Coesfeld
Halco meldet Insolvenz an

Coesfeld (sg/ds). Das Arbeitsgericht Bocholt hat gestern doch noch nicht über 70 Kündigungsschutzklagen von Mitarbeitern des Coesfelder Halco-Werks entschieden. Wie Sprecherin Miriam Wanko auf Nachfrage erklärte, sei der Verkündigungstermin in Coesfeld „aus prozessualen Gründen“ aufgehoben worden. Der neue Termin ist noch unklar. Insgesamt, berichtete sie, seien in der ersten Instanz noch 100 Kündigungsschutzsachen anhängig. Deren Abwicklung wird bis in den Dezember hinein dauern. Die Arbeitnehmer hoffen, dass alle so entschieden werden wie die ersten 30 – zugunsten der Mitarbeiter. In den bisher entschiedenen Fällen erklärte das Gericht die Kündigungen vom 1. Januar 2019 für unwirksam, weil Betriebsratsrechte missachtet worden seien. Das Unternehmen reagierte prompt – und schickte (wie berichtet) neue Kündigungen heraus. Außerdem will es in Revision gehen.

Sonntag, 10.11.2019, 10:32 Uhr

Wohl aufgrund der hohen Lohnnachzahlungen, die fällig werden dürften, wenn die Entscheidungen Bestand haben, hat die Halco GmbH jetzt auch noch eine weitere Reißleine gezogen: Sie stellte am Mittwoch einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Münster. Abfindungszahlungen an die Mitarbeiter schließt Halco-Geschäftsführer Franz Nitsche aus. Sie wären „ein zu hohes Risiko für die übrigen Gesellschaften der Hüls-Unternehmensgruppe“. Ziel der Maßnahme, Halco stillzulegen und keine Möbelteile mehr im Auftrag herzustellen, war nach eigenen Angaben eine Stärkung des Kerngeschäfts des Möbelherstellers. Für Halco, so heißt es in einer Pressemitteilung, sei der Ausgang der Kündigungsschutzklagen „überraschend“ gewesen. Danach sei „eine tragfähige Gesamtlösung sorgsam abgewogen“ worden. Für Abfindungen fehle aber das Geld.

Halco-Betriebsrat Freddy Tausendfreund zeigte sich überrascht, dass die Insolvenz, mit der er durchaus gerechnet habe, schon so früh kommt. Was sie für die Mitarbeiter bedeutet – und ob sie nun noch nicht einmal ausstehenden Lohn bekommen werden, ist noch völlig unklar. Aus Sicht von Tausendfreund müsste die Hüls-Gruppe einspringen, wenn Halco die finanziellen Mittel für eine angemessene Abfindung fehlen.

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