Interview mit Altbürgermeister Vennes zur Zusammenlegung von Coesfeld und Kirchspiel
„Wie ein Kragen um die Stadt“

Coesfeld. Vor gut 50 Jahren erfolgte der Zusammenschluss der Stadt Coesfeld mit dem Umland, dem sogenannten Kirchspiel. In dieser Woche erinnerte die Stadt daran im Rahmen einer Feierstunde (wir berichteten). Josef Vennes (91) hat Ende der 60er-Jahre diesen für die Stadtentwicklung so wichtigen Schritt maßgeblich mitgestaltet. Vennes war vor dem Zusammenschlusses in der CDU-Fraktion der Gemeindevertretung des Kirchspiels aktiv. Anschließend war er zunächst stellvertretender Bürgermeister Coesfelds, bis der damalige Amtsinhaber Lesting sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste. Josef Vennes wurde daraufhin im Jahr 1971 zum Bürgermeister gewählt und bekleidete das Amt 22 Jahre lang. Das Interview gab er unserem Mitarbeiter Uwe Goerlich.

Sonntag, 01.12.2019, 16:42 Uhr
Interview mit Altbürgermeister Vennes zur Zusammenlegung von Coesfeld und Kirchspiel: „Wie ein Kragen um die Stadt“
Altbürgermeister Josef Vennes: „Vom Zusammenschluss profitierten sowohl die Bürger der Stadt als auch des Kirchspiels.“ Foto: Archiv

Zunächst einmal eine Frage an Sie als Altbürgermeister und ehemaligen Vorsitzenden des Heimatvereins: woher kommt eigentlich der Name Kirchspiel und was bedeutet er?

Vennes: Kirchspiel-Gemeinden setzen sich aus den vielen Bauernhöfen zusammen, die einem städtischen Kirchort umfassten. In Coesfeld waren es die Lamberti- und die Jakobi-Kirche. Der Name Kirchspiel weist auf die enge Verbindung der Landbevölkerung mit der Pfarrkirche hin.

Wie wurde der Zusammenschluss formal begangen?

Vennes: Zunächst trugen Vertreter der Landes- und Bezirksregierung uns die große Bedeutung der kommunalen Neuordnung vor. Kirchspielgemeinden hätten keine Chance mehr, selbstständig zu bleiben. Unsere Kirchspielgemeinde sitze wie ein fester Kragen um die Stadt und nehme ihr die Möglichkeit der positiven Entwicklung, sowohl bei der Planung von Gewerbegebieten als auch bei der Neuregelung des Verkehrs. Unser Gemeinderat stimmte zu, dass nun Gespräche mit der Stadt Coesfeld geführt werden sollten. Gemeindedirektor Drerup und Bürgermeister Lesting erhielten den Auftrag vom Gemeinderat, bald damit zu beginnen und dem Gemeinderat darüber zu berichten. Natürlich gab es auch Punkte, bei denen man nicht sofort zu dem gewünschten Ergebnis kam.

Gab es womöglich sogar persönliche Anfeindungen derjenigen, die gegen den Zusammenschluss waren?

Vennes: Es gab keine persönlichen Anfeindungen. Auch die politischen Parteien spielten dabei eine positive Rolle. Es wurden wichtige Vorschläge gemacht, wie es gemeinsam weitergehen soll, zum Beispiel bei der Verteilung von Aufgaben und Ämtern.

Was war die größte Herausforderung für die Zusammenlegung?

Vennes: Natürlich der Verlust der Selbstständigkeit. Darum wollten wir, dass folgende Punkte in der größeren Gemeinde beachtet werden: eine gute Ausstattung der neuen Landschulen mit Lehr- und Lernmitteln, der Fortbestand der Baukolonne für die Instandhaltung der Wirtschaftswege, eine weiterhin gute Versorgung der Siedlungsgebiete Goxel und Brink sowie der Fortbestand der Feuerwehr, dem dann auch Rechnung getragen wurde.

Warum war Ihnen denn der Fortbestand der Kirchspiel-Feuerwehr, dem heutigen Zug 2, so wichtig?

Vennes: Brände in Bauerschaften mit deren starker landwirtschaftlichen Prägung erfordern im Brandfall besondere Kenntnisse und Maßnahmen. Denken Sie zum Beispiel an den Umgang mit Tieren in so einer Lage.

Welches Fazit ziehen Sie heute zur Zusammenlegung?

Vennes: Ich meine die Entscheidung vor 50 Jahren war richtig. In einem öffentlich-rechtlichen Vertrag wurden beide, Stadt und Kirchspiel Coesfeld, zusammengeschlossen. Sechs Jahre vor der endgültigen kommunalen Neuordnung konnte die Stadt nun wichtige Planungsziele realisieren. Davon profitierten auch die Bewohner des nun ehemaligen Kirchspiels. Mit der Eingemeindung von Lette im Jahr 1975 war auch für Coesfeld die Neuordnung abgeschlossen.

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