Coesfeld
Lebensreise berührt Herz und Seele

Coesfeld. Judy Bailey hat ihr letztes Lied schon gesungen, da greift sie noch einmal zum Mikrofon und legt den rund 500 begeisterten Besuchern in der voll besetzten Evangelischen Kirche noch eine Botschaft fürs Leben ans Herz: „Lasst uns mit diesem einen Leben, das wir haben, unser Bestes tun. Lasst uns gute Geschichten schreiben.“ Und: „Versucht es mal mit Gott mittendrin.“

Dienstag, 12.11.2019, 07:08 Uhr
Coesfeld: Lebensreise berührt Herz und Seele
Applaus gab’s viel und heftig, aber oft animierte Judy Bailey ihr Publikum auch mitzuklatschen, einzustimmen oder mit Armbewegungen 1000 fliegende Engel zu zeigen. Foto: az

In den zweieinhalb Stunden vorher hat Judy Bailey, die charismatische christliche Sängerin von der Karibikinsel Barbados, von ihrer eigene Lebensreise erzählt – mit ihrer Stimme und ihrer Gitarre. Die autobiografischen Texte liest, spricht, spielt und plaudert ihr Ehemann Patrick Depuhl, der auch die Djembé und andere Schlaginstrumente bedient. „Hat er nicht eine wunderbare Lesestimme?“, fragt Judy Bailey. Hat er.

Ganz anders ist dieser Abend als der erste Auftritt von Bailey und ihrer Band im Sommer 2018, als die Besucher in der Evangelischen Kirche karibisches Flair und Lebensfreude feierten. „Heute ist es viel stiller, aber genauso intensiv“, findet eine Zuhörerin in der Pause. Eine besondere Energie fließt von der Bühne, die mit Gegenständen aus Judy Baileys Leben bestückt ist, und strömt durch die in warmes Licht getauchte Kirche. Ihre sehr persönlichen Lieder berühren die Seele und erwärmen das Herz. Eine stille Freude verschafft sich Raum, ein inneres Leuchten auch in dunklen Zeiten.

Und die hat Judy Bailey auf ihrer Lebensreise ebenso gespürt wie große Glücksmomente. Von ihrer Kindheit auf Barbados singt sie, von ihrer frühen Nähe zur Kirche, dem Moment, in dem sie erkannte, dass sie sich „die Seele aus dem Leib singen möchte“ für ihren Gott. Aus den Irrwegen ihrer Lehr- und Studienjahre erhebt sie sich als Musikerin wie eine Siegerin. „Rise like a champion“, stimmt sie an und die Besucher singen mit. Als ihr Mann von ihrem Kampf gegen die Bulimie liest, wird es mucksmäuschenstill in der Kirche und sehr poetisch klingt das Lied „...the devil in me“. Sie glaubt, dass Gott keine perfekten Menschen will, sondern mit denen ist, die sich selbst im Aufbau begreifen. Sie beschwört Nächstenliebe und Toleranz, wie sie sie selbst erlebt hat, und singt vom Zuhause, das jeder sucht („Home“). Sie beschwört die Liebe – zwischen Menschen und zwischen Gott und Mensch: „Du bist gewollt, du bist wertvoll, du bist geliebt.“ Und sie spart den Tod nicht aus. Die Betroffenheit im Publikum wird greifbar, wenn sie von den letzten Momenten mit ihrem Vater erzählt. So dicht ist die Atmosphäre, dass niemand sie mit Applaus stören möchte: „Life goes on“.

Erst ganz zum Schluss wird Jubel laut. Die Künstler danken dem „tollen Team“ vom Aufbauverein, der das Konzert organisiert hat. Vorsitzender Detlef Scherle freut sich über einen berührenden Abend: „Ich schwebe noch“, sagt er, als er Judy Bailey und Patrick Depuhl mit Blumen verabschiedet.

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