Mittleres Frühjahrshochwasser an der Berkel
„Das war an der Kante“

coesfeld. Die Himmelsschleusen waren gut geöffnet am Sonntag. Aber der Schieber am Walkenbrückentor blieb erst einmal noch zu. „Das war an der Kante“, räumte Rolf Hackling, Leiter des Abwasserwerks der Stadt, auf Nachfrage ein. Eigentlich war Wochenende – und für Rosenmontag hatte er auch einen freien Tag angemeldet. Das regenreiche Wetter ließ ihm und seinen Kollegen dann aber keine Wahl, den Pegel an der Berkel und ihren Zuflüssen genau im Blick zu behalten. 2,20 Meter maßen sie Sonntag in Lutum. Ab 1,80 Meter sprechen die Experten dort von mittlerem Hochwasser. „Da ist ordentlich was runtergekommen“, beschrieb Hackling die Lage. Da die Böden nach den tagelangen Regenfällen gut gesättigt seien und kein Wasser mehr aufnehmen könnten, fließt es über Vorfluter und Bäche in die Berkel ab – und rauscht in hohem Tempo auf Coesfeld zu.

Dienstag, 25.02.2020, 15:42 Uhr
Mittleres Frühjahrshochwasser an der Berkel: „Das war an der Kante“
An der Umflut unweit des Normannwehrs klatschte das Nass gegen die Hauswände. Klimageräte der Lindenapotheke standen am Sonntag zeitweise im Wasser. Foto: Paul Joachim Müller

„Die Umflut war voll“, so Hackling. Das bemerkten auch viele Passanten, die uns Fotos von markanten Stellen schickten. Am Schützenwall war das Wasser der Hecke zu privaten Grundstücken schon gefährlich nah gekommen. Bäume und Sträucher, die sonst auf dem Trockenen stehen, ragten aus dem mehrere Meter breiteren Gewässer heraus.

Die erste große Bewährungsprobe erlebte die neue Fischaufstiegsanlage am Normannwehr. Das Wasser trat stellenweise über die Ufer und prallte gegen die Häuserwände. „Ob sich die Wasserbaufachleute das so vorgestellt haben?“ fragte ein Spaziergänger. Die „Badewanne“ sei ganz schön voll gewesen. So voll, dass die außen an der Linden-Apotheke angebrachten Klimageräte mehrere Zentimeter tief im Wasser standen. Apotheker Franz-H. Hemsing blieb gelassen. „Die Sicherung habe ich rausgenommen, so dass nichts passieren konnte.“ Die Elektrik sitze oben in den Geräten. Er hofft daher, dass sie, wenn sie abgetrocknet sind, weiter funktionieren und seine Medikamente im Sommer kühlen helfen. Der Keller sei auch trocken geblieben. Hackling unterstrich, dass es das eigene Risiko des Besitzers sei, die Geräte so niedrig zu platzieren: „Wir haben ihn mehrfach darauf aufmerksam gemacht.“

Die Mitarbeiter des Abwasserwerks behalten die Wasserstände gut im Auge, um im Bedarfsfall den Schieber am Walkenbrückentor zu öffnen, der einen Teil des Wassers durch die urbane Berkel abfließen lässt und die Umflut entlastet. „Alle paar Stunden wird geguckt“, so Hackling. Am Sonntag sahen sie den kritischen Punkt noch nicht erreicht. Der, blickte er voraus, könne in den nächsten Tagen aber noch kommen. In dem Fall muss dann auch der Schlosspark aufwändig abgesperrt werden. Hackling: „Das ist dann richtig großes Kino.“

Weitere Leser-Hinweise erreichten uns zu großen Seenplatten auf dem ehemaligen Fritzen-Gelände (Dülmener Straße) und auf den Fürstenwiesen. Am Galgenhügel hat eine Anliegerin beobachtet, dass Flächen, auf denen zwei neue Mehrfamilienhäuser gebaut werden sollen, unter Wasser standen. Das, so Hackling, hätten die Planer durchaus im Fokus. Wenn da gebaut wird, werde das Niveau vorher noch angehoben, erläuterte er. Insgesamt, bekräftigte er, sei das, was man derzeit erlebe, nichts Ungewöhnliches. „So ein Frühjahrshochwasser ist typisch für die Zeit.“ | Kreis Coesfeld

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