise in den Tod geht. Für vier von ihnen werden die ersten Stolpersteine verlegt: Ida Cohen (3. v. l.), Hermann Cohen (verdeckt, hinter ihr), Emma Cohen (6. v. l., hinten), Henriette Goldschmidt (vorn rechts mit Tasche) und Samuel Goldschmidt (rechts). Foto: az

Der ist nun gefunden: Die Bürgerstiftung erledigt nach Auskunft der Sprecherinnen alle Finanz-Transaktionen. Sie hat bereits Konten eröffnet, auf denen unter dem Stichwort „Stolpersteine“ Spenden eingezahlt werden können: DE91 4015 4530 0036 0020 04 bei der Sparkasse Westmünsterland und DE77 4286 1387 0643 4395 00 bei der VR-Bank Westmünsterland. Der Initiativkreis bleibt dagegen federführend bei der praktischen Durchführung des Projektes. Und da hat Haßkamp eine weitere gute Nachricht: „Die Verlegung der ersten Steine findet statt am 28. Januar 2020 um 9 Uhr.“ Demnig kommt bereits am Vorabend und übernachtet in Coesfeld. Gegen Mittag muss er dann weiter nach Ahlen.

Fest steht schon, wo die ersten sieben Coesfelder Steine platziert werden: „Es gibt drei Verlegeorte, die sich in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Synagoge befinden“, berichtet Haßkamp. Kleine Viehstraße 17: Dort werden die Stolpersteine für Emma Cohen, Hermann Cohen, Hermann Mannsbach und Albert Mannsbach eingebracht. Mühlenstraße 5: Dort wird an Ida Cohen erinnert. Und: Weberstraße 4: Gegenüber der Synagoge hatten Samuel und Henriette Goldschmidt ihren letzten Wohnsitz.

Überlebt haben den Holocaust von diesen sieben Coesfeldern nur die Mannsbachs. Die Initiative ist bemüht, Nachfahren und Angehörige – auch der anderen – ausfindig zu machen, die dann gegebenenfalls zur Verlegung eingeladen werden sollen. Eine Historikerin des Büros Demnig ist derzeit dabei, die Daten zu den Verfolgten, die in die Messingplatten eingeschlagen werden, zu ermitteln. Parallel dazu sucht der Initiativkreis Zeitzeugen, die sich an die sieben Coesfelder jüdischen Glaubens erinnern können. „Wir haben bereits Kontakt zu einer älteren Dame, die als Kind bei den Goldschmidts gespielt hat“, so Haßkamp. Weitere können sich unter Tel. 02541/848942 oder stolpersteine-coesfeld@gmx.de melden.

Vennes kündigt an, dass die Initiative vorhat, auch noch Stolpersteine für die Menschen zu verlegen, „die in der Zeit des Nationalsozialismus aus polititischen Gründen verfolgt wurden, für Opfer der Euthanasie, und für solche, die aufgrund ihrer Zivilcourage inhaftiert und ermordet wurden“.

Beachtlich sei, wie viel Unterstützung der Initiativkreis in der Stadt erfährt: von den Gewerkschaften über die Kolping-Jugend bis hin zu den Kirchen reicht die Palette. Vennes: „Mit der Martin-Luther-Schule hat sich sogar schon eine Grundschule gemeldet, die eine Patenschaft für den Stein für ein deportiertes Kind übernehmen will.“

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