Über 1200 Unterschriften für Ansiedlung an der Dülmener Straße
Bürger geben Stoffzentrale Rückenwind

Coesfeld. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Zum 31. März müssen die Stoffzentrale und der Bastelladen Hobby + Heim im ehemaligen Hageböck-Gebäude ihre Ladenlokale geräumt haben. Danach erfolgt der Abriss des sogenannten „Weißen Riesen“. Doch wohin die Umzugskartons der beiden Unternehmen geschickt werden, ist derzeit noch offen. Wie berichtet, würde sich die Stoffzentrale gerne an der Dülmener Straße ansiedeln. Die Stadt will das Geschäft allerdings wegen seines Sortiments in der Innenstadt halten. „Wir haben dagegen eine Unterschriften-Aktion gestartet, die wir bald dem Bürgermeister übergeben wollen“, sagt Stoffzentrale-Geschäftsführer Klemens Niehoff auf Anfrage unserer Zeitung. Und diese Aktion findet in der Bürgerschaft breite Unterstützung, wie die bereits gesammelten über 1200 Unterschriften zeigen.

Freitag, 10.01.2020, 10:42 Uhr
Über 1200 Unterschriften für Ansiedlung an der Dülmener Straße: Bürger geben Stoffzentrale Rückenwind
Mit ihrer Unterschrift unterstützt Kundin Maria Hesker (r.) die Forderung der Stoffzentrale nach einer Satzungsänderung, um sich an der Dülmener Straße ansiedeln zu dürfen. Die Mitarbeiterinnen (v.l.) Maria Stauvermann und Marita Vormann haben schon 1200 Unterstützer gewonnen. Foto: Florian Schütte

So auch Maria Hesker. „Ich finde, das ist eine Frechheit und logisch ist es auch nicht“, entrüstet sich die Kundin, nimmt einen Stift und setzt ihre Unterschrift auf eine der ausgelegten Listen. „Mitte Dezember haben wir mit der Aktion begonnen“, informiert Maria Stauvermann. „Die Leute können das gar nicht verstehen“, sagt die Mitarbeiterin der Stoffzentrale. Auch Silke Hohmann fürchtet um ihren Nähkurs, der regelmäßig vor Ort stattfindet. „Die Teilnehmer sind alle sehr traurig und würden gerne weitermachen“, sagt die Kursleiterin. „An der Dülmener Straße könnte der Kurs fortgeführt werden.“ Und Mitarbeiterin Marita Vormann meint: „Man müsste die Satzung nach fast zehn Jahren mal anpassen.“ Gemeint ist das Einzelhandels- und Zentrenkonzept aus dem Jahr 2011 mit seiner innenstadtrelevanten Sortimentsliste. Diese weist ganz klar Geschäfte mit Kurzwaren im Hauptsortiment als „zentrenrelevant“ aus.

Doch die Sache ist weitaus komplexer, wie Andrea Zirkel erklärt. „In einem ersten Schritt müsste die Stadtentwicklungssatzung geändert werden und in einem zweiten Schritt auch der Bebauungsplan an der Dülmener Straße“, so die Pressesprecherin der Stadt Coesfeld. Denn in diesem sei festgeschrieben, welche Händler sich dort ansiedeln dürfen. Jetzt eine Ausnahme für ein Unternehmen zu machen und sich damit über geltendes Recht hinwegzusetzen, würde einen Präzedenzfall schaffen.

Auch der Bastelladen von Rudolf Eismann müsse mit seinem Sortiment in der Innenstadt bleiben. „Wir konnten noch nicht zu einer Entscheidung kommen“, sagt der Geschäftsführer. Doch auch für ihn steht fest, dass er sein Geschäft noch nicht aufgeben und gerne weitermachen möchte. Er sei weiter auf der Suche nach einem geeigneten Ladenlokal und habe auch schon etwas ins Auge gefasst. Eine konkrete Entscheidung dazu werde voraussichtlich in den kommenden Wochen fallen.

In der jüngsten Ratssitzung hatten die Mitglieder nach einem Antrag der SPD-Fraktion einstimmig beschlossen, 50 000 Euro in den Haushalt für 2020 einzustellen, um neue Konzepte für den Einzelhandel und Mobilität zu entwickeln. Für die Stoffzentrale und Hobby + Heim dürften diese Konzepte jedoch zu spät kommen.

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