Neue Klimaschutzmanagerin stellt ihre erste Prioritätenliste vor
Politiker drücken aufs Tempo

Coesfeld (ds). „Ich kann diese Form der Zukunftsmobilität jeden Tag testen“, lacht Julika Fritz. Die neue Klimaschutzmanagerin der Stadt, die sich jetzt im Umweltausschuss des Stadtrates vorstellte, wohnt in Münster. Täglich kommt sie mit der Bahn nach Coesfeld, um in Zusammenarbeit mit allen Abteilungen das von der Politik beschlossene Integrierte Klimaschutzkonzept umzusetzen. Wie sie erläuterte, soll die Förderung einer klima- und umweltfreundlichen Mobilität dabei eine besonders hohe Priorität bekommen. Sie will die Infrastruktur an Elektro-Ladestationen ausbauen und die Standorte über eine App anzeigen lassen. Car-Sharing, Mitfahrzentralen und On-demand-Verkehre sowie der Verleih von Lastenrädern seien weitere Bausteine. Vor allem aber will sie Radfahrern und Fußgängern den Rücken stärken und mit einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit dazu beitragen, dass immer mehr Menschen das Auto stehen lassen.

Sonntag, 16.02.2020, 17:32 Uhr
Neue Klimaschutzmanagerin stellt ihre erste Prioritätenliste vor: Politiker drücken aufs Tempo
Eine umweltfreundliche Mobilität möchte die Klimaschutzmanagerin fördern – jeden Tag kommt sie selbst mit der Bahn nach Coesfeld. Foto: az

Im Fokus ihrer Arbeit steht aber auch die Wirtschaft: Über ein Netzwerk „Gemeinsam für Coesfeld“ will Fritz möglichst viele Firmen informieren und motivieren, etwas für den Klima- und Umweltschutz zu tun – zum Beispiel indem sie sich am Projekt „Ökoprofit“ beteiligen. Sie wünscht sich auch, dass noch mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern das steuerbegünstigte Leasing von E-Bikes für die Fahrt zur Arbeit ermöglichen. Darüber hinaus schwebt ihr ein Projekt „nachhaltiges Gewerbegebiet“ vor – mit Kraft-Wärme-Kopplung und dem verstärkten Einsatz regenerativer Energien. „Ungenutzte Gewerbeflächen könnten entsiegelt und begrünt werden“, schlägt sie vor.

Im Blick hat sie auch private Hausbesitzer, die dafür gewonnen werden sollen, Potenzialanalysen durchzuführen, wo sie noch CO2 einsparen können. Bildung – in Schulen und Kindergärten – sieht sie als weiteres wichtiges Handlungsfeld. „Kinder können in einem Projekt zu Energiedetektiven ausgebildet werden“, hat sie eine Idee. Auch einen gemeinsamen Aktionstag der Schulen hat sie schon vor Augen: „Coesfeld wird bunt“ – mit Maßnahmen zum Insektenschutz wie dem Bau von Wildbienenhotels und der Aussaat von Blumen.

In etwas fernerer Zukunft sieht sie den Aufbau einer Klimaschutzsiedlung in Coesfeld sowie die Entwicklung von Klimaschutzzielen für die Bauleitplanung.

Das letztgenannte Thema erst 2021 bis 2023 anzupacken, hält Erich Prinz (Grüne) dagegen für „viel zu spät“. „Da sollten wir schneller handeln“, meinte auch Dieter Goerke (Aktiv für Coesfeld/Familie), während Wolfgang Kraska (FDP) davor warnte, den Menschen zu viele Vorschriften zu machen. Stadtbaurat Thomas Backes warb um Verständnis dafür, dass die Umsetzung des Klimaschutzpakets nur „schrittweise“ gehe. „Deswegen hat der Rat ja eine Prioritätenliste festgelegt.“ Die sei nun Grundlage für die Arbeit von Frau Fritz. Die Bauleitplanung sei auch „ein sehr komplexer Bereich, in den vieles hineinspielt – das kann Frau Fritz nicht allein“, hob er hervor. Bekanntlich fehlt gerade in der Bauabteilung der Stadt Personal.

Für die CDU stellte Gerrit Tranel die Frage, ob es sinnvoll sei, sich weiter am „European Energy Award“ zu beteiligen, wenn es dafür keine Fördermittel mehr gibt. Vor dem Hintergrund des steigenden Strombedarfs regte er an, in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken darüber nachzudenken, wie auch mit regenerativer Energie die Grundlast gesichert werden kann. Gegebenenfalls könnte ein Pumpspeicherwerk Sinn machen, um Strom aus Windenergie speichern zu können.

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