Ein Besuch im Puppen- und Spielzeugmuseum
Coesfelder Geschichte im Miniaturformat

Coesfeld. Dem „Stabil-Metallbaukasten“ aus den 40er Jahren liegt ein Zettel bei. „Da steht, dass die Reifen zu dem Wagen fehlen“, berichtet Bernd Langehanenberg. Die seien als kriegswichtiges Material beschlagnahmt worden. Aber nach dem Krieg, so kündigt die Firma Walther & Co. an, würden diese gegen Vorlage des Gutscheins nachgeliefert. Auf den ersten Blick sind es nur Puppen und Spielzeug, die im gleichnamigen Museum an der Walkenbrückenstraße zu sehen sind. Aber bei einer Führung durch das Ehepaar Langehanenberg wird schnell klar, dass im ehemaligen Wohnhaus der Brauerei-Familie Dieninghoff (an der Stadtbücherei) seit nunmehr 15 Jahren nicht nur die Geschichte des Spielens anschaulich gemacht, sondern Geschichte spielerisch lebendig wird. Nicht nur beim Baukasten.

Montag, 30.12.2019, 14:34 Uhr
Ein Besuch im Puppen- und Spielzeugmuseum: Coesfelder Geschichte im Miniaturformat
Ein Blick in die ehemalige Schusterei Lablans: Der Coesfelder Konrad Werner hat zahlreiche Original-Handwerkerstuben en miniature geschaffen, die im Museum zu sehen sind. Foto: az

Ein kleiner Verein hat die Sammlung aufgebaut, für die Celluloidpuppen einer Osterwicker Sammlerin den Grundstock bildeten. Mittlerweile haben sich die Ausstellungsobjekte vervielfacht. 90 historische Puppenstuben zeigen, wie das Leben in verschiedenen Epochen aussah. Marlene Langehanenberg zeigt auf eine mit einem kleinen Weihnachtsbaum, in der Puppen brav auf mit viel Liebe zum Detail gearbeiteten Möbeln sitzen – der Vater im bequemsten Sessel. „Das ist eine gute Stube aus dem Münsterland“, erzählt sie.

In einem „Haus“ im zweiten Raum des Museums gibt es ganz viele Fenster, die Blicke in Original-Handwerkerstuben eröffnen. Der Coesfelder Konrad Werner hat sie in den 70er Jahren geschaffen. Sie sind einmalige Zeugnisse alter Handwerkskunst. Da findet sich unter anderem der Keller der noch heute existenten Weinhandlung Dieninghoff, aber auch die ehemalige Schmiede Kemper aus der Süringstraße. Und die Werkstatt von Schuster Lablans an der Umflut. Coesfelder Geschichte im Miniaturformat. „Viele Ältere entdecken hier etwas wieder, das sie aus ihrer Kindheit kennen“, berichtet Marlene Langehanenberg.

Mehr als 50 000 Besucher hat das kleine, ehrenamtlich geführte Museum seit 2004 schon gehabt. Der Zuspruch ist nach wie vor groß. Die weitgereistesten Besucher? Da muss Marlene Langehanenberg nicht lange überlegen: „Eine 20-köpfige Gruppe kam aus Australien.“ Aber auch aus La Reunion waren schon Menschen im Museum. Regelmäßig können sie zudem Besucher aus den Niederlanden, England und Frankreich begrüßen. Über 510 Gruppen haben sie schon durchs Museum geführt. Wer so eine Führung schon mal mitgemacht hat, weiß, mit welcher Hingabe und ansteckender Freude die Museumsmacher von ihren Schätzen erzählen.

Die Langehanenbergs leben für das Museum – weit über 70 Prozent des Inventars sind ihre Leihgaben. Und sie geben das Wissen darüber gerne weiter – Wissen, das die Objekte allein oder Texttafeln gar nicht so eindrücklich vermitteln könnten. Manches haben sie auf Reisen entdeckt und mitgebracht wie eine Puppe aus Ägypten. „Solche wurden den Herrschern vor 4000 Jahren mit ins Grab gelegt“, berichtet Langehanenberg.

Weil sie die 70 schon überschritten haben und es im Verein keinen Nachwuchs gibt, wollen die Langehanenbergs die Sammlung gerne mittelfristig der Stadt übergeben. Doch die Verwaltung tut sich schwer damit, das Geschenk anzunehmen und das Museum weiterzuführen. Sie warnt vor hohen Folgekosten. Die Politik hat das Thema erst einmal auf Februar vertagt (wir berichteten). | Kommentar

7 Öffnungzeiten: Mi., Sa. und So. von 14.30 bis 17.30 Uhr. Neujahr geschlossen. Eintritt frei, Spenden erwünscht. Führungen: Tel. 02541 / 70912 (3 Euro, mind. 30 Euro pro Gruppe). | www.puppenmuseum-coesfeld.de

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