Coesfeld
Grüne scheren aus Kleeblatt-Bündnis aus

Coesfeld. 50 Tage nachdem Bürgermeister Heinz Öhmann seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt und der CDU-Stadtverbandsvorstand seinen Stellvertreter Gerrit Tranel als Nachfolger vorgeschlagen hat, tappen die vier anderen Parteien und Wählervereinigungen bei ihrer Kandidaten-Suche immer noch im Dunkeln. „Es gibt nach wie vor keinen Namen“, berichtete Norbert Vogelpohl (Ortsverbandsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen) auf Nachfrage. Die Grünen hatten sich immer den Martins-Tag (11. 11.) als Zielmarke für das so genannte „Kleeblatt-Bündnis“ aus SPD, Pro Coesfeld, Aktiv für Coesfeld und Grünen gesetzt. Nachdem der verstrichen ist, hat Vogelpohl den drei Partnern nun per E-Mail mitgeteilt, dass die Grünen erstmal raus sind aus dem gemeinsamen Spiel. „Da zum jetzigen Zeitpunkt, ca. 10 Monate vor dem Wahltermin, die KanditatInnenfrage noch immer nicht geklärt ist, halten wir Coesfelder Grünen es für sinnvoller, dass die angestrebte BM-Kandidatur nur durch eine politische Gruppierung entwickelt und vorgetragen wird“, heißt es in dem Papier. Hauptgrund für diesen Schritt, so Vogelpohl gegenüber der AZ, sei, dass für ein Erfolg versprechendes gemeinsames Vorgehen kaum noch Zeit bleibe. In dem Brief drückt er das so aus: „Eine Kampagne, die von mehreren politischen Gruppierungen entwickelt und getragen werden soll, erfordert einen noch größeren zeitlichen Vorlauf als ein ,monochromer’ Wahlkampf.“ Er könne sich aber vorstellen, dass – wenn eine andere Partei oder Wählerinitiative einen Kandidaten aufstellt – die Grünen diesen unter Umständen unterstützen. Artig bedankt er sich zum Schluss noch bei den anderen Vertretern des „Kleeblatts“ für „die bisherige harmonische Zusammenarbeit“.

Donnerstag, 14.11.2019, 11:04 Uhr

Die anderen zeigten sich gestern verwundert über den Brief des Grünen. „Das müssen wir erstmal verdauen“, meinte Thomas Stallmeyer, der für den SPD-Ortsvereinsvorstand den Kandidatenfindungsprozess begleitet. Allerdings gerate er dadurch nun auch „nicht in Panik“. Im Gegensatz zu den Grünen halte er es für ausreichend, wenn der gemeinsame Kandidat bis Mitte Januar steht. Die Suche sei nicht einfach, zumal man gerne eine Frau aufstellen würde, so Stallmeyer. Er habe selbst schon im Sommer mit geeigneten Bürgermeisterinnen, Beigeordneten und Abteilungsleiterinnen gesprochen. „Aber die packen da nicht so beherzt zu, wie Männer das vielleicht tun würden.“ Er wolle nun mit den Bündnispartnern Gespräche führen, wie es weitergehen könnte.

Eberhard Ernsting, Vorsitzender von Pro Coesfeld, will auch keinesfalls schon die Flinte ins Korn werfen: „Ich bin noch voller Hoffnung, dass wir jemanden finden“, sagte er. Konkret führe Pro Coesfeld noch Gespräche mit einem potenziellen Kandidaten. Eine Entscheidung könne sich da „schon relativ kurzfristig“ ergeben – gegebenenfalls aber auch erst im Januar. Überzeugt sei er jedenfalls davon, dass man nur gemeinsam eine Chance habe, die Bürgermeisterwahl gegen die CDU zu gewinnen. In diese Kerbe schlägt auch Dieter Goerke, Fraktionschef von Aktiv für Coesfeld/Familienpartei, im Stadtrat: „Je mehr Kandidaten aufgestellt werden, umso einfacher wird es für den Bewerber der CDU.“ | Kommentar

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