„Himmlische Nacht der Tenöre“ in der Bürgerhalle
Zwischen Schmelz und Schmettern

Coesfeld. Zwei Weihnachtsbäume erstrahlen rechts und links der Bühne im Lichterglanz und sorgen für festliche Atmosphäre, als die Töne von Bachs berühmter „Air“ leise wie Schneeflocken durch die Bürgerhalle schweben. Ein vielversprechender Instrumental-Auftakt zur „Himmlischen Nacht der Tenöre“, mit der rund 150 Besucher am abend des zweiten Weihnachstages das Fest ausklingen lassen möchten.

Freitag, 27.12.2019, 20:00 Uhr
„Himmlische Nacht der Tenöre“ in der Bürgerhalle: Zwischen Schmelz und Schmettern
Sangen solo und gemeinsam: die drei Tenöre (v.l.) Georgios Filadelfefs, Andreas Mitschev und Aleksandar Krunev. Foto: Ulrike Deusch

Das Programm liest sich wie ein „Best of“ italienischer Opern und bekannter Canzoni – passend zum Anlass ergänzt durch festlich-weihnachtliche Klassiker. Auftritt: die drei Tenöre. Keine Frage – die beiden bulgarischen Opernsänger Andreas Mitschev und Aleksandar Krunev und ihr griechischer Kollege Georgios Filadelfefs sind immer dann am besten, wenn sie gemeinsam singen: feierlich „Panis angelicus“ von César Franck, innig das „Ave Maria“ von Bach/Gounod und augenzwinkernd die Canzone „Mamma“, 1940 von Cesare Andrea Bixio komponiert, die Moderatorin Zoya Balkandzhieva schon in ihrer Ankündigung neu verortet. Richtig: Heintje und die 70er Jahre lassen grüßen. Besonders viel Spaß macht dem Publikum ein kleiner Sängerwettstreit unter den drei Tenören zu „Santa Lucia“. Wer tönt am vollsten, wer verbreitet den innigsten Schmelz? Hier kommen die drei Tenöre ihren großen Vorbildern Placido Domingo, Luciano Pavarotti und Jose Carreras vielleicht am nächsten. Und im berühmten Duett aus Verdis Oper Don Carlo „Dio che nell alma infondere“. Dafür gibt’s denn auch donnernden Applaus.

Dass die gleiche Stimmlage ganz verschieden gefärbt sein kann, lassen die Tenöre in ihren Solo-Auftritten hören. Da werden Unterschiede in Umfang und Volumen deutlich, klingt mal der Heldentenor und mal die lyrische Stimme durch. Kraftvoll schmettert Aleksandar Krunev „Mattinata“ von Leoncavallo, „Core n’grato“ lässt Andreas Mitschev das „undankbare Herz“ schmelzen, sanft singt Georgios Filadelfefs in Schuberts „Wiegenlied“ das Knäblein in den Schlaf.

Mit „Bravo-Rufen“ dankt das Publikum den drei Tenören – und dem großartigen Ensemble aus zwei Violinistinnen, einer Cellistin und einer Pianistin, die in mehreren Instrumental-Zwischenspielen und vor allem mit Vittorio Montis bekanntem „Csardas“ Lust auf ein eigenes Programm machen.

So eine richtig himmlische Nacht wird das Konzert mit den drei Tenören dann aber doch nicht, denn, wie sagt eine ältere Zuschauerin im dicken Mantel treffend: „Sie singen ja schön, wenn es nur nicht so kalt wäre.“ Und dass sie in der Pause keine Getränke bekommen können, gefällt vielen Besuchern auch nicht. Das hätte man sich für eine himmlische Nacht anders gewünscht.

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