Ein Jahr mit Fitnesstracker – ein Erfahrungsbericht
Motiviert vom Fortschritt

Coesfeld. Es gibt Vorsätze, die entstehen in der Silvesternacht aus einer Sektlaune heraus und sind mit dem Kater am Neujahrsmorgen bereits wieder verflogen. Und dann gibt es Vorsätze, die entstehen erst im Laufe der Zeit mit einer Serie kleiner Erfolge, die man dann nicht abreißen lassen will. Ein solcher Vorsatz ist im Laufe der vergangenen zwölf Monate durch meinen Fitnesstracker entstanden. Am Ende des Jahres zeigt die Bilanz: Ich habe es an jedem einzelnen Tag geschafft, mehr als 10 000 Schritte und insgesamt über 4400 Kilometer zurückzulegen, was fast der Ost-West-Ausdehnung der USA entspricht. Doch was macht dieser Mini-Computer am Arm mit seinem Träger und wie wirkt er sich auf den Alltag aus?

Dienstag, 31.12.2019, 10:50 Uhr
Ein Jahr mit Fitnesstracker – ein Erfahrungsbericht: Motiviert vom Fortschritt
Der 18-Kilometer-Hindernislauf der Mud Masters war der zweitaktivste Tag des Jahres – Ganzkörpermuskelkater inklusive. Foto: Manuel Schmidt

Da es die verschiedensten Modelle gibt und nicht der Eindruck von Schleichwerbung entstehen soll, nur so viel zur Technik: Es handelt sich um ein schlichtes staub- und wasserdichtes Armband ohne Display, ohne GPS und ohne Herzfrequenzmesser. Nur die Basisdaten wie Schritte, Strecke, sportliche Aktivität (hier jedoch sogar die Anzahl der Bahnen beim Schwimmen) und der Schlaf werden nachgehalten. Alle 2500 Schritte leuchtet ein weiteres der fünf Lämpchen, bis das Tagesziel von 10 000 Schritten erreicht ist. Wer den genauen Zwischenstand wissen will, muss in die synchronisierte App schauen.

Immer wieder merke ich, wie ich während des Tages auf das Armband tippe, um im wahrsten Wortsinn den Fortschritt zu überprüfen. Wenn ich nach der Arbeit noch nicht am Ziel bin, gehe ich anschließend abends noch eine Runde joggen oder spazieren. Ende Januar sieht die erste Bilanz schon positiv aus: jeden Tag das Schrittziel erreicht. So kann es weitergehen – und so geht es auch weiter, von Monat zu Monat. Ich fange an, in der Mittagspause größere Runden spazieren zu gehen, um eventuell schon während der Arbeitszeit das Ziel zu erreichen, gehe vier bis fünf Mal die Woche joggen (circa 5,5 km) und zwei bis dreimal 40 Bahnen schwimmen. Denn – auch das hält der Tracker nach – eine wöchentliche Serie sportlicher Aktivitäten. Fairerweise würde es aber schon reichen, jeden Tag mindestens zehn Minuten am Stück spazieren zu gehen.

Ich merke, wie der Bewegungsdrang im Laufe des Jahres steigt und ich den Sport als Gewohnheit in den Alltag integriere. Ich merke aber auch, dass es ich stellenweise übertreibe. Beispiele gefällig? Zweimal fällt der Akku des Armbands bereits morgens bei der Arbeit aus. Erst abends zu Hause kann ich ihn wieder laden. Um jetzt noch auf das Schrittziel zu kommen, muss ich die größere Runde (10 Kilometer) joggen – und das einmal im Schneetreiben und einmal im strömenden Regen – bescheuert! Und wenn ich direkt nach der Arbeit zu einer Veranstaltung muss und nicht sicher sein kann, die 10 000 Schritte zu schaffen, gehe ich morgens vor der Arbeit joggen. Auch das wäre mir früher nie passiert. Zwar bin ich auch vorher schon selten Kurzstrecken mit dem Auto gefahren und habe stattdessen das Rad genommen. Doch auch das steht sich regelmäßig im Schuppen platt – weil ich die meisten Strecken bis zwei Kilometer jetzt laufe. Und noch eine Erkenntnis: Die aktivsten Wochen des Jahres sind die, in denen ich Urlaub habe. Das Fitnesslevel steigt spürbar. Mein Part beim Münster-Staffel-Marathon (zehn Kilometer) mit meinen Kollegen schaffe ich in 45 Minuten und selbst der Hindernislauf über 18 Kilometer bei den Mud Masters zwei Wochen später bereitet mir doch weniger Probleme als erwartet.

Gesundheitlich hat sich das Ganze durchaus positiv ausgewirkt: Ich merke meine zwei Bandscheibenvorfälle überhaupt nicht mehr und war in diesem Jahr nicht einmal krank. Fortsetzung erwünscht. Doch vielleicht sollte ich es im nächsten Jahr etwas gemächlicher angehen lassen. Denn Sport zur Gewohnheit zu machen ist das Eine. Doch wenn beim drohenden Nichterreichen des Schrittziels eine innere Unruhe aufkommt, sollte ich vielleicht zur Entspannung für 2020 doch pro Monat einen Joker-Tag einbauen – sofern sich die Motivation des Fortschritts nichts wieder verselbstständigt.

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