Sozialpunkt des Caritas-Netzwerks St. Lamberti vor zehn Jahren gestartet
3000 Mal Hilfe hinter der „Offenen Tür“

coesfeld. Wenn jemand eine neue Brille braucht, aber das nötige Geld dafür fehlt. Wenn ein Kind auf Klassenfahrt mitfahren möchte, aber die Eltern zu knapp bei Kasse sind. Wenn der Versorger den Strom abgestellt hat, weil Rechnungen nicht bezahlt werden können oder jemand seine Post vom Jobcenter nicht versteht. In solchen und zahllosen anderen Fällen dieser Art sind sie da: die Helfer der „Offenen Tür“ am Lambertiplatz. Vor genau zehn Jahren hat das Caritas-Netzwerk St. Lamberti diesen „Sozialpunkt“, wie er offiziell heißt, eröffnet – und seitdem in rund 3000 Fällen Menschen beraten und geholfen – komplett finanziert aus Spenden.

Dienstag, 04.02.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 05:02 Uhr
Sozialpunkt des Caritas-Netzwerks St. Lamberti vor zehn Jahren gestartet: 3000 Mal Hilfe hinter der „Offenen Tür“
Engagieren sich für Menschen in Notlagen: (v.l.) Ulrike Fascher und Veronika Wessling vom Caritas-Leitungsteam, die ehrenamtliche Mitarbeiterin Waltraud Beermann und Hildegard Dargel vom Leitungsteam. Foto: Ulrike Deusch

„Anfangs hatten wir zweimal wöchentlich geöffnet, aber wir haben schnell gemerkt, dass das nicht ausreicht“, sagt Veronika Wessling, Teamsprecherin des Caritas-Netzwerks. Jetzt sind die 32 ehrenamtlichen Mitarbeiter in kleinen Teams dreimal pro Woche vor Ort und öffnen nicht nur die Tür, sondern auch Ohren, Herzen und im Notfall den Geldbeutel, um Ratsuchenden beizustehen. „Neutral und anonym“, betont Veronika Wessling.

Die Anliegen, mit denen die Menschen durch die „Offene Tür“ kommen, sind sehr verschieden. Viele von ihnen sind in materieller Not – weil die staatliche Unterstützung nicht reicht oder bestimmte Bedürfnisse nicht abdeckt, weil Krankheit oder Verlust sie aus der Bahn geworfen haben oder weil sie einfach nicht gelernt haben, mit den vorhandenen Mitteln zu wirtschaften. Wenn möglich knüpfen die ehrenamtlichen Helfer Kontakte zu anderen Einrichtungen. Die Tafel, der Sozialdienst katholischer Frauen, das Sozialkaufhaus des DRK oder der Möbelladen der Kirchengemeinden sind enge Kooperationspartner. „Aber wir geben auch Gutscheine etwa für Lebensmittel aus“, so Wessling. Nur im Ausnahmefall bekommt jemand Bargeld. Dabei sind meist vergleichsweise kleine Summen schon eine große Hilfe.

Abgesehen von der materiellen Unterstützung bietet das Team auch Hilfe im Umgang mit Behörden, Versorgern oder dem Jobcenter an. „Das geht dann auch oft über die Sprechstunde hier vor Ort hinaus“, weiß Ulrike Fascher vom Leitungsteam.

Begleitung, Unterstützung, menschliche Nähe – das suchen viele ganz grundsätzlich in der „Offenen Tür“. „Es kommen auch Menschen her, die in ihrem sozialen Umfeld niemanden haben, mit dem sie einfach mal reden können“, berichtet Veronika Wessling. „Oft sind es Ältere oder Alleinstehende“, ergänzt Ulrike Fascher. Und auch da ist das Team so gut vernetzt, dass es unter Umständen weitergehende Hilfen organisieren kann.

Information, Wertschätzung und Motivation, die eigenen Probleme zu lösen – das ist es, was die Mitarbeiter der „Offenen Tür“ den Ratsuchenden geben möchten. „Wir haben schon erlebt, dass jemand Geld zurück gegeben hat, als er es wieder konnte“, berichtet Wessling. Einer hat mal einfach eine Blume auf den Tisch im Sozialpunkt gelegt – eine besondere Art Danke zu sagen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7237632?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947601%2F
Nachrichten-Ticker