Kulturausschuss vertagt Entscheidung erst einmal auf Februar
Zukunft des Puppenmuseums ungewiss

Coesfeld. Bauchschmerzen haben eigentlich alle. Die Verwaltung. Die Politiker. Alle bekundeten in der jüngsten Kulturausschusssitzung den hohen Respekt, den sie vor der ehrenamtlichen Arbeit, vor dem großen Herzblut haben, mit dem das Ehepaar Langehanenberg und ihr Verein das Puppen- und Spielzeugmuseum an der Walkenbrückenstraße führen, das sie selbst aufgebaut haben. Aber dann ist da das „aber“, das in den Wortbeiträgen mehr oder weniger vernehmlich vorkommt. Der Verein kann das Museum auf Dauer nicht mehr ehrenamtlich führen, hat zunächst um eine „Ausfallbürgschaft“ gebeten. Die Stadt soll es in einigen Jahren dann ganz übernehmen. Aber die hat sich selbst Regeln gesetzt, welche museale Arbeit sie fördern kann und will – und da passt das Puppen- und Spielzeugmuseum eigentlich nicht hinein, wie Museumsleiterin Dr. Kristina Sievers-Fleer im Ausschuss erläuterte. Ein Knackpunkt aus ihrer Sicht: Nur wenige Ausstellungsstücke hätten einen lokalen Bezug zu Coesfeld.

Donnerstag, 12.12.2019, 10:38 Uhr
Kulturausschuss vertagt Entscheidung erst einmal auf Februar: Zukunft des Puppenmuseums ungewiss
Das Puppen- und Spielzeugmuseum ist im Erdgeschoss der Stadtbücherei beheimatet. Der Verein möchte die Stadt dazu gewinnen, es auf Dauer zu übernehmen. Aber die Verwaltung lehnt das ab. Die Politiker wollen nun noch mal überlegen, ob und wie es doch gehen könnte. Foto: Archiv

Es geht im Kern ums Geld. „Das ist ja mehr als eine Schlüsselübergabe, die da stattfinden würde“, erklärte die Fachfrau. Um das Museum, dessen Besucherzahlen sinken, attraktiv zu halten, müsste investiert werden. Eine Neukonzeption bezifferte sie mit 200 000 Euro. 78 510 Euro kämen jährlich für Personal dazu. Zahlen, die Bernd Langehanenberg im Namen des Vereinsvorstands in einem Schreiben an die Kulturausschussmitglieder so nicht stehen lassen will: „Das Museum trägt sich selbst und schreibt schwarze Zahlen.“ Auch den lokalen Bezug bewertet der Verein anders: Kern der Sammlung seien heute nicht mehr die als Grundstock gestifteten 190 Puppen der Sammlerin Hedwig Janning, sondern viele in 15 Jahren hinzugekommene Exponate: darunter mehr als 90 historische Puppenstuben, wovon die meisten aus dem Münsterland, 52 aus Coesfeld stammen – und vieles mehr.

Die Verwaltung argumentierte auch, dass das Puppen- und Spielzeugmuseum in Coesfeld kein Alleinstellungsmerkmal habe, weil es vergleichbare Einrichtungen im Umfeld gebe. Aber auch das sieht der Verein anders. Wirklich Vergleichbares gebe es anderswo nicht.

Mittendrin in der Auseinandersetzung: die Politiker. Sie taten sich sichtlich schwer, einen Beschluss zu fassen, dem Verein einen Korb zu geben. Heinz Volmer (Pro Coesfeld) verstand nicht, warum die Verwaltung nur Punkte aufgelistet habe, die gegen eine Übernahme sprechen. Er sieht durchaus „einen Coesfelder Bezug“ in der Sammlung. Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld/Familie) sah andererseits bei einem „Ja“ Tür und Tor für Anträge anderer Museen geöffnet, die man dann auch übernehmen müsste. Irmgard Potthoff plädierte dafür, „das nicht rigoros abzulehnen, sondern das Signal zu geben, dass wir das unterstützen wollen“. „Es wäre schade, wenn wir dieses Angebot nicht mehr hätten“, meinte auch Inge Walfort (SPD). Stadtbaurat Thomas Backes warnte vor den Folgen einer Übernahme: „Sie übernehmen dauerhaft eine Verpflichtung.“ Bernd Rengshausen (CDU) regte schließlich an, das Thema auf die Februar-Sitzung zu vertagen. Bis dahin sollen alle nochmal überlegen, wie sie gehen könnte, die vermeintliche Quadratur des Kreises. Einstimmig wurde das beschlossen.

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