SPD reagiert auf Ladenleerstände und verändertes Kaufverhalten
Stadt soll 50 000 Euro für Gutachten ausgeben

Coesfeld. Mit einem Paukenschlag hat die SPD-Fraktion jetzt kurz vor der Ziellinie in der nächsten Woche nochmal Bewegung in die Beratungen über den Haushalt der Stadt für 2020 gebracht. Sie beantragte 50 000 Euro für ein neues Einzelhandelsgutachten. „Wir haben deutliche Veränderungen im Handel“, erläuterte der stellvertretende Fraktionssprecher Thomas Stallmeyer im Haupt- und Finanzausschuss den Vorstoß seiner Partei. Er verwies auf die zunehmenden Laden-leerstände in der Innenstadt (nach einer Untersuchung unserer Zeitung rund 20) und auch auf weitere Herausforderungen: Aktuell hat die Stoffzentrale, die von der Süringstraße weg muss, Probleme, eine neue (bezahlbare) Bleibe zu finden. Sie möchte gerne zur Dülmener Straße, darf da aber nicht hin, weil ihre Kurzwaren innenstadtrelevantes Sortiment darstellen (wir berichteten). „Die Liste muss überarbeitet werden. Da ist eine Anpassung erforderlich“, meinte Stallmeyer. Das letzte Einzelhandelskonzept mit den entsprechenden Festlegungen stammt aus dem Jahr 2011.

Freitag, 13.12.2019, 19:20 Uhr aktualisiert: 14.12.2019, 10:22 Uhr
SPD reagiert auf Ladenleerstände und verändertes Kaufverhalten: Stadt soll 50 000 Euro für Gutachten ausgeben
Im Rahmen des Einzelhandelsgutachtens soll auch die Liste der Sortimente überarbeitet werden, die zum Schutz der City nur dort und nicht am Stadtrand angeboten werden dürfen. Foto: Detlef Scherle

Für die Verwaltung räumte 1. Beigeordneter Thomas Backes ein, dass nach acht bis neun Jahren tatsächlich eine Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes angezeigt sei. Er erinnerte aber auch daran, dass im kommenden Jahr ein neues Mobilitätskonzept für die Stadt aufgestellt werden soll – „und zwei so große Projekte nebeneinander kann ich mir nicht vorstellen“. Das würde die Verwaltung, aber auch die Bürger, die ja aktiv beteiligt werden sollen, überfordern, meinte er. Außerdem seien im September nächsten Jahres Kommunalwahlen.

Doch das wollten weder Stallmeyer noch Gerrit Tranel, 2. stellvertretender CDU-Fraktionssprecher, so stehen lassen. „Einzelhandel und Mobilität – müssen wir das nicht gemeinsam denken?“ fragte Tranel. Er plädierte dafür, beide Konzepte zusammen anzugehen. 2020 könnten dann die Vorbereitungen getroffen werden – und die Umsetzung 2021 erfolgen. Die 50 000 Euro sollten auf jeden Fall schon mal in den Haushalt 2020 eingestellt werden.

„Herr Tranel hat mir aus dem Herzen gesprochen“, meinte als Dritter im Bunde Robert Böyer von Pro Coesfeld, der schon einen passenden Begriff parat hatte: „Wir machen ein City-Konzept daraus.“ Auch Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld/Familie) konnte dem etwas abgewinnen: „Beides bedingt sich gegenseitig.“ Er sprach sich aber dafür aus, nichts zu überstürzen

Bedenken von Backes, dass das alles im Wahljahr 2020 ungünstig sein könnte, wiesen mehrere Politiker zurück: „Der Bürger kann von uns erwarten, dass es kontinuierlich weitergeht. Auch im Wahljahr“, meinte Thomas Stallmeyer. Und: „Wir sollten keine Angst vor den Bürgern haben, wenn wir wichtige Themen haben, die die Zukunft betreffen“, appellierte CDU-Fraktionschef Richard Bolwerk an die Kollegen im Stadtrat, keine Rücksicht auf Wahlkampfzeiten zu nehmen. Er sieht sogar positive Effekte: „Das bringt uns eine hohe Wahlbeteiligung.“

Zum Schluss waren sich alle einig. Es wurde beschlossen, 50 000 Euro in den Haushalt einzustellen und beide Konzepte parallel anzupacken. | Kommentar

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