Rund 450 Teilnehmer bei Demonstrationszug durch die Innenstadt
Klimaschützer zeigen Politik rote Karte

Coesfeld. Es geht um ein ernstes Thema – aber die Stimmung im Demonstrationszug, der sich um kurz nach 14 Uhr vom Bahnhof aus in Bewegung setzt, ist fröhlich. Rund 450 Menschen aller Altersstufen sind dabei. Sie tanzen, singen und lachen bei mehreren Stopps. So macht der von der Polizei begleitete Zug zweimal mitten auf großen Straßenkreuzungen halt – am Gerichtsring bei der Kreishandwerkerschaft und an der Holtwicker Straße bei der Bürgerhalle. „Hejo, macht die Straße frei, mit dem Rad bin ich sofort dabei“, singen sie „Vorsängerin“ Eliza Diekmann, einer der Organisatoren der Coesfelder „Parents for Future“, nach. Die Autofahrer, die mehrere Minuten lang nicht weiterkommen, bleiben gelassen. „Find ich gut, dass die das machen“, sagt ein älterer Herr, der interessiert die Scheibe herunterkurbelt. „Unsere Generation hat da wirklich einen Scherbenhaufen angerichtet.“

Samstag, 30.11.2019, 10:36 Uhr aktualisiert: 30.11.2019, 15:00 Uhr
Rund 450 Teilnehmer bei Demonstrationszug durch die Innenstadt: Klimaschützer zeigen Politik rote Karte
Mit fantasievoll gestalteten Plakaten beteiligen sich auch ganze Familien an dem Demonstrationszug. Foto: az

Schon zum Auftakt am Bahnhof gehen die Teilnehmer zum ersten Mal in die Hocke (zum Hinsetzen ist es definitiv zu kalt), um rote Karten in die Höhe zu halten. Die sind an die Politik adressiert, wie mehrere Redner unmissverständlich deutlich machen. Der Dülmener Tim Schreiber, der gerade zum dritten Mal Vater geworden ist, rechnet vor, dass die CO2-Dichte in der Atmosphäre bei seiner eigenen Geburt noch bei 338 ppm lag, bei seinem jüngsten Spross nun bei 410. „Wir fordern entschlossenes Handeln“, ruft er, kritisiert das „Klimapaketchen der Bundesregierung“ als „lächerlich“ und verspricht den Politikern, „dass sie später einmal daran gemessen werden, was sie getan haben“. Der 17-jährige Pascal Sträter aus Dülmen bezeichnet die Antwort der Großen Koalition auf die Klima-Frage sogar als „Schlag ins Gesicht und eine Beleidigung für jeden von uns.“ Die 16-jährige Alketa Rafshi aus Dülmen analysiert, dass „solange die Gier über die Vernunft regiert“ wohl nichts passiert: „Eure Gier ist so groß, dass sogar die Kinder mehr Vernunft haben und ihre Bildung vernachlässigen, um dem Problem in die Augen sehen zu können“, hält sie der Gesellschaft den Spiegel vor.

Eliza Diekmann erzählt, dass man lange überlegt habe, ob man Schweigeminuten fürs Klima abhält – dann habe man sich aber anders entschieden. „Coesfeld hat schon zu lange geschwiegen, ab heute sind wir laut“, ruft sie den Teilnehmern zu, die laut applaudieren, Pfeifen und Trommeln ertönen lassen.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, rufen die Demonstranten, während sie durch die Stadt bis zum Marktplatz ziehen. Dort wartet auf einer offenen Lkw-Ladefläche die Band „Pommes-Connection“ von Haus Hall, um der Demo zum Abschluss noch einmal einen richtigen Feier-Kick zu geben.

„Ich bin glücklich“, freut sich Eliza Diekmann über die Resonanz auf die Demo und deren friedlichen Verlauf. „Das war ein guter Anfang“, meint sie strahlend. Aber jetzt müsse es weitergehen. „Die Erde darf sich nicht mehr als 1,5 Grad erwärmen.“ Die „Parents“ wollten weiter eine ambitionierte Klimapolitik einfordern – auch in Coesfeld – und jeden Einzelnen zum Umdenken bewegen. Sie unterstreicht: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

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