Ausstellung „Vom Weggehen und Ankommen“ in der ehemaligen Synagoge eröffnet
Heimat auf drei Ebenen erschließen

Coesfeld. Mit ihren Protagonisten ist sie im ganz normalen Alltag ins Gespräch gekommen – beim Friseur oder auch im Bus – und ist dabei auf Lebensgeschichten gestoßen, die auf berührende Art und Weise von Flucht, Umsiedlung und Integration erzählen. Nun hat die Journalistin und Autorin Ulla Wolanewitz die Wanderausstellung „Vom Weggehen und Ankommen“, die sie mit Christian Wermert vom Kreisheimatverein zusammen konzipiert hat, nach Coesfeld in die ehemalige Synagoge gebracht. Dort ist sie noch bis zum 15. Februar zu sehen. Auch Führungen sind auf Anfrage möglich.

Samstag, 08.02.2020, 10:24 Uhr
Ausstellung „Vom Weggehen und Ankommen“ in der ehemaligen Synagoge eröffnet: Heimat auf drei Ebenen erschließen
Foto: az

Die Ausstellung, die auf Wolanewitz’ neuestem Buch „Sie sprechen aber gut Deutsch“ basiert, erschließt den Heimatbegriff multimedial auf drei Ebenen. Auf zehn Schautafeln sind die Schicksale der Betroffenen dargestellt. „Außerdem gibt es noch einen zehnminütigen Film von Susanna Wüstneck, der sechs weitere Schicksale zeigt“, erklärt Wolanewitz. „Und über die Biparcours-App können Schüler die Ausstellung im Nachgang anhand von 20 Fragen reflektieren“, sagt die Kreisheimatpreisträgerin. Und das komme besonders gut an. „Die Resonanz der Lehrer ist sehr gut“, weiß Wolanewitz aus Erfahrung mit der Ausstellung, die bereits in Billerbeck und Nottuln zu sehen war.

Nach dem musikalischen Auftakt durch Georg Hallekamp, Dorothe Stenneken und Joffrey Bondzio eröffnet der stellvertretende Bürgermeister Gerrit Tranel am Donnerstagabend die Ausstellung „an einem ganz besonderen Geschichtsort“, so Tranel über die ehemalige Synagoge. Die stellvertretende Landrätin Anneliese Haselkamp meint in ihrem Grußwort, die „Ausstellung regt zum Nachdenken über den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft an“.

In einer kleinen Talkrunde mit Ulla Wolanewitz, der Leiterin der Volkshochschule Dr. Mechtilde Boland-Theißen und Flüchtlingspatin Christiane Wermert fragt Moderatorin Dr. Kristina Sievers-Fleer näher nach den einzelnen Schicksalen, die die Ausstellung zeigt. Es sind Schicksale wie das der jungen Männer Arshad und Khudaida Mashko aus dem Nordirak, die auf ihrer Odyssee zehn Tage „ohne Wasser und Essen verbracht“ haben. Oder das einer Pakistani, die entführt und eingesperrt wurde und nach ihrer Befreiung außer Landes fliehen musste. Später hat sie erfahren, dass ihre Schwester Opfer eines Säureattentats wurde, das eigentlich ihr gegolten hatte. „Diese Last schleppt man dann wie einen Backstein mit sich herum“, berichtet Wolanewitz.

Nach einer weiteren musikalischen Einlage und der Vorführung des Films dürfen sich dann auch die rund 50 Gäste fragen, was Heimat für sie bedeutet. 7 Das Buch zur Ausstellung „Sie sprechen aber gut Deutsch“ sowie die beiden anderen Buchprojekte der Autorin Ulla Wolanewitz „Muckefuck und Möppkenbraut“ und „So wass dat“ sind in den Geschäftsstellen der Allgemeinen Zeitung auf Anfrage erhältlich.

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