Coesfeld
Leere Läden – lange Gesichter

Coesfeld. Fünf Prozent Ladenleerstand in einer Innenstadt könne man als normal bezeichnen. Das komme immer mal wieder bei einem Pächterwechsel vor, der selten nahtlos erfolge. Das meint der Coesfelder Geschäftsmann Jürgen Domeier. Doch wie sich die Situation augenblicklich darstelle, sei der Prozentsatz weitaus höher.

Sonntag, 03.11.2019, 21:12 Uhr
Coesfeld: Leere Läden – lange Gesichter
In der Kleinen Viehstraße sucht Cäcilia Hartz immer noch nach einem Nachmieter für ihr Ladenlokal. Foto: az

Tatsächlich stehen aktuell in der City etwa 20 Ladenlokale leer, je nach dem, wo die Stadtkerngrenzen gezogen werden. Das sind mehr als noch im Frühjahr dieses Jahres, als etwa 14 Geschäfte leer standen. Die Situation hält nicht nur Domeier für unerträglich.

Gründe dafür seien unter anderem die „quälend langandauernden Straßenbaustellen“ in der City. Aber seiner Ansicht nach müsse auch die Fußgängerzone Letter Straße „aufgehübscht“ werden, damit die Kunden wieder gerne in die Stadt kommen und einkaufen.

Domeier hätte seine eigene Immobilie in der Pfauengasse schon mehrfach verpachten können, aber er sehe in seinem Ladenlokal weder einen Goldankauf noch einen Second-Hand-Laden oder ein Geschäft für Spielekonsolen. „Wir müssen aufpassen, dass das Umfeld nicht verramscht wird“, sagt Domeier. Er könne verstehen, wenn mancher Eigentümer einer Immobilie aus wirtschaftlichen Erwägungen der Versuchung erliege, doch einen Pachtvertrag mit einem von ihm eigentlich nicht gewünschten Interessenten abzuschließen.

Geschäftsmann Jochen Gehling hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Er wünscht sich für sein leerstehendes Ladenlokal in der Letter Straße, in dem zuletzt ein Dessous-Geschäft war, jedenfalls „keine Fressbude“, Shisha-Bar oder Sportwetten-Büro. Entscheidend für eine Verpachtung seien die drei großen L – Lage, Lage und nochmals Lage. Aktuell habe er zwei vielversprechende Interessenten. Die Geschäfte seien nicht auf Laufkundschaft angewiesen, woran es in dem Bereich der Letter Straße gegenüber dem Ehrenmal mangele. Künftige Kundschaft könne den Parkplatz Mittelstraße nutzen, sieht Jochen Gehling zuversichtlich in die Zukunft.

Auch Cäcilia Hartz, Inhaberin eines Ladenlokals in der Kleinen Viehstraße, hat die Hoffnung auf einen neuen Pächter noch nicht aufgegeben. Sie könne sich dort eine Bäckerei vorstellen, aber auf keinen Fall ein China-Restaurant – mit Rücksicht auf die Mieter in den Wohnungen über dem Ladenlokal. Seit der Netto-Markt in die Kupferstraße umgezogen sei, fehle die Frequenz in der Kleinen Viehstraße. „Wir müssen aufpassen, dass unsere Straße keine tote Straße wird“, kommentiert Cäcilia Hartz. Denn ein Ladenleerstand ziehe ganz schnell einen anderen nach sich.

In der Süringstraße stehen gleich zwei benachbarte Ladenlokale leer: Die Geschäfte Teppiche Hosseini und Handmade Burger & Shake haben geschlossen, letzteres sogar nach sehr kurzer Zeit. Auch in der Letter Straße schauen die Besucher der Stadt auf zugeklebte Schaufensterflächen zweier Ladenlokale, die direkt nebeneinander liegen. Die Bäckerei Ebbing hat dort ihre Filiale geschlossen und verweist auf ihr Café am Südwall, und der Modeladen Franzi im ehemaligen Tchibo-Geschäft hat nach kurzer Zeit die Tore wieder geschlossen.

Wie das ehemalige Ladenlokal vom Schuhpark Fascies an der Schüppenstraße/Ecke Süringstraße neu genutzt wird, sei noch nicht klar, teilt Immobilienmaklerin Katja Hardes aus Witten, Tochter der Eigentürmerin der Immobilie, mit. Klar sei aber bereits jetzt, dass die erste Etage, die ehemals ebenfalls als Verkaufsfläche genutzt worden ist, in drei Wohnungen umgewandelt werde. Im Erdgeschoss werde das große Ladenlokal wohl wieder aufgeteilt und an verschiedene Pächter vergeben, wie es früher einmal der Fall gewesen sei. „Der Einzelhandel – nicht nur in Coesfeld – hat grundsätzlich ein Problem, und dieses Problem heißt Internet“, sagt Katja Hardes. Im Vergleich zu anderen Orten habe Coesfeld aber immer noch einen guten Branchenmix.

In manche Ladenlokale ist neues Leben eingekehrt. So ist Augenoptik Schoppe von einem Ende der Kupferpassage zum anderen Ende, zur Schüppenstraße, umgezogen. Das alte Ladenlokal ist allerdings noch nicht wieder neu vermietet, weshalb ein solcher Wechsel keinen Einfluss auf die Leerstand-Bilanz hat. Der Deko- und Geschenke-Laden Nanu Nana ist von der einen Seite der Letter Straße auf die andere Seite umgezogen – in das vom Textildiscounter NKD verlassene Domizil. Das alte Ladenlokal bleibt aber nicht verwaist. Dort hat Andreas Otte aus Ascheberg vor drei Wochen seinen Schnäppchenmarkt „City One“ eröffnet. Einen Lichtblick gibt es auch im ehemaligen Ladenlokal Theo Dreier ebenfalls in der Letter Straße. Dort soll Anfang November das Modegeschäft „Gücksgefühl“ eröffnen. | Kommentar

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